Die Nächste, bitte!

Das Buch hat mir gut gefallen. Ich muss sogar sagen: Erstaunlich gut! Nachdem ich nämlich mit Mia Morgowskis Debütroman Kein Sex ist auch keine Lösung überhaupt nicht warm geworden bin (ich hatte das Buch sogar abgebrochen), habe ich lange Zeit nichts mehr von ihr gelesen. Die Nächste, bitte!  ist ihr dritter Roman, und da sich die Story gut anhörte, habe ich einen Versuch gewagt.

Ich wurde positiv überrascht! Mia Morgowski überzeugt hier nicht nur mit einem temporeichen und originellen Plot, sondern auch mit sympathischen Charakteren und frischem Schreibstil.
Die Story: Durch eine Verwechslung bzw die Verkettung unglücklicher Umstände wird die Hamburgerin Nella bei ihrer Ankunft in Genf für die Gattin ihres Hausarztes Paul gehalten. Diesem kommt das ganz gelegen, denn er ist quasi zum Probearbeiten in einer exklusiven Schweizer Schönheitsklinik. Um den begehrten Job als Anti Aging Spezialist dort zu bekommen, muss er allerdings, so will es der Chef, verheiratet sein.

Wie erwartet ergeben sich allerhand Fallstricke beim glaubhaften Inszenieren dieser „Ehe“. Zumal sich Paul und Nella zunächst nicht ganz grün sind, milde ausgedrückt. Frau Morgowski jongliert gekonnt mit allerhand Mann-Frau-Klischees, allerdings nie übertrieben und stets mit einem Augenzwinkern.
Besonders gefallen hat mir die Erzählperspektive, davon gibt es nämlich zwei: Frauenheld Paul gibt frisch von der Leber weg Einsichten in seine Frauenheldenseele. Und Nella gewährt Einblick in ihr Tagebuch, in welchem sie minutiös ihre Gefühle und Gedanken  niederschreibt. Es ist interessant und teilweise zum Brüllen komisch, wie unterschiedlich beide ein- und dieselbe Situation beurteilen.

Beide Charaktere konnte ich gut leiden mit all ihren Macken und Kanten. Auch Nebenfiguren waren klasse gezeichnet. Hier und da ein Klischee – aber immer ungeheuer viel Charme!

Das Buch hat mir richtig  gut gefallen, war sehr kurzweilig und lustig. Das klassische Frauenromanchen eigentlich. Wer sowas mag und auf staubtrockenen Humor steht, ist mit Paul & Nella bestens beraten! Ich jedenfalls hoffe sehr auf eine Fortsetzung mit den beiden.

Mia Morgowski – Die Nächste, bitte!
Rowohlt Verlag, Mai 2011
ISBN 9783499256370
368Seiten
8,99 Euro

Eine Frage der Höflichkeit

Ein ganz wunderbares Buch, dessen Zauber sich einem vielleicht nicht immer auf Anhieb erschließt. Obwohl es ohne große Höhen und Tiefen auskommt und fast 400 Seiten sacht dahin plätschert, ist es nie oberflächlich oder gar langweilig. Stellenweise etwas langatmig, man hätte manches sicher nicht ganz so sehr breit treten müssen. Jedoch wird hier eine Geschichte mit Bedacht erzähl, mit ganz feinem Witz und viel Esprit.

Kateys Leben ist der Mittelpunkt dieser Geschichte, und allein die Atmosphäre im New York der 30er Jahre, die Amor Towles hier erschafft, ist es wert, dieses Buch zu lesen! Katey war mir von Anfang an sympathisch: Eine clevere junge Dame, die mit Willensstärke und Klarsicht ihren Weg geht, die stets Grips und Gelassenheit beweist, und die dabei warmherzig und integer ist. Eine meiner liebsten Romanprotagonistinnen seit Langem!
Ihre Beobachtungen und Beurteilungen von Menschen und Situationen fand ich spannend zu lesen. Ich habe zum Lesen auch unverhältnismäßig viel Zeit gebraucht – einfach weil das Buch so viele Impulse gibt und ich viel reflektiert und nachgedacht habe beim Lesen.

Es „passiert“ im Grunde eher wenig in diesem Roman, und gerade für diese Art von Büchern muss der Autor wirklich herausragende erzählerische Fähigkeiten haben. Diese kann ich Amor Towles in jedem Fall bescheinigen – mich haben selbst banale Beschreibungen von einem Abendessen in ihren Bann gezogen. Hier sitzt einfach jedes Wort, Charaktere werden messerscharf charakterisiert. Man erwartet mit Spannung den Fortgang der Geschichte, die Towles ganz offensichtlich mit so viel Hingabe niedergeschrieben hat.

