If I were you

Ich muss ja leider zugeben, dass mir die Fifty Shades Reihe gefallen hat und mich daher die zahlreichen „What to read after Fifty Shades“ empfehlungen immer sehr anfixen. So gut wie nichts davon hat mich bisher zufrieden gestellt, entweder schlecht erzählt, schlechte Charaktere, schlechte Story oder einfach nicht mein Geschmack.

Mit If I were you habe ich endlich mal einen Treffer gelandet, denn dieser Serienauftakt hat mir trotz einiger Längen wirklich gut gefallen! Eigentlich bisher sogar besser als Fifty Shades, denn die Protagonistin Sara ist nicht so schrecklich tollpatschig und unerfahren wie Anastasia Steele. Sara McMillan ist High School Lehrerin, wäre aber, da sie Kunst studiert hat, lieber beruflich in der Künstlerwelt involviert, zB als Galeristin. Durch einen Zufall fällt ihr das Tagebuch einer Frau in die Hände, die darin ihre Beziehung zu einem sehr attraktiven und dominanten Mann beschreibt, dem sie regelrecht hörig ist und der mit ihr unter anderem auch Bondagespielchen praktizert.

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Gabriel’s Inferno

Diese zweiteilige Serie (bisher nicht in deutscher Sprache erschienen) wird in amerikanischen Bloggerkreisen mehr oder weniger einstimmig als das bessere/niveauvollere Fifty Shades gehandelt, und so musste ich das natürlich lesen. Die Ähnlichkeiten beschränken sich inhaltlich auf die Konstallation der Hauptcharaktere so wie gewissen Eigenschaften der beiden. Ähnlich ist in beiden Büchern vor allem die Intensität der Beziehungen.

Um es vorwegzunehmen: Mir persönlich hat dieses Buch in der Tat sogar eher besser gefallen als Fifty Shades, was vor allem daran lag, dass diese etwas unglaubwürdige BDSM-Kiste komplett wegfiel. Auch Gabriel Emerson ist zwar wie Christian Grey wohlhabend, charmant, kultiviert und so ein bisschen „bossy“ und in allem was er tut sehr souverän und kompetent. Aber tatsächlich das Buch sprachlich auf ganz anderem Niveau angesiedelt und hat auch auf gewisse Weise mehr Tiefe als Fifty Shades.

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Fifty Shades

Ich habe es getan und (übrigens zunächst in völliger Unkenntnis darüber, dass die Serie derart gehypt wird) die gesamte Fifty Shades Trilogie gelesen.
Eine Freundin las die Bücher, und währensd meines USA-Aufenthaltes im Mai habe ich die Bücher dort überall in jeder Buchhandlung gesehen (aber nicht weiter beachtet). Für den Rückflug brauchte ich noch Lesestoff und dachte „Ochja, warum auch nicht?“, und die Verkäuferin empfahl mir das Buch auch wärmstens mit einem schnurrenden „This is verrrrrrryyyy good!“

Trotz anfänglicher Langeweile kam ich dann doch recht bald in die Geschichte rein, und auf einmal hatte ich alle 3 Bände durch.
Wie fand ich nun also diese Buchserie, die derzeit in aller Munde zu sein scheint und demnächst auch in deutscher Übersetzung erscheint? Ich muss gestehen: Gut!

ABER.

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Beyond Heaving Bosoms. The smart Bitches‘ Guide to Romance Novels.

Wie bereits erörtert, habe ich mich im letzten Jahr quasi um 180 Grad gedreht und mich einem gerne belächelten Genre zugewandt: Dem Liebesroman. Wobei das für mich immernoch „Nackenbeißer“ sind und keine Liebesromane.

