Das Lied der Sonnenfänger

Julie Peters hat ein wunderschönes und farbenprächtiges Neuseeland-Epos vorgelegt, das sich wohltuend von einer gewissen Masse ähnlicher Romane abhebt.
Die Geschichte an sich ist nicht neu, wird hier aber auf ungewöhnliche Weise mirteißend, authentisch und ohne Kitsch erzählt: Die Familie O’Brien flieht Ende des 19. Jahrdunderts aus dem verarmten Irland, um im fernen Neuseeland als Schafzüchter einen Neuanfang zu wagen. Antriebsfeder sind die Männer der Familie, die Frauen „gehen eben so mit“. Aber es sind dennoch die Frauen, auf die Peters den Fokus gelegt hat. Vor allem die Schwägerinnen Emily und Siobhan, vermeintlich unterschiedlich wie Tag und Nacht, aber jede auf ihre Weise stark und stolz, machen im Verlauf des Romans eine erstaunliche Entwicklung durch.

Alle Charaktere, bis hin zur Bordellchefin, sind glasklar gezeichnet und mit liebenswerten Eigenheiten versehen. Das macht sie umso authentischer und die Geschichte umso mitreißender – es ist nicht schwer, hier Identifikationsfiguren zu finden.
Spannend ist es vor allem, die recht gegenläufige Entwicklung der zunächst wilden und ungestümen Emiliy und ihrer so zurückhaltenden und änsgtlichen Schwägerin Siobhan zu verfolgen. Während ausgerechnet die dickköpfige Emily gegen ihren eigentlichen Willen eine Ehe eingeht, die sie beinahe ins Verderben reißt, muss Siobhan erkennen, dass auch sie nicht so glücklich ist in ihrer Ehe, wie es nach außen hin scheint. Ausgerechnet die scheue Siobhan verliebt sich schließlich in einen „Wilden“, einen Maori, und muss sich entscheiden.

Die Entscheidungen, die getroffen werden, haben mich immer wieder erstaunt und positiv überrascht! Denn wer ausschließlich verkitschte Happy Ends erwartet, liegt hier völlig falsch. Peters „traut“ sich, fernab vom weichgespülten Romantik-Klischee auch das wahre Leben mit echten Schicksalsschlägen zu beschreiben, die den Romanfiguren widerfahren und an denen sie wachsen. Und auch das trägt ebenso wie die realistischen Charaktere zu der Glaubwürdigkeit der Geschichte bei.

Ich fand die Geschichte wirklich schön zu lesen, sie schien mir gut recherchiert und ist lebendig geschrieben. Einzig einige Episoden wie zB die Liebesgeschichte zwischen Siobhan und dem Eingeborenen Amiri hätte ich mir etwas besser beschrieben gewünscht, mir persönlich war es ein wenig zu oberflächlich und kurz abgehandelt – was der Geschichte in ihrer Gesamtheit jedoch keinen Abbruch tut.
Ein wunderbarer Schmöker!

Julie Peters – Das Lied der Sonnenfänger
Wunderlich Verlag, Januar 2011
ISBN 3805208960
14,95 Euro

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Im Land der weißen Wolke

Gekauft im Kolonien-Auswanderer-Familiensaga-Wahn schon vor Monaten, gelesen erst jetzt, da ich mal in Stimmung war für einen richtigen „Schmöker“.

Anfangs war ich sogar richtig begeistert, obwohl ich auch damit gerechnet hätte, dass mir dieser 800-Seiten-Schinken evennnntuell ein bisschen zu seicht werden könnte. Die Geschichte fing jedoch sehr packend an, war lebendig und interessant geschildert. Mir hat das Eintauchen in eine entfernte Zeit gefallen, der Pioniergeist, die Lust auf Neues, von denen die Hauptakteure getrieben werden.
Im Mittelpunkt stehen die beiden britischen Frauen Helen und Gwyneira, die eine Ende 20 und Gouvernante bei reichen Leuten, die andere noch keine 20 und Tochter von (anderen) reichen Leuten. Beide wandern Mitte des 19. Jahrhunderts in die (ehemalige) Kolonie Neuseeland aus und lernen sich auf dem Schiff dorthin kennen. Beide sollen/wollen in Neuseeland verheiratet werden, jede aus unterschiedlichen Motiven. Gemeinsam ist ihnen nur die Neugierde und die Hoffnung auf ein besseres Leben als bisher. Die (für damalige Verhältnisse) schon etwas ältliche Gouvernante Helen wird eher vom Sicherheitsdenken getrieben und hofft, bei einembodenständigen Farmer endlich unter die Haube zu kommen. Die junge Adlige Gwyneira dagegen treibt mehr die Abenteuerlust, sie erhofft sich eine Art „Cowboy als Mann“.

