Der Augenjäger

Vor einem Jahr hatte ich noch meiner Hoffnung Ausdruck gegeben: „Ich hoffe, er schreibt mal wieder Bücher im Stile von Die Therapie – für mich nach wie vor sein bestes Buch.“ Das hat der Herr Fitzek anscheinend nicht gelesen, denn der Augenjäger haut in genau die gleiche Kerbe wie der Augensammler. Hätt‘ ich mir ja denken können, dann nach eigener Aussage handelt es sich hierbei um eine Serie, von der du selbst noch nicht weißt, wie umfangreich sie werden wird.

Ich für meinen Teil werde ab hier wirklich aufhören, seine Bücher zu lesen, denn da ist überhaupt nicht mehr, was an seine frühen Romane erinnert, die vor allem auf psychologische Spannung, geschickte (!) trügerische Fährten und wirklich überraschende Wendungen setzten.
Inzwischen  geht es nur noch darum, den Leser durch ekelerregende Schilderungen zu schocken. Würde ich sowas lesen wollen, würde ich Richard Laymon lesen oder Cody McFayden -wobei ich sicher bin, dass Fitzek im Vergleich dazu noch harmlos ist. Trotzdem, ich mache mir nichts aus detaillierten Schilderungen von Leuten mit abgeschnittenen Augenlidern oder versuchten Vergewaltigungen. Ich finde das weder spannend, noch interessant, noch sorgt das bei mir für gruselige Gänsehaut, sondern ich möchte mich einfach nur übergeben und das Buch weglegen.

Der Plot an sich ist so lala. Ein bisschen ausgelutscht inzwischen, die Idee von dem genialen, aber irren Wissenschaftler, in diesem Falle der Augenarzt Zarin Suker. Suker vergewaltigt Frauen, denen er zuvor die Augenlider abgeschnitten hat (ohne Betäubung  ich sach nur: Too much information…) und setzt sie dann aus.
Soweit, so gut. Der schon aus dem Augensammler bekannte Journalist Alexander Zorbach und seine Partnerin in Crime Alina Gegoriev sind auch wieder mit von der Partie und beide auf Kriminellenjagd. Wobei hier schön dick aufgetragen wird und der zu Anfang des Buches noch schwerst verletzte Zorbach mental einem Stück Gemüse gleicht plötzlich ungeahnte Kräfte mobilisiert. Eben noch im Bett gelegen, turnt er wenig später schon einem hoch gefährlichen Irren hinterher. Auch Alina, die blinde Masseuse ist völlig unerschrocken und tappt einerseits bereitwillig in jede Falle, die man ihr anbietet, andererseits befreit sie sich dann furios aus jeder noch so ausweglosen Situation. Unrealistisch bis zum Gehtnichtmehr.

Die Charaktere fand ich ganz gut gezeichnet, wenn auch leider durch die Bank völlig unsympathisch. Alina ist mir einfach zu sehr Lisbeth Salander, ich mag diese Frau nicht mit ihrer Kratzbürstigkeit und ihrer abstoßenden Direktheit. Zorbach hat sich zu sehr zum schillernden Gutmenschen entwickelt, der war mir im 1. Teil auch noch lieber.
Letztlich: Die Täteridentität. Ich fand sie nicht überraschend, es wurde einfach zu oft mit dem Zaunpfahl gewunden vorher.

Mir ist das Buch zu Schwarzweiß und zu platt, zu sehr auf Schockeffekte gerichtet und nicht wirklich logisch. Spannend erzählt, ja. Aber leider erzählt Fitzek inzwischen immer die falschen Geschichten und setzt dabei nicht auf psychologischen Horror, der mehr in den Köpfen der Leser abläuft, sondern auf plumpe Ekelszenen.

Das Beste an dem Buch war noch die Danksagung am Schluss.


Sebastian Fitzen – Der Augenjäger
DroemerVerlag, September 2011
ISBN 3426198819
432 Seiten
19,99 Euro

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2 Kommentare zu “Der Augenjäger

  1. Vielen Dank für deine tolle Rezi, darauf habe ich gewartet.
    ich war mir noch sehr unsicher ob ich mir den Neuen Fitzek hole. Vom Augensammler war ich genauso wenig begeistert wie du damals und hoffte auch auf mehr psychologische Spannung ala Fitzek, wie man es auch seinen anderen Büchern kannte.
    Die rezis allgemein zum Augenjäger sind ja recht gut, aber wer den Augensammler gut fand wird wohl auch den Augenjäger gut finden.
    Ich spare mir das Buch und warte drauf das Fitzek wieder zu seinem Ursprung zurück findet ;)

    • Darauf hoffe ich auch immer. Und jedes Mal schwöre ich mir, kein Fitzekbuch mehr zu lesen ;)
      Ich glaube, das Warten auf Bücher „wir früher“ kann man sich sparen, er ist da auf einen Zug aufgesprungen, den er so schnell nicht mher verlassen wird/kann.

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