Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt

Obwohl mir schon „Kein Wort zu Papa“ nicht mehr so richtig gut gefallen hatte, habe ich mir auch das neue Buch von Dora Heldt wieder gekauft, die sich mit ihrer lockeren Romanserie um Christine und ihren Papa Heinz in die Riege meiner Lieblingsautorinnen geschrieben hatte. Irgendwann sind aber auch die besten Ideen ausgelutscht. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ diesmal nicht um einen Roman der Christine-Reihe handelt. Diese kommt zwar auch vor, aber erst recht spät und nur als Nebenfigur. Ich mag ja solche Cameoauftritte in Büchern total gerne ;)

Der Roman handelt von dem Freundinnen-Trio Doris, Anke und Katja, die sich seit der Schule kennen und inzwischen steil die 50 anpeilen. Dorissens 50. steht bevor, was die Dame in eine mittelschwere Krise stürzt. Nicht nur dass sie auf ein strunzlangweiliges Leben zurückschauen muss und mit menopausebedingten Hitzewallungen zu tun hat, nein – jetzt wird sie auch noch FÜNFZIG, und somit ist ihr Leben quasi eh vorbei. Um sich nochmal jung und dicht so alleine zu fühlen, entflieht sie der vom Gatten organisierten Überraschungsparty und mietet sich mit den 2 besten Freundinnen von früher in einem Wellnesshotel an der Ostsee ein. Das Buch besteht zu weiten Teilen aus dem Demonstrieren der totalen Gegensätzlichkeit der drei Frauen und auch der unterschiedlichen Art, wie sie mit dem Altern umgehen. Die schnippische Anke, der das alles egal ist und die sich ohnehin nichts aus Äußerlichkeiten macht. Die kokette Katja, die als Fernsehmoderatorin sowieso darauf geeicht ist, auf ihr Äußeres zu achten und die sich zwar einerseits mit Botoxspritzen und Sport quält, sich andererseits mit einem 20 Jahre jüngeren Liebhaber belohnt. Und die etwas nervige und weinerliche Doris, der es an Selbstbewusstsein mangelt.

Ich fand das Buch ganz nett zu lesen,auch wenn ich sicherlich  nicht so ganz zur Zielgruppe gehöre. Es ist ein netter kleiner Roman ohne größere Höhen und Tiefen, leider auch ohne den Heldtschen Witz, den ich aus ihren älteren Romanen so liebe. Das Buch lebt vor allem von den Charakteren, die ich auch alle gut dargestellt fand. Doris war mir leider furchtbar unsympathisch. Aber die beiden anderen Freundinnen mochte ich jede auf ihre Weise. Es besteht ja zwischen langjährigen Freunden oftmals so eine gewisse Dynamik, die war hier gut dargestellt.

Sicher kein Buch, das man lesen muss, aber durchaus nette Lektüre ohne Anspruch für zwischendurch. Für Frauen um die 50 sicherlich interessanter als für mich.


Dora Heldt – Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt
Deutscher TaschenbuchVerlag, Oktober 2011
ISBN 3423248572
336 Seiten
14,90 Euro

Mensch, Paul!

Ich hatte es geahnt, und leider hat es sich auch bestätigt: Dieses Buch ist so ziemlich die unnötigste Fortsetzung, die je geschrieben wurde. Es ist der 5. Band von Anette Göttlichers so beliebter Frauenromanchenserie um Paul und Marie:

1. Wer ist eigentlich Paul?
2. Aus die Maus
3. Sind sie nicht alle ein bisschen Paul?
4. Paul darf das!

Ich habe zumindest die ersten drei Teile ganz gerne gelesen, aber ich glaube auch, dass man für diese Marie-Paul-Konstellation irgendwie empfänglich sein muss, denn im Grunde genommen ist das die Geschichte einer sehr destruktiven „Beziehung“: Marie verknallt sich in Paul. Und Paul lässt sich gerne dazu herab, wiederholt mit Marie ins Bett zu gehen. Marie arbeitet dann 3 Romanbände lang daran, mit Paul sowas wie eine Beziehung zum Laufen zu bringen, was nicht so einfach ist, da dieser eigentlich total zufrieden ist mit dieser reinen „Nur-Sex-Beziehunhg“. Wozu sich festlegen, gibt doch so viele tolle Frauen auf dieser Welt! Paul ist also ein Arschloch erster Güte, und Marie ist ganz klassisch, die letzte, die das merkt. Und als sie es gemerkt hat, will sie es immernoch nicht wahr haben. Im 4. Band schafft sie es immerhin, sich von ihm zu lösen und sich etwas halbherzig anderweitig zu verlieben.  Aber kaum ist sie mit Jan glücklich, erscheint Paul wieder auf der Bildfläche – und Mariechen wird wieder schwach.