Beide werden enttäuscht, aber beide versuchen jeweils das Beste aus ihrem Schicksal zu machen. Soweit zur Rahmenhandlung.
Historisch scheint mir das Ganze nicht immer allzu korrekt zu sein, überhaupt werden historische Ereignsse eher beiläufig eingeflochten. Was man der Autorin zugute halten muss, ist ihre Phantasie und ihre Fähigkeit, sehr ausschmückend und lebendig zu schreiben sowie die Verknüpfung verschiedener Schicksale und Lebenswege. Menschen, die mit Helen und Gwyneira auf dem Schiff nach Neuseeland kamen und die man dann aus den Augen verloren hat, tauchen nach und nach alle wieder auf und finden ihren Platz in der Geschichte. Das hat mir gut gefallen!

Die ersten ca.200-250 Seiten fand ich sehr kurzweilig und fesselnd, speziell Gwyns Pioniergeist, ihre Lebensfreude und ihr Tatendrang warensehr mitreißend. Danach sackte das Ganze aber erstmal stark ab, denn es ging ab hier seeeehr lange und sehr intensiv um die sexuelle Unerfahrenheit beider Frauen. Mir ist schon klar, dass gerade Frauen in der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht aufgeklärt waren, aber das kann man auch kurz umreißen und muss nicht seitenweise darüber schwadronieren und bis ins Detail erklären, warum das Fräulen partout nicht schwanger wird und was sie so alles dagegen unternimmt. Diese ganzen Schilderungen waren mir zu platt und drifteten stark ins Groschenromanmäßige ab.
Überhaupt: Verschiedene Liebesgeschichten in demRoman wurden mir etwas zu raumgreifend. Ich wollte eigentlich eine Geschichte lesen über Menschen, die vor langer Zeit in einem völlig fremden Land Fuß zu fassen versuchen. Meinetwegen können sie sich da auch verlieben, meinetwegen können sie auch Sex haben. Aber ich hab einfach keinen Bock auf hunderte von Seiten „Oh Jaaaaaaaaames, ich werde ich immer lieben!!“-Geschwafel. Das war teilweise schon sehr grenzwertig für meinen Geschmack und hat mir die im Kern sehr schöne Geschichte auch etwas verleidet. (Ich hatte sowas eigentlich schon geahnt. Aber ich wollte es wenigstens mal versucht haben!)

Darüber hinaus bin ich die ganze Zeit über den Eindruck nicht losgeworden, dass die Autorin eigentlich lieber einen Pferderoman geschrieben hätte. Hauptamtlich tut sie dies offenbar auch, denn Sarah Lark ist eines der Pseudonyme der Autorin Christiane Gohl. Auch wenn man sich im noch weitgehend unerschlossenen Neuseeland des 19. Jahrhunderts kaum anders fortbewegen konnte als zu Pferde, sowar mir hier die Reiterei und die Pferdezucht deutlich stärker fokussiert als dass es für die Geschichte als solche notwendig gewesen wäre. Es wird ja in Romanen der heutigen Zeit auch nicht ständig detailliert geschildert, wie jemand seinAuto wäscht oder wie schön kraftvoll der Motor aufheult und wie die Sommerreifen aufgezogen werden.

Die letzten 100 Seiten habe ich als unglaublich anstrengend empfunden, denn hier wollte die Frau Lark dann offenbar doch langsam endlich mal zu Potte kommen und ihren Roman beenden und hat auf kleinstem Raum noch möglichst viel Inhalt unterbringen wollen. Ich konnte das kaum noch überblicken, was da noch alles passiert ist, wer mit wem und wer gegen wen und warumwiesoweshalb. Ziemliches Geschwurbel und teilweise auch nicht mehr glaubwürdig. War mir bissl zu langweilig, und ich wollte dann meinerseits auch langsam mal fertig werden und hab vieles nur noch überflogen ;)