Nachdem die Highlander-Serie von Moning bei mir dermaßen reingehauen hatte und ich mir auch gleich eine weitere Liste in Frage kommender Nackenbeißer Liebesromane zurechtgelegt hatte, hab ich gedacht, es kann so verkehrt ja wohl nicht sein, auch mal ein bisschen Sekundärliteratur zu lesen. So als Anfänger.
Die beschreibenden Attribute „funny“, „hilarious“ und „irreverent“ haben neben dem provokant-frechen Untertitel „Smart Bitches’s Guide“ meine Aufmerksamkeit geweckt. Nachdem ich das Buch dann vergleichsweise günstig auf thebookdepository.com entdeckt habe, habe ich zugeschlagen.

Die beiden Autorinnen Candy Tan und Sarah Wendell sind Betreiberinnen der Website Smart Bitches, Trashy Books. Auf den durch jahrelanges Lesen von „trashy books“ gewonnenen Erkenntnissen basieren Website und Buch. Wobei die Website in erster Linie Rezensionen enthält, das Buch befasst sich mit dem Liebesromangenre im Allgemeinen und im Besonderen, jongliert gekonnt mit Vorurteilen gegenüber Schnulzen und ihren Leserinnen und  befasst sich eingehend mit den gängigen Klischees.
Ich weiß nicht, wie „erfahrene“ Liebesromaneserinnen das Buch finden würden, aber ich fands dufte! Vor allem das Aufzeigen von Klischees und sich immer wieder wiederholender Stereotype in diesem Genre fand ich sehr aufschlussreich und vor allem sehr komisch. Ich hatte ja beispielsweise gedacht, dass nur die Moning’schen Helden immer so riesen Oschis haben, aber anscheinend haben die das alle. Und es sind auch immer alle Heldinnen noch Jungfrau und werden natürlich trotzdem vom Helden schon im ersten Anlauf unter Sternengefunkel und Fanfarenstoßen zum Orgasmus gebracht. Schön, so eine heile Welt! Aber warum auch nicht…

Es wird noch auf viele andere Kleinigkeiten eingegangen, die offenbar in keiner Romance Novel fehlen, sei es in Bezug auf charakterliche oder äußerliche Stereotypen der Helden, sei es in Bezug auf die in der Handlung dargestellten Konflikte. Und natürlich wird auch Bezug genommen auf die Vorurteile, die im allgemeinen dieser „Schundliteratur“ so entgegengebracht werden. Es wird ergründet, warum genau ausgerechnet hier so viele Vorurteile liegen und wie man als Genrefan am besten damit umgeht.
Die Autorinnen nehmen sich gekonnt selbst aufs Korn und ermutigen Leserinnen dieses Genres auch, einfach zu dem zu stehen, was sie gern lesen. Warum auch nicht?  Man liest doch, weil es einem Spaß macht, weil man gerne Geschichten hört. Was ist verkehrt daran, eine Geschichte zu lesen, in der sich zwei attraktive Menschen mit Pseudokonflikten rumschlagen, bei denen man im Grunde von Anfang an genau weiß – die kriegen sich noch! – und die vor dem unvermeidlichen Happy End noch ein paarmal Sex miteinander haben, bei dem man himmlisches Glockengeläut vernimmt? Diese Geschichten müssen trotz des vermeintlich schlichten Schemas ja nicht schlecht geschrieben sein. In vielen Romance Novels steckt mehr Witz und Intelligenz, als man zunächst vermuten würde!

In disem Zusammenhang möchte ich noch das grandiose Smart Bitches‘ Law #1 zitieren:

„Thou shalt not diss the reading material of another person merely to elevate one’s own.“

Ich lasse das mal so stehen.

Interessant fand ich den Überblick über die Entwicklung des Romance Genres über die Jahrzehnte. Es wird in Old Skool/New Skool unterteilt mit mit Beispielen veranschaulicht, wie sich Plots und Charaktere im Laufe der Zeit verändert haben. Zumal ja auch ganz neue Subgenres dazugekommen sind wie zB die derzeit enorm beliebten Paranormal Romances.