Dieses eine Mal hätte ich ihr noch verziehen, aber dass im 5. Band nach fast 10 Jahren Paul-Hin-und-Her die inzwischen sogar Mutter gewordene  Marie wieder sofort weiche Knie bekommt als Paul zufällig in die Wohnung gegenüber einzieht – das war schwach.  Irgemdwann muss auch mal Schluss sein! Ich dachte immer, innerhalb einer Serie erleben die Protagonisten sowas wie eine Entwicklung oder Reifung. Bei Frau Göttlicher und ihrer Marie ist das anscheinend nicht angekommen, denn auch im 5. Band wiederholt sich das Spielchen „Ich will Paul unbedingt, obwohl ich genau weiß, dass er mich  nicht will und nur sich selbst liebt“. Marie agiert teilweise wie eine 15järhige.  Sie weiß vom Kopf her  zwar, dass Paul einfach ein Frauenheld ist, dem sie nichts bedeutet hat. Kann sich aber nicht dazu durchringen, diese Erkenntnis mit Herz und Libido zu teilen. Paul geistig und emotional ist sowieso irgendwo in der Pubertät hängengeblieben und reißt auch mit inzwischen Anfang 40 noch eine Frau nach der anderen auf. Obwohl er natürlich – und das wird ihm bereits zum ungefähr 7. Mal klar – ja eigentlich NUR Marie liebt. Er kann das halt nur nicht so zeigen. *gähn* Und Marie fällt wieder drauf rein. Das war selbst mir zu blöd!

Ehrlich, das hätte jetzt nicht sein müssen. Letztlich ist diese Storyline einfach nur logische Konsequenz, denn zwischen Paul und Marie gab es eben nie mehr als dieses Katz- und Maus Spiel, bei der die arme Marie immer die Dumme ist. Am Ende des Buches geht sie zwar immer scheinbar geläutert daraus hervor und schwört, dass Paul doof ist und sie nienieniemehr schwach werden wird. Und das hält dann genau bis zum nächsten Band vor. Mensch Paul ist umso unbegreiflicher, da im 4. Band Paul so richtig in die Vollen gelangt hatte in Sachen Demütigung. Wie man das alles vergessen kann, nur weil ein paar Jahre dazwischen liegen und weil der Sex halt immer so toll war – ehrlich, ich habs nicht so ganz verstanden.
Das könnte man jetzt bis Band 84 beliebig so fortsetzen. Paul wird noch im Altersheim den Frauen nachgeifern, obwohl er Marie nie vergessen konnte, die stets die einzige für ihn war. Und Marie wird den Rollator vor sich herschiebend darüber nachdenken, ob sie nicht doch noch EIN EINZIGES MAL mit Paul ins Bett gehen sollte, immerhin wars ja doch immer ganz schön.

Nein, also das muss ich wirklich nicht haben. Man muss wissen, wann Schluss ist. Warum das Buch geschrieben wurde – ich weiß es nicht.  Es ist weder unterhaltsam, noch enthält es eine Message in irgendeiner Form. Allenfalls die, dass manche Frauen einfach zu blöd sind, um zu merken, wann sie ausgenutzt werden und wann es Zeit ist, dem einen Riegel vorzuschieben.

Mensch, Frau Göttlicher! Schreiben Sie doch mal über was anderes. Denn das können sie ja wirklich: Schreiben, erzählen – als würde man mit einer guten Freundin zusammensitzen und quatschen!


Anette Göttlicher – Mensch, Paul!
Ullstein Verlag, Juni 2011
ISBN ISBN-10: 3548266843
320 Seiten
8,99 Euro

Der Überraschungsmann

Eigentlich wollte ich keine Bücher von Hera Lind mehr lesen. Als Fan der ersten Stunde habe ich anfangs ihre Bücher eins nach dem anderen inhaliert. Mehrfach! Jede Neuerscheinung wurde mit La Ola empfangen, und beim Lesen habe ich gelacht und geweint. Meistens Tränen gelacht. Ab dem 5. Roman fand ich die Bücher dann etwas schwächer ab dem 7. indiskutabel und habe aufgegeben, sie zu lesen. (Jahre später habe ich aus Langeweile und Neugierde dann doch noch einige Titel gelesen. Und bereut!)