Weitere Kritikpunkte: Die schon imKlappentext erwähnte „Fehde“ zwischen 2 Familien wird immer wieder mal ausgegraben und dann beiläufig erwähnt, aber nicht näher erörtert oder gar ausgeführt. Viel zu beiläufig das Ganze, um schließlich das Brimborium gegen Ende zu rechtfertigen, das ich als Leserin nicht so recht nachvollziehen konnte, da es einfach keinen wirklichen Hintergrund hatte. Da hätte man ein bisschen mehr Detailarbeit leisten können (und dafür vllt ein paar Pferdepassagen streichen können).
Extrem genervt hat mich darüber hinaus die Sprache der Maori, die als Dienstboten für die weißen Siedler arbeiten. Wenn man eine fremde Sprache lernt, spricht man für gewöhnlich nicht ausschließlich nach dem Schema Subjekt – Infinitiv – Objekt. Ich habe es als herabwürdigend empfunden, dass die Maori auch nach über 20 Jahren im Dienste der weißen Herrschaft nicht in der Lage gewesen sein sollen, sich anders auszudrücken als „ich kochen Essen“ oder „Baby gut. Ich immer recht.“ Von der Herabwürdigung einmal abgesehen fand ich es irgendwann auch einfach sehr nervig beim Lesen.

Insgesamt schlechter Durchschnitt, den 2. Teil habe ich ungelesen zu Tauschticket wandern lassen ;)

Die Autorin selbst ist mir übrigens dadurch etwas unsympathsich geworden, dass sie unter verschiedenen Nicknames durch mehrere Bücherforen tingelt und dort jeweils unter anderem Namen ungeniert ihre eigenen Pseudonyme lobt und bewirbt. Finde ich persönlich fragwürdig bis peinlich. Hätte sie aber eigentlich gar nicht nötig gehabt, denn so schlecht ist das Buch nun gar nicht.
Wollt ich auch nur mal erwähnt haben. ;)

PS: Empfehlungen für gute Familiensagas über Siedler, Auswanderer und pioniere werden immernoch gerne entgegengenommen! (Müssen auch gar nicht in Neuseeland spielen.)

Wer Liebe verspricht

Hach ach ach!

Ich steh ja sehr auf diese ZDF-Kitschfilme. Inga, Rosamunde, Traumschiff und wie sie alle heißen. Je seichter, desto lieber!
Hätten Sie nicht gedacht, was? Abgründe tun sich auf… Bei Büchern funktioniert das dann eher weniger, da krieg ich meist schon bei den Klappentexten zu viel, wenn ich merke, es geht nur um „sie lieben sich innig, es gibt ne Menge Probleme, aber am Ende kriegen sie sich doch“.

Da nun aber die Buchverfilmung des ZDF mir wirklich gut gefallen hat (trotz der auf schauspielerischem Gebiet leider völlig talentfreien Eva Habermann in der Hauptrolle) und da ich die Zeit der Kolonialreiche sehr interessant finde, habe ich mir dann in einem Anfall von Ichwillunbedingtmaleineliebesschnulzelesen dieses Buch gekauft. Schon 2 Tage nach dem Erwerb des Buches hatte ich dann schon keinen Bock mehr, und so „subbte“ es dann seit Mai vor sich hin, bis ich plötzlich wieder einen unerklärlichen Heißhunger auf so eine richtige Schnulze hatte. Und die Geschichte war im Film auch wirklich sehr klasse…

Der Film hat nicht besonders viel mit dem Buch zu tun (aber immerhin hab ich beim Lesen immer den schönen Erol Sander vor mir gesehn).
Die Geschichte an sich ist schnell erzählt: Frau liebt Mann. Er liebt sie auch, aber ist natürlich viel zu männlich und zu geheimnisumwittert, als dass er das mal eben zugeben könnte. Und am Schluss und nach 800 teilweise sehr verworrenen Seiten kriegen sie sich dann doch!

Ich fand das Ende nicht wirklich schlüssig und zufriedenstellend: Olivia O’Rourke, von ihrem Schatzi Jai Raventhorne geschwängert und dann fies sitzengelassen, weil dieser mit ihrer Cousine durchbrennt, wird ungefähr 790 Seiten lang als starke und selbstbewusste Frau aufgebaut, die sich nicht unterkriegen lässt. So, und dann kommt der schöne Jai nach 2 Jahren wieder und sagt sinngemäß „Ach dachtest du, ich käme nicht wieder? Das war doch alles nur ein Missverständnis, warum hast du mir denn nicht vertraut, Liebes?“ – und die stolze und unabhängige Olivia sinkt spontan erneut von Liebe erfüllt ohne mit der Wimper zu zucken wieder an des schönen Helden starke Brust…
Also echt mal, so leicht hätte ich es ihm nicht gemacht! Aber wahrscheinlich muss das so bei diesem Genre.

