Fifty Shades

Ich habe es getan und (übrigens zunächst in völliger Unkenntnis darüber, dass die Serie derart gehypt wird) die gesamte Fifty Shades Trilogie gelesen.
Eine Freundin las die Bücher, und währensd meines USA-Aufenthaltes im Mai habe ich die Bücher dort überall in jeder Buchhandlung gesehen (aber nicht weiter beachtet). Für den Rückflug brauchte ich noch Lesestoff und dachte „Ochja, warum auch nicht?“, und die Verkäuferin empfahl mir das Buch auch wärmstens mit einem schnurrenden „This is verrrrrrryyyy good!“

Trotz anfänglicher Langeweile kam ich dann doch recht bald in die Geschichte rein, und auf einmal hatte ich alle 3 Bände durch.
Wie fand ich nun also diese Buchserie, die derzeit in aller Munde zu sein scheint und demnächst auch in deutscher Übersetzung erscheint? Ich muss gestehen: Gut!

ABER.

Zunächst mal: Es geht hier entgegen dem, was einem die Medien vorgaukeln, eigentlich nicht wirklich um “völlige Unterwerfung”. So viel schon mal dazu, damit sich hier niemand eventuell falsche Hoffnungen macht. Dieser ganze BDSM-Part spielt im 1. Teil zwar eine tragende Rolle, gewissermaßen als Aufhänger, plätschert dann aber mehr oder weniger nur noch nebensächlich dahin. Unterwerfung findet im Kopf statt, und das kann ich hier eigentlich so nicht bestätigen. Unterwerfung ist etwas anderes als Hingabe, eventuell wurde hier beim Marketing was verwechselt.
Es ist meines Erachtens kein BDSM-Roman. Es ist ein Buch für Hausfrauen, die gerne auch mal ein bisschen fester angefasst werden, weiter nix.

Es ist eine unfassbar kitschige, unrealistische und unüberbietbar in die Länge gezogene Liebesgeschichte mit leichten BDSM-Anflügen und klassischen “Ich Tarzan, du Jane” Elementen. Es geht darum, dass ein innerlich zerrissener und von seiner Vergangenheit gequälter Mann durch die bedingungslose Liebe einer Frau „gerettet“ wird, und das fand sogar ich als absolute Pragmatikerin total romantisch.
Es geht um eine Studentin, die anfangs ein wenig tolpatschig und schüchtern daherkommt und mich leider sehr an die von mir so verhasste Bella Swan aus der Twilight Serie erinnerte. Das legte sich zum Glück recht bald. Und es geht um Christian Grey, seines Zeichens Multimilliardär, gutaussehend, charmant, kultiviert, gebildet. Und ein bisschen dominant veranlagt. Das heißt, er sucht nicht wirklich eine gleichberechtigte Beziehung zu Frauen, sondern er fixiert sie gerne mit Kabelbindern, schwingt Rohstöcke und Reitgerten und lässt sich mit „Sir“ ansprechen. Alles in beiderseitigem Einvernehmen, wohlgemerkt. Das gibt ihm den ultimativen Kick, und in Anastasia sieht er sofort die perfekte „Submissive“ (Untergebene). Und weil er gewohnt ist, zu bekommen, was er will, unterbreitet er Ana den Vorschlag, seine „Submissive“ zu werden. Was diese zunächst eher so mittel findet, da sie sich ein klein bisschen in den smarten Mr. Grey verknallt hat und lieber eine konventionelle Hearts & Flowers Beziehung hätte.
Nach viel Blabla willigt sie dann doch ein, nachdem man gewisse Limits abgesteckt hat. Details erspare ich euch an dieser Stelle.

Das Interessante ist eigentlich die (zugegebenermaßen wenig realistische) Ambivalenz von Christians Charakter. Einerseits eiskalt und mit Spaß dran, auch mal den Rohrstock zu schwingen, andererseits auch durchaus bereit zu „Vanilla Sex“ und dabei natürlich noch eine Granate im Bett! Die gänzlich unbedarfte Ana hat mit schöner Regelmäßigkeit multiple Orgasmen. Jeder Schuss ein Treffer! Und die zwei haben eigentlich wirklich zu jeder sich bietenden Gelegenheit Sex, so dass ich mir manchmal gewünscht habe, es würde auch mal was richtiges passieren. Aber ich schweife ab.
Der geneigte Leser erfährt häppchenweise von Christians schlimmer Kindheit, in der die Gründe für seine Obsession, seinen Zwang zur Dominanz  und seine Unnahbarkeit liegen. Gerade wegen dieser „Fass mich nicht an!“-Attitüde hat man ihn auch so gern (sofern man sich denn für die Geschichte erwärmen kann) – er tut einem leid, man möchte helfen und Gutes tun. So auch Ana, die es tatsächlich schafft, diesen unnahbaren Klotz aufzutauen und hinter die Fassade zu lugen. Es entwickelt sich eine Beziehung, in der Christian lernen muss, seine Eifersucht, seine übersteigerten Beschützerinstinke und seinen Kontrollzwang (aka „Stalkertum“) in den Griff zu bekommen. Diese Beschützerinstinkte sind zum einen schrecklich toll und irgendwie rührend, andererseits manchmal auch furchtbar nervig. Nicht nur für Ana, sondern auch für den Leser (in diesem Falle: Mich, wie es anderen dabei ging, weiß ich nicht.)