Heute denke ich, dass Frau Lind einfach der Gesprächsstoff ausgegangen ist. Als sie ihre ersten Bücher schrieb, war sie hauptsächlich Mutter mehrerer Kleinkinder und verkappte Kirchensängerin. Sie schrieb davon, wie es ist, beides unter einen Hut kriegen zu wollen (es ist bekannt, dass ihre Bücher zu einem Gutteil autobiographisch sind). Das war lustig, warmherzig und liebenswert.
Dann bekam sie eigene Fernsehsendungen und floppte fürchterlich. Auch dies wurde in den Romanen verarbeitet. Dann äh… ja was eigentlich? Standen einige private Problemchen an und die Regenbogenpresse spielte ihr übel mit. Auch dies spiegelte sich in Romanen wider. Leider wurden die Romane immer unwitziger und immer bissiger.

Zum vorliegenden allerneuesten Roman Der Überraschungsmann kann ich nur sagen, dass er mir weitaus besser gefiel als das meiste, was Frau Lind in den vergangenen 5 oder 6 Jahren geschrieben hat. Allerdings auch nicht wirklich der Burner. Wobei man fairerweise sagen muss, dass ich eventuell auch nicht zur Zielgruppe gehöre: Mütter um die Mitte 40, deren Mann fremd geht.
Was mich an dem Buch gestört hat, war aber nicht so sehr die Thematik, sondern diese unglaublich hausbackene Darstellung. Der Plot: Der gutaussehende Arzt Volker lebt in 2. Ehe mit seiner Frau Barbara und den beiden gemeinsamen Töchtern in einer wunderschönen Villa am Rande des wunderschönen Salzburgs. Erzählt wird die Geschichte aus Barbaras Sicht.

Nebenan wird zu Beginn des Romans ein Fertighaus errichtet, in das zu Barbaras Freude und Volkers Missfallen ein Ehepaar einzieht. Lisa jung, blond und bildhübsche Sängerin. Sven älter, aber auch bildhübsch, blond und Hochseekapitän. Als solcher verabschiedet er sich dann naturgemäß auch bald wieder auf See – und Barbara, die einen Narren an Lisa gefressen hat, nimmt diese unter ihre Fittiche. Erst recht, nachdem die junge Nachbarin auch noch spontan schwanger wird.
Mich hat schon genervt, dass in jedem zweiten Satz beschrieben wurde, wie toll doch Lisa ist. So hübsch. Und so begabt. Und soooo nett!! Das wiederholt sich gebetsmühlenartig hunderte von Seiten, auf denen ansonsten leider auch nichts Wesentliches passiert. Über hunderte von Seiten malt Frau Lind das Bild der perfekten Bilderbuchfamilie, in die sich als Schmankerl noch die hübsche junge NachbarinFreundin integriert.

So plätschert das Buch vor sich hin, während man leider aus dem Klappentext schon genau weiß, wie der Hase läuft: Der brave Volker und die süße nette Lisa haben was miteinander. Mit anderen Worten: Die treuherzige und bis ins Mark langweilige und peplose Barbara wird über Jahre hinweg systematisch von ihrem Mann und ihrer Freundin belogen und betrogen.
Dieser Umstand wird im letzten Drittel umständlich enthüllt. Barbaras Gefühlslage und Reaktion wird nachvollziehbar und glaubwürdig beschrieben. Umso langweiliger war dann die Beschreibung ihrer Erfahrungen mit einer Art Selbsthilfegruppe für alle Lebenslagen. Diese hanebüchenen Kalendersprüche, die dort gedroschen werden, will kein Mensch hören.
Als man denkt, jetzt isses aber langsam mal gut, dreht die Autorin nochmal voll auf und lässt etliche weitere Leichen aus des braven Volkers Keller auftauchen. Das fand ich im Grunde spannend, kam aber leider zu spät. Nachdem das Buch zu zwei Dritteln sowieso nur aus Lobpreisungen auf die süße Lisa und den tollen Volker bestanden hat, war ich zwar froh, dass endlich auch mal was anders kam, aber es wirkte mehr wie ein Anhängsel.