Trotz vieler Klischees und dieses sehr unbedfriedigenden Schlusses hab ich das Buch sehr gerne gelesen. So ein bisschen Kitsch, ein bisschen was fürs Herz… das ist ab und an vielleicht gar nicht so schlecht. Geschrieben ist das Buch sehr flüssig und erstaunlicherweise bis auf einige wenige Szenen auch gar nicht so kitschig, wie ich erwartet hatte.
Was mich gestört hat, war der Umfang von 800 Seiten. Manche Nebenstory hätt nicht unbedingt sein müssen, und es hätte auch gereicht, ein paarmal weniger zu erklären, wie toll und wie geheimnisumwittert Jai Raventhorne ist. Trotzdem: Alle Charaktere sind sehr schön gezeichnet und liebesvoll aufgebaut. Ich konnte mir jeden wirklich gut vorstellen, mit der Zeit lernt man die Figuren und ihre Eigenheiten beim Lesen sehr gut kennen – hat wirklich Spaß gemacht, das zu lesen!

Der Schauplatz, das Indien in der Mitte des 19. Jahrhunderts als britisches Kolonialreich, hat einen besonderen Reiz. Die Autorin (Rebecca Ryman ist das Pseudonym einer inzwischen verstorbenen indischen Autorin) beschreibt in schillernden Farben die Landschaften und die Menschen, und ich habe mich gerne für ein paar Tage in diese Welt „entführen lassen“, um es mal ganz platt auszudrücken.

Insgesamt ein schöner Schmöker, ohne besonderen literarschen Anspruch oder besondere Symbolik. Eine Liebesgeschichte mit etlichen Dramen, aber einem herzerweichenden Happy End, das wohl irgendwie zu solchen Geschichten dazugehört, mich aber etwas geärgert hat.

Sowas könnt ich doch glatt öfter mal lesen!

rating4

Das geheime Spiel

Ziemlich lange bin ich um dieses Buch herumgeschlichen, und ziemlich lange lag es dann auf meinem SUB, nachdem ich das Glück hatte, es zufällig als Remittende zu ergattern.

Irgendwie hörte sich das spannend und interessant an, das mit der Familiengeschichte und dem Geheimnis und dem Krimi. Bis auf den Krimi war auch alles dabei – ich weiß nicht, wer wieder mal diesen Mist aufs Cover geschrieben hat! Ein Buch ist noch lange kein Krimi, nur weil jemand durch Schusswaffengebrauch zu Tode kommt.
Da ich aber so gut wie keine Erwartungen an das Buch hatte und mir auch nicht so wirklich was darunter vorstellen konnte, konnte ich auch kaum enttäuscht werden, nech ;)
Ich würde es als Liebesgeschichte beschreiben und als die Geschichte von drei sehr verschiedenen Frauen in einer sicherlich sehr interessanten Epoche.

Das Buch hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Es kommt ein bisschen schwer in die Gänge, aber wenn man es erstmal „rein“ geschafft hat, ist s toll! Mehrere Geschichten unterschiedlicher Personen werden gekonnt miteinander verwoben, ohne allzu viel einzubringen. Schauplatz ist zu Beginn ein Englisches Landgut am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Erzählt wird aus der Perspektive von Grace, damals Dienstmädchen auf dem englischen Herrensitz Riverton Manor. Mit nur 14 Jahren geht sie dort 1914 in Stellung und fühlt sich dort sehr zu den beiden dort lebenden Enkelinnen des Lords hingezogen, Hannah und Emmeline. Besonders zu der gleichaltrigen Hannah baut sie mit den Jahren eine enge Beziehung auf, denn auch Hannah mag Grace und sieht in ihr allmählich mehr als nur eine Dienstbotin und Zofe.