Dieser Plot ist übrigens nicht so selten und auch noch nicht mal Twilight-typisch (beide Serien werden aus mir nicht so recht nachvollziehbaren Gründen scheinbar gerne miteinander verglichen). Zeitweise fühlte ich mich auch stark an die von mir hoch geschätzte Fever Serie von Karen Marie Moning erinnert. Auch Jericho Barrons ist so ein richtiger Macho, der weiß wo der Hammer hängt  und einerseits stets gut auf sein Weibchen aufpasst, es andererseits gerne auf Armeslänge von sich entfernt hält. Ich muss aber klar sagen, dass Moning vom Schreiben bedeutend mehr versteht als E.L. James. Beim Lesen der Fifty Shades habe ich innerlich oft mit den Augen gerollt. Ich finde die Serie eigentlich recht stümperhaft geschrieben und habe mich mehrfach geärgert über das nahezu völlige Fehlen eines gewissen Spannungsbogens. Es ist viel Effekthascherei dabei, vieles wird künstlich aufgeblasen, Probleme konstruiert wo keine sind, nur damit wenigstens mal was passiert außer dem vielen tollen Sex. Es ist, und das ist eigentlich mein Hauptkritikpunkt, an sich kein Serienstoff. Der Geschichte als solcher hätte es gut getan, wenn man sie auf EIN einzelnes Buch gestrafft hätte. Aber da hätte man dann ja auf so viele phänomenale Sexszenen verzichten müssen, deswegen sind a wohl gleich 3 Bücher draus gemacht worden.) Den Schluss fand ich eigentlich sogar richtig schlecht, einfach weil er so vorhersagbar und so nichtssagend war und so furchtbar unausgegoren. Weil ich gemerkt habe, dass die Autorin sich selber nicht so recht trennen konnte von der Geschichte und die Charaktere so viel wie möglich gemeinsam erleben lassen wollte. Das hatte so ein bisschen was von „Was könte ich denn noch alles erzählen?“ Hier noch eine Szene, da ein Rückblick, dann noch einen Epilog drangehängt… Die Geschichte war bis dahin wirklich komplett durchgenudelt und regelrecht abgetötet. Ich finde, ein Autor muss auch wissen, wann Schluss ist und wann die Geschichte erzählt ist.
Insofern verstehe ich auch die Leute, die diese Serie genüßlich dissen ;-)

Trotz allem, unterm Strich: Ich habs sehr gern gelesen! Ich mochte die Charaktere (auch die Nebendarsteller übrigens)  und fand sie alle im Rahmen der Handlung plausibel konstruiert und liebevoll gezeichnet. Es ist seichte Unterhaltung, manchmal lustig, manchmal kitschig, manchmal auch sehr zu Herzen gehend. Ich glaube, ich verstehe jetzt auch, was die Twilightabteilung an diesen Büchern so toll fand, denn die Grundidee ist sehr ähnlich, wenn ich auch die Charaktere in den Fifty Shades wesentlich sympathischer fand (was sicherlich zT am Alter lag, zT aber auch daran, dass Anastasia nicht so schrecklich doof ist wie Bella, weniger naiv und vor allem nicht so völlig bar jeglicher Selbstachtung und auch ohne Christian durchaus lebensfähig wäre.)
Und Mr. Grey bin ich sowieso rettungslos verfallen.

Insgesamt gebe ich der Serie 4 Sterne, wobei mir der 2. Band am besten gefiel, der 3. am wenigsten.

4 thoughts on “Fifty Shades

  1. Ich bleibe da ja hartnäckig und werde die Finger von den Büchern lassen. Hab einfach schon zu viel Kritik zum Thema gehört und so viel andere Bücher auf dem Sub… :D
    Übrigens wird das Buch nicht einfach mit Twilight verglichen, sondern ist eine Twilight FanFiction ;)

    • Nein, ist es nicht.
      Möglicherweise die nie veröffentlichte Urfassung. Aber die vorliegenden Bücher haben definitiv nulkommagarnichts mit Twilight zu tun.

      • Doch ist es :D
        Genau dafür ist sie ja so bekannt geworden. In der Originalfassung waren nur die Namen anders, nämlich noch Edward und Bella. Kannst du überall nachlesen! Es geht dabei ja um diese krasse einnehmende Beziehung, die in Twilight genauso ist wie in diesem Buch.

        • Ich sag ja: Die nie veröffentlichte Urfassung war vllt auf Twilight bezogen, die vorliegenden Bücher sind es NICHT und haben auch nichts mit Vampiren oder Glitzern zu tun. Da ist schon mehr geändert worden als nur die Namen. Wenn man den „Zusammenhang“ nicht kennt, merkt man das auch nicht. Und dass diese „krasse einnehmende Beziehung“ nicht twilighttypisch, sondern in einem bestimmten Genre eigentlich der Normalfall ist, hab ich ja auch erläutert.

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