Da ich auch den Schreibstil weder sonderlich lustig, noch innovativ fand, ist das Buch für mich absolut durchschnittlich.
Apropos innovativ: Fra Lind recycelt inzwischen die Namen ihrer Romancharaktere! Das fand ich persönlich ehrlich gesagt ziemlich schlecht. Ist der Aufwand zu viel, sich für die Figuren jedes Romans eine eigene Biographie und eigene Namen auszudenken?? Pauline, Charlotte, Justus, Emil – alles schon mal dagewesen in vorherigen Romanen. (Aber das nur am Rande, ist nichts, was das Buch besser oder schlechter macht.)


Hera Lind – Der Überraschungsmann
Diana Verlag, Mai 2011
ISBN 3453290747
368 Seiten
17,99 Euro

Die Nächste, bitte!

Das Buch hat mir gut gefallen. Ich muss sogar sagen: Erstaunlich gut! Nachdem ich nämlich mit Mia Morgowskis Debütroman Kein Sex ist auch keine Lösung überhaupt nicht warm geworden bin (ich hatte das Buch sogar abgebrochen), habe ich lange Zeit nichts mehr von ihr gelesen. Die Nächste, bitte!  ist ihr dritter Roman, und da sich die Story gut anhörte, habe ich einen Versuch gewagt.

Ich wurde positiv überrascht! Mia Morgowski überzeugt hier nicht nur mit einem temporeichen und originellen Plot, sondern auch mit sympathischen Charakteren und frischem Schreibstil.
Die Story: Durch eine Verwechslung bzw die Verkettung unglücklicher Umstände wird die Hamburgerin Nella bei ihrer Ankunft in Genf für die Gattin ihres Hausarztes Paul gehalten. Diesem kommt das ganz gelegen, denn er ist quasi zum Probearbeiten in einer exklusiven Schweizer Schönheitsklinik. Um den begehrten Job als Anti Aging Spezialist dort zu bekommen, muss er allerdings, so will es der Chef, verheiratet sein.

Wie erwartet ergeben sich allerhand Fallstricke beim glaubhaften Inszenieren dieser „Ehe“. Zumal sich Paul und Nella zunächst nicht ganz grün sind, milde ausgedrückt. Frau Morgowski jongliert gekonnt mit allerhand Mann-Frau-Klischees, allerdings nie übertrieben und stets mit einem Augenzwinkern.
Besonders gefallen hat mir die Erzählperspektive, davon gibt es nämlich zwei: Frauenheld Paul gibt frisch von der Leber weg Einsichten in seine Frauenheldenseele. Und Nella gewährt Einblick in ihr Tagebuch, in welchem sie minutiös ihre Gefühle und Gedanken  niederschreibt. Es ist interessant und teilweise zum Brüllen komisch, wie unterschiedlich beide ein- und dieselbe Situation beurteilen.

Beide Charaktere konnte ich gut leiden mit all ihren Macken und Kanten. Auch Nebenfiguren waren klasse gezeichnet. Hier und da ein Klischee – aber immer ungeheuer viel Charme!

Das Buch hat mir richtig  gut gefallen, war sehr kurzweilig und lustig. Das klassische Frauenromanchen eigentlich. Wer sowas mag und auf staubtrockenen Humor steht, ist mit Paul & Nella bestens beraten! Ich jedenfalls hoffe sehr auf eine Fortsetzung mit den beiden.

Mia Morgowski – Die Nächste, bitte!
Rowohlt Verlag, Mai 2011
ISBN 9783499256370
368Seiten
8,99 Euro

Bookanizer

Auf das Buch wurde ich zunächst durch das witzige Cover und den Titel aufmerksam.
Auch die Kurzbeschreibung hörte sich sehr  gut für mich an: Sofia Linsgrün ist (u.a.) Bloggerin und stellt zufällig fest, dass eine Romanfigur den gleichen Namen trägt wie sie. Dummerweise ist diese Roman-Sofia ziemlich naja… freizügig, und dummerweise hat die echte Sofia ein Blog auf http://www.sofialinsgruen.de, und noch dummererweise sind viele Leute einfach  nicht in der Lage zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden: Sie halten die Domaininhaberin für die Romanfigur und somit ein echtes Sex-Kitten!
Es kommt, wie es kommen musste: Die echte Sofia erhält Mails, die eigentlich an die fiktive Sofia gedacht sind. Und die sind nicht immer besonders schmeichelhaft, sondern irgendwo zwischen vulgär und unfreiwillig komisch.

