If I were you

Ich muss ja leider zugeben, dass mir die Fifty Shades Reihe gefallen hat und mich daher die zahlreichen „What to read after Fifty Shades“ empfehlungen immer sehr anfixen. So gut wie nichts davon hat mich bisher zufrieden gestellt, entweder schlecht erzählt, schlechte Charaktere, schlechte Story oder einfach nicht mein Geschmack.

Mit If I were you habe ich endlich mal einen Treffer gelandet, denn dieser Serienauftakt hat mir trotz einiger Längen wirklich gut gefallen! Eigentlich bisher sogar besser als Fifty Shades, denn die Protagonistin Sara ist nicht so schrecklich tollpatschig und unerfahren wie Anastasia Steele. Sara McMillan ist High School Lehrerin, wäre aber, da sie Kunst studiert hat, lieber beruflich in der Künstlerwelt involviert, zB als Galeristin. Durch einen Zufall fällt ihr das Tagebuch einer Frau in die Hände, die darin ihre Beziehung zu einem sehr attraktiven und dominanten Mann beschreibt, dem sie regelrecht hörig ist und der mit ihr unter anderem auch Bondagespielchen praktizert.

Sara ist von diesen Schilderungen gleichermaßen fasziniert und aufgewühlt, zumal Rebecca offenbar verschollen ist und die Tagebücher daher nicht ihrer Besitzerin zurückgegeben werden können. Auf der Suche nach Rebecca stößt Sara auf eine Kunstgalerie, in der Rebecca beschäftigt war vor ihrem Verschwinden, den alle als Urlaub abtun und bekommt dort prompt einen Sommerjob angeboten (muss hier noch jemand außer mir an 9 1/2 Wochen denken?). Dort lernt sie zwei Männer kennen, den Galeristen Mark und den Künstler Chris. Beide äußerst selbstbewusst, gutaussehend und reich, so dass beide als der Mann aus den Tagebüchern in Frage kämen, wobei Sara selbst Mark dahinter vermutet. Sie erliegt bald dem Charme von Chris und geht eine leidenschaftliche Affäre mit ihm ein.

Ganz klassisch ist der natürlich normalerweise unnahbar und hat sonst niiiiiie ernsthafte Beziehungen, stellt Sara aber sofort seiner Familie vor usw. Ganz klassisch auch ist der Sex natürlich bombastisch, stellt alles bisher Dagewesene total in den Schatten, und die beiden müssen sich nur angucken, und schon flimmert die Luft zwischen ihnen. Klassisch auch ist, dass er nicht nur supersexy ist und supercharmant, sondern auch noch superreich und Sara gerne an seinem Wohlstand teilhaben lässt. (Ehrlich mal, wieso müssen die Kerle neuerdings immer obszön viel Geld haben, das war doch früher auch  nicht wichtig in Liebes- und Erotikromanen, oder?) So ein bisschen Ich-Tarzan-du-Jane-mäßig ist auch Chris, allerdings fällt hier das „Überwachungs“-Element weg, das so viele mänliche Protagonisten im Stile von Christian Grey mit sich bringen. Hat mir gut gefallen!
Ganz unklassisch ist Sara immerhin erfreulicherweise nicht mehr jungfräulich und weiß auch, was sie will oder nicht will, nicht nur sexuell gesehen. Ich fand beide Protagonisten sehr sympathisch und einigermaßen realistisch.

Das erste und letzte Drittel haben mir sehr gut gefallen, in der Mitte  hingegen war es teilweise so langweilig, dass ich kurz davor war, abzubrechen. Es dauert gefühlt ewig bis Chris und Sara übers Essengehen und höfliche Smalltalken hinaus kommen. Leider gerät auch der für mich sehr spannende Frage nach dem Verbleib Rebeccas und der Identität ihres Liebhabers erst mal in den Hintergrund und wird erst am Schluss wieder hervorgeholt. Somit endet dieser erste Teil der Trilogie dann mitten in der Handlung mit einem wirklich fiesen Cliffhanger, der mich fast ins Kissen beißen ließ – zumal die Fortsetzung erst im Juni erscheint. Ich meine, hallo? JUNI??! Wie gemein ist das denn?

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass If I were you für mich eine sehr gelungene Mischung aus Suspense, Romantik und Erotik darstellt und dass Lisa Renee Jones mehr vom Schreiben versteht als E. L. James.  Sie schafft es, den Charakteren Leben einzuhauchen auch ohne gebetsmühlenartiges Widerholen deren Charaktereigenschaften und bettet gekonnt einen spannenden Plot ein, so dass einen beim Lesen mehr bei der Stange hält als nur die Frage, wann die beiden das nächste Mal Sex haben und welches Schicksal den armen reichen Milliardär derart gebeutelt haben mag.

Lisa Renee Jones – If I were you
August 2012
ISBN 0985817003 / 1476726043
350 Seiten
11,99 Euro

Das Buch ist bisher nicht in deutscher Sprache erschienen und derzeit offenbar auch nur als eBook erhältlich (Stand Januar 2013). Im März soll eine Neuauflage als Taschenbuch erscheinen.

Reihenfolge der Inside Out Trilogie:
1. If I were you
2. Being me (Juni 2013)
3. Revealing us (September 2013)

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4 Kommentare zu “If I were you

    • Besser is das! Normalerweise kann ich das irgendwie verschmerzen und mich ablenken, aber erstens war dieser Cliffhanger wirklich garstig, und zweitens ist die Zeit zwischen Band 1 und 2 einfach VIEL zu lang. Ich meine, Teil 1 ist im Jul oder August raus gekommen, das ist ja fast ein jahr bis zum zweiten.

  1. Zitat: „Ich muss ja leider zugeben, dass mir die Fifty Shades Reihe gefallen hat…“

    Warum denn „leider“? Ich finde nicht, dass man sich dafür schämen muss :-D

    Der Plot, den du da von If I Were You beschreibst, klingt auf jeden Fall nach einer guten Alternative zu 50 Shades. Oder eben als Nachschlag, je nachdem, ob man E.L. James Mega-Hype gut findet oder nicht. Ich werd mir diese Trilogie auf jeden Fall mal näher anschauen. Danke also für die ausführliche Meinung :-)

    LG,
    Norah

    • „Leider“ drückt keine Scham aus, sondern Bedauern ;-) Und ich sage in diesem Zusammenhang „leider“, weil ich die Serie eigentlich furchtbar schlecht geschrieben finde und sie mir trotz so vieler offensichtlicher inhaltlicher Mängel irgendwie dann doch gefallen hat.

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