Die 110 „Regeln der Höflichkeit“ (Rules of Civility), die George Washington einst niederschrieb, sind dem Buch als Anhang nachgestellt. Gleichzeitig wird in dem Roman immer wieder implizit die Frage nach „Etikette“ und deren Grenzen gestellt. Was ist gesellschaftlich erlaubt und was nicht.

Eine echte Perle! Ein rundum gelungenes, sehr atmosphärisches und vielschichtiges Buch, an dem ich lediglich den für meinen Geschmack zu knapp geratenen Schluss zu bemängeln habe und einige Längen, die dem Buch aber insgesamt keinen Abbruch tun.

Amor Towles – Eine Frage der Höflichkeit
Graf Verlag, März 2011
ISBN 9783862200108
416 Seiten
19,99 Euro

Das Lied der Sonnenfänger

Julie Peters hat ein wunderschönes und farbenprächtiges Neuseeland-Epos vorgelegt, das sich wohltuend von einer gewissen Masse ähnlicher Romane abhebt.
Die Geschichte an sich ist nicht neu, wird hier aber auf ungewöhnliche Weise mirteißend, authentisch und ohne Kitsch erzählt: Die Familie O’Brien flieht Ende des 19. Jahrdunderts aus dem verarmten Irland, um im fernen Neuseeland als Schafzüchter einen Neuanfang zu wagen. Antriebsfeder sind die Männer der Familie, die Frauen „gehen eben so mit“. Aber es sind dennoch die Frauen, auf die Peters den Fokus gelegt hat. Vor allem die Schwägerinnen Emily und Siobhan, vermeintlich unterschiedlich wie Tag und Nacht, aber jede auf ihre Weise stark und stolz, machen im Verlauf des Romans eine erstaunliche Entwicklung durch.

Alle Charaktere, bis hin zur Bordellchefin, sind glasklar gezeichnet und mit liebenswerten Eigenheiten versehen. Das macht sie umso authentischer und die Geschichte umso mitreißender – es ist nicht schwer, hier Identifikationsfiguren zu finden.
Spannend ist es vor allem, die recht gegenläufige Entwicklung der zunächst wilden und ungestümen Emiliy und ihrer so zurückhaltenden und änsgtlichen Schwägerin Siobhan zu verfolgen. Während ausgerechnet die dickköpfige Emily gegen ihren eigentlichen Willen eine Ehe eingeht, die sie beinahe ins Verderben reißt, muss Siobhan erkennen, dass auch sie nicht so glücklich ist in ihrer Ehe, wie es nach außen hin scheint. Ausgerechnet die scheue Siobhan verliebt sich schließlich in einen „Wilden“, einen Maori, und muss sich entscheiden.

Die Entscheidungen, die getroffen werden, haben mich immer wieder erstaunt und positiv überrascht! Denn wer ausschließlich verkitschte Happy Ends erwartet, liegt hier völlig falsch. Peters „traut“ sich, fernab vom weichgespülten Romantik-Klischee auch das wahre Leben mit echten Schicksalsschlägen zu beschreiben, die den Romanfiguren widerfahren und an denen sie wachsen. Und auch das trägt ebenso wie die realistischen Charaktere zu der Glaubwürdigkeit der Geschichte bei.

Ich fand die Geschichte wirklich schön zu lesen, sie schien mir gut recherchiert und ist lebendig geschrieben. Einzig einige Episoden wie zB die Liebesgeschichte zwischen Siobhan und dem Eingeborenen Amiri hätte ich mir etwas besser beschrieben gewünscht, mir persönlich war es ein wenig zu oberflächlich und kurz abgehandelt – was der Geschichte in ihrer Gesamtheit jedoch keinen Abbruch tut.
Ein wunderbarer Schmöker!

Julie Peters – Das Lied der Sonnenfänger
Wunderlich Verlag, Januar 2011
ISBN 3805208960
14,95 Euro

Das Lächeln der Frauen

Ich schrieb es bereits: Ich bin Nicolas Barreau Fan. Das Lächeln der Frauen ist sein dritter Roman, und er steht den beiden vorherigen in nichts nach! Barreau versteht es hervorragend, Zufallsbekanntschaften im Alltag zu wunderschöne Liebesgeschichten zu machen. Dabei denkt er konsequent den Gedanken weiter „Was wäre wenn?“ Wenn sich die Protagonisten tatsächlich finden würden nämlich.