Als ihr dann auch noch der Autor (und „Erfinder“ der anderen Sofia Linsgün) schreibt, gerät das eher unaufregende Leben Sofias in Fahrt: Eben noch Grafikerin in einer Werbeagentur, seit Jahren gelangweilt liiert mit dem Thronfolger der Agentur und von einer diffusen Angststörung geplagt, bekommt Sofia Herzklopfen und rote Bäckchen ob der netten Mails des netten Autors Gregor Steckel. Verständlich! Verständlich auch, dass sie ihn dann nach einer gewissen Zeit mal persönlich treffen will.

Nicht so verständlich das Verhalten des Autors: Dieser ist live und in Farbe so gar nicht mehr charmant, sondern fällt vor allem durch das vollständige Fehlen von Tisch- und sonstigen Manieren auf und scheint primär einem interessiert zu sein: Sich selbst.

Susanne Bohne beschreibt dieses Treffen von Sofia und „Herrn Steckel“, wie er konsequent genannt wird, mit viel Humor und Sinn für Situationskomik. Berichtet wird dabei aus Sofias Perspektive in der Ich-Erzählform. Absolutes Highlight sind die zwischen jedem Kapitel eingeschobenen Mails, die Sofia aufgrund der Verwechslung mit der Romanfigur erhält. (Im Klappentext des Bookanizers ist angegeben, dass auch Susanne Bohne die Erfahrung gemacht hat, aufgrund einer Namensgleichheit mit einer Romanfigur verwechselt worden zu sein.)

Leider fehlt dem Buch sowas wie ein Spannungsbogen. Es ist zwar witzig geschrieben, allerdings ist so gut wie keine Handlung an sich vorhanden und das bisschen, was da ist, wird teilweise wirklich arg breit getreten und plätschert so vor sich hin. Vieles wiederholt sich nur noch, und man hat als Leser dann schon recht bald kapiert, dass der „Herr Steckel“ nicht wirklich der Charmebolzen vom Dienst ist. Trotzdem bleibt er seltsam blass, und ich hätte ihn von Anfang an nur an die Wand klatschen können!
Was man nicht kapiert: Wieso sich Sofia trotzdem in ihn verknallt. Klar, die Story wird aus der Retrospektive erzählt und ist somit schon etwas abgekühlt. Deswegen auch konsequent das distanzierte „Herr Steckel“, vermutlich. Aber das passt für mich nicht wirklich zusammen mit Sofias Eingeständnis, sich verliebt zu haben und ihrem Wunsch, den Schreiberling wiederzusehen (trotz der enormen Distanz von gut 600 Kilometern). Wer Herr Steckel wirklich ist und was Sofia an ihm mag, ist mir verboregen geblieben.

Unterm Strich fand ich die Grundidee dieses Romans wirklich originell, und auch der schnodderinge Erzählstil sowie der trockene Humor sind bei mir gut angekommen. Allein an die Konstruktion konnte ich mich nicht wirklich gewöhnen und hatte einfach mehr erwartet als letztlich nur heiße Luft. Der Schluss war dann auch sehr holterdipolter, fast als hätte man beim Schreiben gemerkt, dass man nun aber wirklich keine Ideen mehr hat und genausogut auch aufhören könnte.
Ein originelles und unterhaltsames Buch, jedoch mit einigen Längen und Ungereimtheiten. Zurückgeblieben bin ich mit einem Gefühl von „Was will uns die Autorin damit nun sagen?“

Was mich nebenbei gesagt gestört hat war, dass das Buch auch anscheinend etwas schlampig lektoriert war. Da waren mir einfach zu viele logische und orthographische Fehler drin: Der erwähnte Maler hieß Warhol  mit Nachnamen und nicht Warhole, es heißt quid pro quo und nicht quit. Um  nur 2 Beispiele zu nennen. (Mag sich nach Korinthenkackerei anhören, aber  mich stört sowas, wenn es in Büchern gehäuft auftritt.)

Susanne Bohne – Bookanizer
Michason & May, März 2011
ISBN 9783862860098
221Seiten
17,90 Euro