Getragen von einem ruhigen und flüssigen Erzählstil geleitet Grace den Leser durch die Jahrzehnte. Die eigentliche „Geschichte“ spielt sich in den Jahren zwischen 1914 und 1925 ab, jedoch wird in Rückblicken auch die Ziet davor und danach angeschnitten. Gace ist zum Erzählzeitpunkt 98 Jahre alt und lebt in einem Pflegeheim. Dort wird sie besucht von einer Filmemacherin, die einen Spielfilm über die Geschehnisse aud Riverton Manor dreht und Grace als eine der wenigen „Überlebenden“ aus der damaligen Zeit interviewen möchte. Auf diese Weise erfährt man, dass Grace nach ihrer Zeit als Dienstmädchen später eine erfolgreiche Pionierin und Archäologin wurde, also einen eher unkonventionellen Weg eingeschlagen hat.

Spannung entsteht vor allem daraus, dass immer wieder angedeutet wird, es sei „damals“ etwas Schreckliches auf Riverton passiert, ein junger Dichter habe sich das Leben genommen. Aber genau weiß niemand, wie sich das zugetragen hat, denn die einzigen Zeugen waren Hannah und Emmeline, und sie haben nie preisgegeben, was passierte. Nur Grace weiß es, und sie hat ihr Geheimnis 75 Jahre lang gehütet. So wird man beim Lesen mal hierhin, mal dorthin geleitet, immer wieder neue kleine Geschichten werden eingeflochten. Für meinen Geschmack wird um einiges ein wenig zu viel Brimborium betrieben , vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass dieses „Geheimnis“ um den Dichter erst im allerlertzten Viertel des Buches so langsam in die Gänge kommt. Ich fand das Buch angenehm zu lesen und habe auch die kleinen Verflechtungen und Geschichten sehr gemocht, aber einiges erschien mir einfach zu langatmig und zu unwichtig. 100-150 Seiten weniger hätten dem Buch meiner Meinung nach nicht geschadet. Im Gegenteil, ein wenig Straffung und die komplette Streichung allzu vieler familiären Verflechtungen und Zwiste hätten das Ende nicht so plötzlich erscheinen lassen. Aufgrund dieser Längen fand ich das Buch streckenweise regelrecht langweilig, und ich musste mich zum Weiterlesen zwingen. Was sich aber im Endeffekt gelohnt hat, da diese Längen und mir sinnlos erscheinenden Passagen irgendwann nachließen.

Gut gefallen hat mir das Eintauchen in die 20er Jahre, das ist Kate Morton gut gelungen. Lebensgefühl, Mode und politische Ereignisse dieser Zeit werden sehr plastisch rübergebracht. Auch die Charaktere sind gut gezeichnet, zumindest die Hauptpersonen waren mir schnell vertraut.
Auf den letzten 50 Seiten ist für meinen Geschmack etwas zu viel untergebracht worden. Es scheint, als hätte die Autorin, die sich vorher über hunderte von Seiten gerne mal in dem Ausschmücken von Nebensächlichkeiten ergangen hat, plötzlich ganz viel in sehr gestraffter Form unterbringen wollen. Ich persönlich mag es nicht so, wenn am Schluss eines Buches auf einmal alles so hopplahopp schnell gehen muss… irgendwie will ich den Schluss lieber „genießen“.

Insgesamt ein lesenswertes Buch, ich würde es aber als reines „Frauenbuch“ einstufen. Obwohl ich es nie als kitschig empfunden habe – wohl auch wegen der Anzahl starker und selbstbewusster Frauenpersönlichkeiten – ist ein gewisser Hang zur Rührseligkeit und Dramatik besonders gegen Ende nicht zu verleugnen.

Was den Titel angeht, so habe ich ihn als irreführend empfunden. Zwar kommt in dem Buch tatsächlich ein „geheimes Spiel“ vor, aber worin das nun genau bestand, wird nie so recht klar. Gespielt wurde von den Geschwistern Hannah, David und Emmeline, und scheinbar war es eine Art Rollenspiel. Warum es unbedingt geheim bleiben musste, wird nie deutlich – offenbar wollten die Kinder einfach ihre Phantasie für sich behalten. Der Originaltitel des Buches ist „The Shifting Fog“. Vielleicht war das dem deutschen Verlag zu düster, ich halte ihn für passender, zumal Nebel in dem Buch an einigen Stellen eine Schlüsselfunktion hat.
Ich fand es etwas ärgerlich, dass ich eigentlich umsonst versucht habe, (aufgrund des Buchtitels) in diesem „geheimen Spiel“ irgendeinen Schlüssel zu entdecken oder wenigstens mal etwas genauer aufgeklärt zu werden über dieses Spiel und seine Bedeutung.

