Mensch, Paul!

Ich hatte es geahnt, und leider hat es sich auch bestätigt: Dieses Buch ist so ziemlich die unnötigste Fortsetzung, die je geschrieben wurde. Es ist der 5. Band von Anette Göttlichers so beliebter Frauenromanchenserie um Paul und Marie:

1. Wer ist eigentlich Paul?
2. Aus die Maus
3. Sind sie nicht alle ein bisschen Paul?
4. Paul darf das!

Ich habe zumindest die ersten drei Teile ganz gerne gelesen, aber ich glaube auch, dass man für diese Marie-Paul-Konstellation irgendwie empfänglich sein muss, denn im Grunde genommen ist das die Geschichte einer sehr destruktiven „Beziehung“: Marie verknallt sich in Paul. Und Paul lässt sich gerne dazu herab, wiederholt mit Marie ins Bett zu gehen. Marie arbeitet dann 3 Romanbände lang daran, mit Paul sowas wie eine Beziehung zum Laufen zu bringen, was nicht so einfach ist, da dieser eigentlich total zufrieden ist mit dieser reinen „Nur-Sex-Beziehunhg“. Wozu sich festlegen, gibt doch so viele tolle Frauen auf dieser Welt! Paul ist also ein Arschloch erster Güte, und Marie ist ganz klassisch, die letzte, die das merkt. Und als sie es gemerkt hat, will sie es immernoch nicht wahr haben. Im 4. Band schafft sie es immerhin, sich von ihm zu lösen und sich etwas halbherzig anderweitig zu verlieben.  Aber kaum ist sie mit Jan glücklich, erscheint Paul wieder auf der Bildfläche – und Mariechen wird wieder schwach.

Dieses eine Mal hätte ich ihr noch verziehen, aber dass im 5. Band nach fast 10 Jahren Paul-Hin-und-Her die inzwischen sogar Mutter gewordene  Marie wieder sofort weiche Knie bekommt als Paul zufällig in die Wohnung gegenüber einzieht – das war schwach.  Irgemdwann muss auch mal Schluss sein! Ich dachte immer, innerhalb einer Serie erleben die Protagonisten sowas wie eine Entwicklung oder Reifung. Bei Frau Göttlicher und ihrer Marie ist das anscheinend nicht angekommen, denn auch im 5. Band wiederholt sich das Spielchen „Ich will Paul unbedingt, obwohl ich genau weiß, dass er mich  nicht will und nur sich selbst liebt“. Marie agiert teilweise wie eine 15järhige.  Sie weiß vom Kopf her  zwar, dass Paul einfach ein Frauenheld ist, dem sie nichts bedeutet hat. Kann sich aber nicht dazu durchringen, diese Erkenntnis mit Herz und Libido zu teilen. Paul geistig und emotional ist sowieso irgendwo in der Pubertät hängengeblieben und reißt auch mit inzwischen Anfang 40 noch eine Frau nach der anderen auf. Obwohl er natürlich – und das wird ihm bereits zum ungefähr 7. Mal klar – ja eigentlich NUR Marie liebt. Er kann das halt nur nicht so zeigen. *gähn* Und Marie fällt wieder drauf rein. Das war selbst mir zu blöd!

Ehrlich, das hätte jetzt nicht sein müssen. Letztlich ist diese Storyline einfach nur logische Konsequenz, denn zwischen Paul und Marie gab es eben nie mehr als dieses Katz- und Maus Spiel, bei der die arme Marie immer die Dumme ist. Am Ende des Buches geht sie zwar immer scheinbar geläutert daraus hervor und schwört, dass Paul doof ist und sie nienieniemehr schwach werden wird. Und das hält dann genau bis zum nächsten Band vor. Mensch Paul ist umso unbegreiflicher, da im 4. Band Paul so richtig in die Vollen gelangt hatte in Sachen Demütigung. Wie man das alles vergessen kann, nur weil ein paar Jahre dazwischen liegen und weil der Sex halt immer so toll war – ehrlich, ich habs nicht so ganz verstanden.
Das könnte man jetzt bis Band 84 beliebig so fortsetzen. Paul wird noch im Altersheim den Frauen nachgeifern, obwohl er Marie nie vergessen konnte, die stets die einzige für ihn war. Und Marie wird den Rollator vor sich herschiebend darüber nachdenken, ob sie nicht doch noch EIN EINZIGES MAL mit Paul ins Bett gehen sollte, immerhin wars ja doch immer ganz schön.

Nein, also das muss ich wirklich nicht haben. Man muss wissen, wann Schluss ist. Warum das Buch geschrieben wurde – ich weiß es nicht.  Es ist weder unterhaltsam, noch enthält es eine Message in irgendeiner Form. Allenfalls die, dass manche Frauen einfach zu blöd sind, um zu merken, wann sie ausgenutzt werden und wann es Zeit ist, dem einen Riegel vorzuschieben.

Mensch, Frau Göttlicher! Schreiben Sie doch mal über was anderes. Denn das können sie ja wirklich: Schreiben, erzählen – als würde man mit einer guten Freundin zusammensitzen und quatschen!


Anette Göttlicher – Mensch, Paul!
Ullstein Verlag, Juni 2011
ISBN ISBN-10: 3548266843
320 Seiten
8,99 Euro