Damals warst du still

Hab mich ganz schön durch dieses Buch gequält. Himmel, was für eine dämliche Fallauflösung. Und was für ein Geschiss darum gemacht wurde!
Das Buch war schon insofern eine Enttäuschung, als dass die rezensionen eigentlich durchweg recht positiv waren. Leider traf es bei mir hingegen keinen Nerv.

Die an sich nicht unsympathische Ermittlerin Mona Seiler geht völlig unter in einem Heer von Kollegen, und jeder noch so unbedeutende Protokollant wird mit Namen vorgestellt, auch wenn er keine Bedeutung für die Handlung hat. Da auch auf Seite der potenziellen Opfer und Verdächtigen ein heiteres Namedropping betrieben wird, konnte ich mir irgendwann kaum noch merken, wer wo hin gehört. Auch den Schreibstil fand ich recht schwerfällig und hatte ab einem gewissen Punkt Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen und mich überhaupt zum Weiterlesen zu motivieren.

Worum geht’s?

Der eigentlich spannende Kriminalfall, bei dem ein Mörder seine Opfer mit Heroin tötet und ihnen dann Botschaften in die Haut ritzt, wird völlig plattgewalzt mit eeendlosen Rückblicken  zum Täter, dessen Taten jeweils en detail beschrieben werden. Dazwischen langatmige Verhöre *schnarch*… bis dann plötzlich der Fall aufgelöst ist. Natürlich auf die unglaubwürdigste Art und Weise, das scheint besonders bei deutschen Krimiautoren so Sitte zu sein. Auch einige Ungereimtheiten und Logikfehler haben mich zunehmend genervt. Um beispielsweise nach dem 3. Mord zu der Erkenntnis zu kommen „Er sieht das ganze wie eine Art – na, eben Serie.“ muss man nun wahrlich kein Profiler sein. Ähnlich unbeholfen wie in diesem Beispiel eiern übrigens auch andere Dialoge vor sich hin – warum so viele Rezensenten dieses Buch als sprachlich herausragend loben, ist mir völlig schleierhaft.

Wie hats mir gefallen?

Insgesamt war mir da zu wenig „Denkarbeit“, zu viele langweilige Verhöre und vor allem: VIEL zu viele Rückblicke! Ständig diese Einschübe, in denen detailliert (und ich meine wirklich: detailliert) beschrieben wird, welche Freude am Töten, Quälen und Ausweiden der Täter bereits als Kind und Jugendlicher hatte. Da ich sowieso nicht zu den Leuten gehöre, die sich bei sowas wohlig gruseln, war mir das recht bald zu viel. Irgendwann hat dann auch der letzte Leser kapiert, dass „der Junge“ sich einfach prima dran aufgeilt, speziell Frauen zu töten. Reine Effekthascherei, und bringt die Fallermittlungen leider kein Stück voran, da ja nur der Leser davon weiß, und derweil die Ermittler mal hier wen verhören und mal da und dazwischen viel Zeit aufwenden, um ihre beruflichen und privaten Konflikte zu pflegen.

Ein recht unausgegorenes Kriminalstück, dem ein wenig mehr Tempo und Geradlinigkeit sicher gut getan hätte.
2 Sternchen mit deutlicher Tendenz nach unten…

Christa von Bernuth – Damals warst du still
Goldmann Verlag, Mai 2005
ISBN 344246062X
416 Seiten
7,99 (Kindle eBook)

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