Bookanizer

Auf das Buch wurde ich zunächst durch das witzige Cover und den Titel aufmerksam.
Auch die Kurzbeschreibung hörte sich sehr  gut für mich an: Sofia Linsgrün ist (u.a.) Bloggerin und stellt zufällig fest, dass eine Romanfigur den gleichen Namen trägt wie sie. Dummerweise ist diese Roman-Sofia ziemlich naja… freizügig, und dummerweise hat die echte Sofia ein Blog auf http://www.sofialinsgruen.de, und noch dummererweise sind viele Leute einfach  nicht in der Lage zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden: Sie halten die Domaininhaberin für die Romanfigur und somit ein echtes Sex-Kitten!
Es kommt, wie es kommen musste: Die echte Sofia erhält Mails, die eigentlich an die fiktive Sofia gedacht sind. Und die sind nicht immer besonders schmeichelhaft, sondern irgendwo zwischen vulgär und unfreiwillig komisch.

Als ihr dann auch noch der Autor (und „Erfinder“ der anderen Sofia Linsgün) schreibt, gerät das eher unaufregende Leben Sofias in Fahrt: Eben noch Grafikerin in einer Werbeagentur, seit Jahren gelangweilt liiert mit dem Thronfolger der Agentur und von einer diffusen Angststörung geplagt, bekommt Sofia Herzklopfen und rote Bäckchen ob der netten Mails des netten Autors Gregor Steckel. Verständlich! Verständlich auch, dass sie ihn dann nach einer gewissen Zeit mal persönlich treffen will.

Nicht so verständlich das Verhalten des Autors: Dieser ist live und in Farbe so gar nicht mehr charmant, sondern fällt vor allem durch das vollständige Fehlen von Tisch- und sonstigen Manieren auf und scheint primär einem interessiert zu sein: Sich selbst.

Susanne Bohne beschreibt dieses Treffen von Sofia und „Herrn Steckel“, wie er konsequent genannt wird, mit viel Humor und Sinn für Situationskomik. Berichtet wird dabei aus Sofias Perspektive in der Ich-Erzählform. Absolutes Highlight sind die zwischen jedem Kapitel eingeschobenen Mails, die Sofia aufgrund der Verwechslung mit der Romanfigur erhält. (Im Klappentext des Bookanizers ist angegeben, dass auch Susanne Bohne die Erfahrung gemacht hat, aufgrund einer Namensgleichheit mit einer Romanfigur verwechselt worden zu sein.)

Leider fehlt dem Buch sowas wie ein Spannungsbogen. Es ist zwar witzig geschrieben, allerdings ist so gut wie keine Handlung an sich vorhanden und das bisschen, was da ist, wird teilweise wirklich arg breit getreten und plätschert so vor sich hin. Vieles wiederholt sich nur noch, und man hat als Leser dann schon recht bald kapiert, dass der „Herr Steckel“ nicht wirklich der Charmebolzen vom Dienst ist. Trotzdem bleibt er seltsam blass, und ich hätte ihn von Anfang an nur an die Wand klatschen können!
Was man nicht kapiert: Wieso sich Sofia trotzdem in ihn verknallt. Klar, die Story wird aus der Retrospektive erzählt und ist somit schon etwas abgekühlt. Deswegen auch konsequent das distanzierte „Herr Steckel“, vermutlich. Aber das passt für mich nicht wirklich zusammen mit Sofias Eingeständnis, sich verliebt zu haben und ihrem Wunsch, den Schreiberling wiederzusehen (trotz der enormen Distanz von gut 600 Kilometern). Wer Herr Steckel wirklich ist und was Sofia an ihm mag, ist mir verboregen geblieben.

Unterm Strich fand ich die Grundidee dieses Romans wirklich originell, und auch der schnodderinge Erzählstil sowie der trockene Humor sind bei mir gut angekommen. Allein an die Konstruktion konnte ich mich nicht wirklich gewöhnen und hatte einfach mehr erwartet als letztlich nur heiße Luft. Der Schluss war dann auch sehr holterdipolter, fast als hätte man beim Schreiben gemerkt, dass man nun aber wirklich keine Ideen mehr hat und genausogut auch aufhören könnte.
Ein originelles und unterhaltsames Buch, jedoch mit einigen Längen und Ungereimtheiten. Zurückgeblieben bin ich mit einem Gefühl von „Was will uns die Autorin damit nun sagen?“

Was mich nebenbei gesagt gestört hat war, dass das Buch auch anscheinend etwas schlampig lektoriert war. Da waren mir einfach zu viele logische und orthographische Fehler drin: Der erwähnte Maler hieß Warhol  mit Nachnamen und nicht Warhole, es heißt quid pro quo und nicht quit. Um  nur 2 Beispiele zu nennen. (Mag sich nach Korinthenkackerei anhören, aber  mich stört sowas, wenn es in Büchern gehäuft auftritt.)

Susanne Bohne – Bookanizer
Michason & May, März 2011
ISBN 9783862860098
221Seiten
17,90 Euro

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