Den verhassten und doch geliebten unsäglichen „typischen“ Nackenbeißer Covern wird natürlich ebenfalls ein ganzes Kapitel gewidmet, und auch hier findet man sehr viele Klischees, viel Wahres und vor allem viel zum Lachen! Zum Schreien komisch (fand ich jedenfalls). Hervorzuheben wären an dieser Stelle noch die Karikaturen und Diagramme, mit denen das Buch aufgepeppt wurde.

Sprachlich seeeehr schnodderig und mit viel amerikanischem Slang und eigenwilligen Wortneuschöpfungen angereichert ist das Buch klar erkennbar für passionierte Leserinnen des Genres gedacht, die sich selbst nicht so wichtig nehmen und smart genug sind, zu wissen, dass sie sich und ihre Intelligenz nicht über ihre bevorzugte Lektüre definieren müssen.
Das einzige was mich gestört hat, war dass sich viele Punkte immer wiederholen und das Ganze etwas künstlich aufgebläht erscheint. Das Buch ist an sich schon nicht besonders dick und hätte sicher noch kürzer ausfallen können. An manchen Stellen dachte ich dann schon „Okay, jetzt hab ichs auch verstanden…“

Dennoch ein echter Lesespaß, witzig & intelligent!

Sarah Wendell & Candy Tan – Beyond Heaving Bosoms. The smart Bitches‘ Guide to Romance Novels
291 Seiten
Fireside, April 2009
ISBN: 1416571221
(Das Buch ist nur in Englischer Sprache erhältlich)

Das Lächeln der Frauen

Ich schrieb es bereits: Ich bin Nicolas Barreau Fan. Das Lächeln der Frauen ist sein dritter Roman, und er steht den beiden vorherigen in nichts nach! Barreau versteht es hervorragend, Zufallsbekanntschaften im Alltag zu wunderschöne Liebesgeschichten zu machen. Dabei denkt er konsequent den Gedanken weiter „Was wäre wenn?“ Wenn sich die Protagonisten tatsächlich finden würden nämlich.

Das Lächeln der Frauen fand ich besonders spannend, weil hier die Frage gestellt werden muss, wen man eigentlich liebt: Das Äußere eines Menschen oder das, was sich dahinter verbirgt? Diese Frage muss sich die junge Sophie stellen, die nach der schmerzhaften Trennung von ihrem Freund Trost in einem Buch findet. Sie glaubt, sich in dem Roman wiederzuerkennen, fühlt sich angesprochen und lebt regelrecht auf. Das Buch bzw der Autor habe ihr das Leben gerettet – mit diesem Argument setzt sie alle Hebel in Bewegung, den scheuen britischen Schriftsteller kennenzulernen.

Da das Buch aus 2 Perspektiven erzählt wird, hat man als Leser ihr eines voraus: Man weiß, was es mit „Robert Miller“ auf sich hat und kennt sein Geheimnis, das Sophie allerdings erst noch herausfinden muss. Allerdings hat sein Lektor André ein berechtigtes Interesse daran, dass sie es nicht herausfindet… Als Leser folgt man der Geschichte abwechselnd aus Andrés und Sophies Sicht – und man hofft für beide, dass das Geheimnis gelöst werde kann und die Geschichte ein Happy End bekommt.

Gewohnt temporeich und doch poetisch erzählt, mit sehr viel Liebe zum Detail und mit einem Blick für Menschliches und Beziehungen  – es ist ein Genuss, dieses Buch zu lesen. Barreau schafft es nicht nur, seine Charaktere zum Leben zu erwecken, sondern schafft eine Atmosphäre, die zum Greifen nahe ist. Beim Lesen fühlte ich mich in das winterliche Paris versetzt – man kann wunderbar in dieser Atmosphäre abtauchen!

Mir hat das Buch mit seinem ganz speziellen Zauber wunderschöne und leider viel zu kurze Lesestunden beschert – ich kann nur auf weitere Romane von Nicolas Barreau hoffen!

Nicolas Barreau – Das Lächeln der Frauen
366Seiten
Thiele Verlag, November 2010
ISBN: 3851791444
18 Euro