Das Lächeln der Frauen fand ich besonders spannend, weil hier die Frage gestellt werden muss, wen man eigentlich liebt: Das Äußere eines Menschen oder das, was sich dahinter verbirgt? Diese Frage muss sich die junge Sophie stellen, die nach der schmerzhaften Trennung von ihrem Freund Trost in einem Buch findet. Sie glaubt, sich in dem Roman wiederzuerkennen, fühlt sich angesprochen und lebt regelrecht auf. Das Buch bzw der Autor habe ihr das Leben gerettet – mit diesem Argument setzt sie alle Hebel in Bewegung, den scheuen britischen Schriftsteller kennenzulernen.

Da das Buch aus 2 Perspektiven erzählt wird, hat man als Leser ihr eines voraus: Man weiß, was es mit „Robert Miller“ auf sich hat und kennt sein Geheimnis, das Sophie allerdings erst noch herausfinden muss. Allerdings hat sein Lektor André ein berechtigtes Interesse daran, dass sie es nicht herausfindet… Als Leser folgt man der Geschichte abwechselnd aus Andrés und Sophies Sicht – und man hofft für beide, dass das Geheimnis gelöst werde kann und die Geschichte ein Happy End bekommt.

Gewohnt temporeich und doch poetisch erzählt, mit sehr viel Liebe zum Detail und mit einem Blick für Menschliches und Beziehungen  – es ist ein Genuss, dieses Buch zu lesen. Barreau schafft es nicht nur, seine Charaktere zum Leben zu erwecken, sondern schafft eine Atmosphäre, die zum Greifen nahe ist. Beim Lesen fühlte ich mich in das winterliche Paris versetzt – man kann wunderbar in dieser Atmosphäre abtauchen!

Mir hat das Buch mit seinem ganz speziellen Zauber wunderschöne und leider viel zu kurze Lesestunden beschert – ich kann nur auf weitere Romane von Nicolas Barreau hoffen!

Nicolas Barreau – Das Lächeln der Frauen
366Seiten
Thiele Verlag, November 2010
ISBN: 3851791444
18 Euro

Beyond the Highland Mist

Hach Kinners, nejjj wat war dat schön!!
Doch wirklich, ich meine das ernst und erkenne mich selbst kaum wieder. Liebesromane – erst recht derartige Schmachtfetzen! –  sind ja sonst eigentlich das Letzte, was ich lese.

Durch eine Verkettung mehrerer Umstände kam es dann aber dazu, dass ich mich mit etlichen Nora Roberts Romanen eindeckte. Die wollte ich nämlich schon immer mal lesen, da ich einige ihrer Verfilmungen kenne und die so nett berieselnd finde. Habe also angefangen, die MacKades zu lesen und fand die auch garnichma so schlecht! Irgendwie bin ich dann in diverse Foren geraten und habe gestöbert, und bin letztlich bei der Highlanderserie von Moning hängengeblieben. Die war mir zwar schon länger ein Begriff, aber sowas hätte ich bis dato mit der Kneifzange nicht angefasst. Von mir bisher wenig liebevoll als Schottenkitsch bezeichnet, habe ich da einen weiten Bogen drum gemacht. OBWOHL, und das muss ich betonen, ich das Zeitreisethema sehr spannend finde und schon als Kind Zeitreiseromane geliebt habe. Vergällt hat mir das Schottenkitschgenre ausgerechnet die Mutter des Schottenkitsches, nämlich Diana Gabaldon. Die geht GAR nicht! Ihren Erstling Feuer und Stein habe ich vor 12 Jahren mal zu lesen versucht und mich fast abgerostet. Ich mochte das Buch überhaupt nicht, was vor allem an den furchtbaren Charakteren lag und an dem unfassbar langatmigen Schreibstil.

Soweit, so gut. Meine Experimentierfreude in puncto Liebesromane war geweckt (zumal auch Irina noch ganz nebenbei wohltuend auf mich eingewirkt hat), und obwohl ich fast sicher war, auch Moning nicht zu mögen, habe ich es mal probiert, denn zumindest sollte die Serie auch recht humorvoll sein.

Was soll ich sagen? Ich bin hin und weg! Nicht mal die Sexszenen haben mich gestört.
Den Zeitreiseplot mag ich wie gesagt ohnehin sehr. In diesem Falle wird die Amerikanerin Adrienne aus den 1990er Jahren in das schottische Jahr 1513 katapultiert. Der „Grund“ oder die Grundlage für diese Zeitreise war interessant erklärt und auch in gewissem Rahmen „plausibel“ – wenn man kein Problem damit hat, Feen und Feenzauber als plausibel zu betrachten ;) Für mich aber interessanter als Leute, die nach einem Gewitter plötzlich einfach so in der Zeit versetzt sind.
500 Jahre vor ihrer Zeit in Schottland wird Adrienne auch direkt zwangsvermählt mit Laird Sidheach „Hawk“ Douglas. Und der ist wirklich ein Alphamännchen wie es im Buche steht! Groß, dunkel, muskelgestählt – und geradezu rührend von sich selbst überzeugt. Als der seinen Auftritt hatte, da wusste ich sofort – der weiß, wo der Hammer hängt! Aber trotzdem mochte ich ihn, denn ich fand ihn trotz seines Egos nicht unsympathisch. Er entbehrt nicht eines gewissen Charmes, ist humorvoll, hat auch sehr noble Charakterzüge, ist prinzipientreu.
Und natürlich unglaublich sexy!

