Kein Entkommen

Woran liegt das eigentlich, dass so viele Autoren mit der Zeit immer schlechter werden? Linwood Barclay gehört leider auch dazu, allerdings dürfte mit seinem neuesten Roman der absolute Tiefpunkt erreicht sein, so dass ggf. noch etwas Hoffnung besteht. Seinen 2007 auf Deutsch erschienenen Erstling Ohne ein Wort habe ich inhaliert. Das Buch war spannend geschrieben, hatte gute und solide Charaktere mit Identifikationspotenzial und einem wirklich tollen Überraschungs-WOW-Effekt am Ende (zumindest für mich).

Nach und nach wurden die Bücher dann schwächer, aber spannend fand ich sie immernoch. Kein Entkommen ist sein 4. auf Deutsch erschienenes Buch – und sterbenslangweilig!
Was sich im Klappentext und auf den ersten Seiten noch gut anliest und jede Menge Potenzial hat, flacht ganz schnell ab und verliert sich in komplizierten Nebenhandlungen. Durch einen ach so brisanten politisch angehauchten Nebenstrang versucht der Autor, den Leser zu fesseln, was leider misslingt, da ich zumindest nicht die Bohne daran interessiert war.

Erzählt wird teils aus der Perspektive David Harwoods in der Ich-Form und teils in der 3. Person aus einer Beobachterperspektive. Dadurch wird viel Spannung verschenkt, denn so weiß man eigentlich schon im 1. Drittel des Buches, was es mit dem Verschwinden von Jan Haarwood auf sich hat und kann eigentlich nur müde lächeln über die Suchaktionen ihres Ehemannes David. Ich fand ihn auch, obwohl er ja so viel zu erzählen halt, seltsam blass und nichtssagend, man erfährt sehr wenig über ihn und das, was man erfährt, lässt ihn leider so ein bisschen waschlappenmäßig wirken.
Das Buch hat darüber hinaus etliche Längen durch bis zum Gehtnichtmehr aufgeblähte Nebenhandlungen und eine Unzahl leiernder Dialoge, teils zu Nebensächlichkeiten wie Blumengießen und das Wetter *gähn*

Wenn man es schafft, sich tatsächlich durch die knapp 570 Seiten zu quälen, wird man mit einem völlig überzogenen und unnötig pathetischen Schluss belohnt.
Auf diesen Roman hatte ich mich wirklich gefreut, zumal auch die veröffentlichte Leseprobe viel Spannung verhieß. Leider wurde hier der Fehler gemacht, zu früh zu viel zu verraten und zudem unfassbar viel Nebensächliches eingebracht (das sollte wohl Spannung erzeugen durch Verwirrung der Leser? Man weiß es nicht, meinen Nerv traf es jedenfalls nicht.)

Linwood Barclay – Kein Entkommen
Ullstein Taschenbuch Verlag, April 2011
ISBN 9783548283487
571 Seiten
9,99 Euro

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