Monatsliste November 2012

Gelesen

Timur Vermes – Er ist wieder da  rating5
War genau so gut wie ich erwartet hatte. Eine relativ neue und ungewöhnliche Idee, gekonnt umgesetzt. Die Frage ist so simpel wie spannend: Das würde passieren, wenn Adolf Hitler „wieder da“ wäre, mitten unter uns? Vermes‘ Szenario ist interessant und lässt Hitler ungewollt zum Comedystar werden. Wirklich komisch ist das jedoch nicht, denn was alle für rabenschwarzen politischen Humor und Satire halten, ist natürlich bitter ernst gemeint. Ich lese dieses Buch u.a. auch als Satire auf die Maschinerie der Medien- und Fernsehwelt, in der es normal geworden ist, dass jemand aus dem Nichts künstlich berühmtgecastet werden kann, solange er nur einen Nerv des Publikums trifft.

Nicolas Barreau – Eines Abends in Paris  rating4
Der Herr Barreau aka Sophie Scherrer aka Daniela Thiele schreibt ja so bezaubernde Liegesgeschichten. Das heißt Geschichten über das Finden und Verlieren und Wiederfinden der ganz großen Liebe. Das hat mir bisher immer ganz gut gefallen. So auch eigentlich im vorliegenden vierten Roman. Uneigentlich fand ich, dass es letztlich eben doch immer das selbe ist. Und uneigentlich war mir diese Geschichte auch ein wenig zu lieblos erzählt. Es ist ja nun bereits der vierte Roman mit der selben Grundidee, und so schön das auch 1,2x war – man weiß genau wie es endet und man weiß auch genau, dass viele schöne Worte und verträumte Sätze auf einen warten. Aber das reicht mir irgendwann nicht mehr für ein gutes Buch. Wer noch kein Buch von Barreau/Scherrer/Thiele gelesen hat, der wird es sicherlich mögen. Wer schon eins gelesen hat, wird es auch mögen, aber der könnte ebenso gut auch eins der drei vorhergehenden lesen.

Juli Zeh – Nullzeit  rating1
Was für ein ödes Buch! Weder die Idee, noch die Umsetzung sind neu oder gar sonderlich gekonnt: Jemand will jemand anderes umbringen und es so aussehen lassen, als hätte das jemand ganz anderes getan. Mich haben schon die Charaktere genervt, drei völlig abgehalfterte Personen, Loser und jeder auf seine Weise komplett von sich selbst und seinem Lebensstil überzeugt, ohne es jedoch zugeben zu wollen. Dabei hätte das eine gute Geschichte werden können, denn die Ansiedlung im Tauchermilieu fand ich sehr gut. Die Beklemmung unter Wasser, das absolute Aufeinanderangewiesensen beim Tauchen, das alles hätte aus dieser Geschichte ein gutes Kammerspiel machen können. Statt dessen schwadroniert die Autorin seicht daher und lässt eigentlich keine Gelegenheit aus, zu zeigen wie klug und gebildet sie ist. Der Ausgang ist so harmlos wie vorhersehbar. Kann man sich getrost schenken.

Neuanschaffungen

Nicolas Barreau – Eines Abends in Paris
Juli Zeh – Nullzeit