Adrienne ist so ein bisschen zickig, aber nicht ganz zu unrecht, wenn man bedenkt, dass der ihr unbekannte breitbrüstige Schotte darauf besteht, dass er sie irgendwann schon rumkriegen wird, schließlich hat er bisher noch JEDE rumgekriegt! Sie ist weder auf den Mund, noch auf den Kopf gefallen und ist ihm somit ebenbürtig. Anfangs hat mich ihr starrsinniges „I HATE beautiful men!“ allerdings ziemlich genervt. Aufgrund einer schlechten Erfahrung ist sie der Meinung, ALLE schönen Männer wären riesengroße Arschlöcher. Und Hawk IST schön… Vor lauter Angst also, wieder auf  „so einen“ hereinzufallen und verletzt zu werden sperrt sie sich und wehrt sich mit Händen und Füßen, beteuert, dass sie sie ihn nienieniemals erhören würde – was natürlich seine Jagdinstinkte erst recht weckt! Er ist augenblicklich unsterblich in seine Braut verliebt und natürlich reichlich konsterniert, dass sie sich so sträubt, wo ihm doch sonst alle Frauen zu Füßen liegen!

Bei seinen Versuchen, sie rumzukriegen habe sogar ich weiche Knie bekommen, und gerade dieses „Weichkochen“ hat mir gefallen und dass sie nicht sofort langweilig-weibchenmäßig an seine breite Brust gesunken ist. Einerseits setzt er seine Verführungskünste ein, andererseits will er, dass sie ihn tatsächlich als Menschen kennen- und schätzen lernt. Was natürlich letztlich auch gelingt – und wie gesagt, ich mochte ihn irgendwie auch und fand ihn als Charakter auch gut beschrieben.

Angenehm fand ich, dass sich nicht alles nur um diese Liebesgeschichte dreht, sondern der Hintergrund der Zeitreisen untersucht wird. Adrienne weiß nicht, wie oder weshalb sie durch die Zeit reist, es geschieht einfach. Verschiedene Umstände, Dinge und Personen stehen in dem Verdacht, etwas damit zu tun zu haben, und ich fand es durchaus spannend, die Zusammenhänge zu erkunden. Wollte sie anfangs gerne wieder zurück in ihre Zeit, so musste sie später damit fertig werden, gegen ihren Willen wieder zurückgeworfen zu werden. Mir brach fast das Herz, als der arme Hawk alleine zurückblieb und dachte, sie liebt ihn nicht mehr… ;)

Erwartungsgemäß gab es auch ein paar Ungereimtheiten und Dinge, die nicht so wirklich logisch waren. Beispielsweise hat Adrienne so gar keine Anpassungsschwierigkeiten im 16. Jahrhundert und fühlt sich eigentlich pudelwohl. Während sie arglos sich über das „nice, chemical-free water “ freut, hätte ich an ihrer Stelle vermutlich nur gedacht „Gottogott, bestimmt alles voller Bakterien!“
Mein persönliches Highlight: Als das Eis endlich gebrochen ist nach circa 300 Seiten Gebagger vom Hawk, stellt sich überraschend heraus, dass Adrienne noch Jungfrau ist (ok, solls ja geben). Und sie hat nur ganz kurz einmal gezuckt – obwohl vorher mehrfach überdeutlich durchgesickert war, dass Hawk offenbar einen ganz schönen Oschi hat!
Naja. Schwamm drüber! Ist ja schließlich ein Liebesroman. Da muss das bestimmt so…

All das hat der Geschichte insgesamt auch keinen Abbruch getan, und ich bin so traurig, dass sie schon vorbei ist, dass ich mir zum Trost auf einen Schlag alle weiteren Highländerbände von Karen Moning besorgt habe (insgesamt 7 an der Zahl).
Insgesamt ein herrlich berieselnder, prickelnder und wunderbar zum Abschalten geeigneter Roman!

Karen Marie Moning – Beyond the Highland Mist
Dell
ISBN 0440234808
5,90 Euro