Südland

Hat mir jetzt nicht so gefallen.
Beworben wird das Buch als „historischer Roman, Familiensaga und Abenteuerroman zugleich“, in welchem „Pioniergeist, Abenteuerlust und große Gefühle“ eine Rolle spielen.

Soweit, so gut. Bei dieser angeblichen „Familiensaga“ handelt es sich vielmehr um die Geschichten von gut 10-12 Personen. Von Familie kann gar keine Rede sein. Ich hatte mich auf einen Roman gefreut, der die Besiedlung Australiens beschreibt. Statt dessen wird abwechselnd und anfangs in scheinbar wahlloser Reihenfolge von allen möglichen Leuten erzählt, die mit dem gleichen Schiff aber aus unterschiedlichen Gründen von England nach Australien kommen. Auch daraus hätte man sicher ein spannendes Buch machen können, aber diese Möglichkeit hat Patricia Shaw ganz klar verschenkt. Es werden die Geschichten der einzelnen Personen häppchenweise erzählt, man findet lange Zeit gar keinen roten Faden. Immer wieder mal ein Kapitel von Mister Soundso, dann Miss Sowieso, Lady Wasweißich… so zieht sich das gut über die Hälfte hin, alles Einzelschicksale, die nichts miteinander zu tun haben. Ganz allmählich erst werden diese Einzelgeschichten dann miteinander verwoben, aber es fehlt an einem sinngebenden Handlungsstrang.

Was mich besonders gestört hat, ist das völlige Fehlen von Zeitangaben. Man kann doch keine „Saga“ schreiben, die sich über circa 30-35 Jahre erstreckt, ohne dem Leser auch nur das geringste Zeitgefühl zu vermitteln! Lediglich das erste Kapitel und der Prolog tragen eine Zeitangabe in der Überschrift. Den Rest kann sich der Leser selbst zusammenreimen, was extrem schwer ist, da nicht einmal das Alter der Personen erwähnt wird oder auch nur angedeutet wird, dass diese überhaupt altern. Zwischen einzelnen Kapiteln können Jahre oder Wochen liege, man weiß es einfach nicht. Nur anhand der Tatsache, dass die zu Beginn des Romans geborenen Kinder am Schluss schließlich Heiratsabsichten hegen, kann man in etwa nachvollziehen, über welchen Zeitraum sich der Roman eigentlich erstreckt.

Gut gefallen hat mir, dass an vielen Stellen sowas wie Pioniergeist, Abenteuerlust und Neugierde auf ein Leben auf einem völlig unbekannten Kontinent sehr plastisch beschrieben wurde. Allerdings finde ich die Erzählweise Shaws recht steif und unangemessen.
Genervt hat mich außerdem, dass die Aborigines (stets nur als „die Schwarzen“ bezeichnet) sehr einseitig als „Wilde“ dargestellt werden. Im Nachwort des Buches schreibt Patricia Shaw salbungsvoll über die vierzigtausendjährige Geschichte der Aborigines, welche durch spirituelle Aspekte geprägt war etc. Im Roman selber wird mit keiner Silbe darauf eingegangen. Es wird zT beschrieben, wie die Eingeborenen sich gegen die weißen Siedler zurecht auflehnten, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass die Aborigines im Vergleich eher schlecht wegkommen.

Alles in allem hat mir das Buch nicht so gefallen, ich hatte mir wesentlich mehr erwartet. Mehr Gefühl, mehr Pathos, mehr Authentizität und vor allem deutlich mehr LEBEN. Die meisten der handelnden Personen sind durch die Bank furchtbar oberflächlich beschrieben – und das trotz 750 Seiten, auf denen sich Charakter hätte entwickeln können. Eine einzige Person war mir ansatzweise sympathisch, und auch ihre Geschichte fand mit dem Schluss des Romans ein sehr abruptes Ende.

Ich finds schade, hatte da einfach andere Erwartungen. Wahrscheinlich werde ich aber trotzdem noch das ein oder andre Buch von Shaw lesen. Mich interesiert das Thema Kolonialismus einfach, auch von der nichtwissenschaftlichen Seite aus. Da muss es doch gescheite Romane drüber geben…