Glückskekssommer

Schon vor einer Weile habe ich dieses Buch gelesen. Der auf Regionalliteratur spezialisierte Gmeiner Verlag hat neben (historischen) Krimis seit Kurzem eine Frauenromanchensparte im Programm. Da ich sowas ja ganz gerne lese und auch Romane mit regionalem Flair mag, habe ich mich mal daran versucht.

Anfangs bin ich nicht so recht warm geworden mit der Geschichte und der Hauptfigur Rosa. Mir war sie zu hausbacken und zu langweilig. Rosa ist Schneiderin und Everybody’s Darling. Scheinbar alles Glück fällt ihr in den Schoß: Begabt im Beruf, kurz vorm Gesellenabschluss mit Bestnote, eine bekannte Schauspielerin möchte Rosas Gesellenstück als Abendkleid für eine wichtige Preisverleihung haben, einen tollen Freund hat Rosa ebenso, nicht zu vergessen die netten Eltern… *gähn*

So weit, so langweilig. Das Ganze gewinnt erheblich an Fahrt, als endlich auch mal was schief geht in diesem rosaroten Leben: Das Gesellenstück nämlich platzt vor laufenden Kameras während einer Liveübertragung am Hinterteil der Schauspielerin auf… Dann geht auch noch Rosas Freund fremd, ausgerechnet mit ihrer besten Freundin Lila (ich musste wirklich hart gegen einen Schreikrampf ankämpfen bei dieser Namenswahl (Rosa & Lila, seriously?!), die wohl lustig sein sollte, auf mich aber leider nur albern wirkte). Im Endeffekt steht Rosa dann plötzlich ohne Job, ohne Freunde, ohne Wohnung und ohne Selbstachtung da.
Nach der obligatorischen Selbstmitleidsphase legt sie dann aber los und lernt das Leben von einer anderen Seite kennen. Statt bei der Creme de la Creme arbeitet sie in einer kleinen Schneiderklitsche, frönt der Selbstverwirklichung und lernt nebenbei allerhand nette Leute kennen.

Ein wirklich gelungener Schachzug waren die titelgebenden Glückskekse: Aus alter Gewohnheit öffnet Rosa täglich einen chinesischen Glückskeks. Auf die jeweilige Keksprophezeihung wird am Kapitelende Bezug genommen. Ich fand das ganz witzig und wirklich charmant in den Roman eingebracht, zumal diese Glückskekse im Verlauf eine gewisse Eigendynamik entwickeln…
Gestört hat mich, dass gegen Ende immer neue Handlungsstränge eingebracht wurden, die ich teilweise nicht passend fand und vor allem zu hektisch abgehandelt wurden. Es wirkte so ein bisschen, als hätte die Autorin nicht so genau gewusst, worüber sie eigentlich schreiben wollte bzw als hätte sie sich nicht entscheiden können.

Insgesamt ein netter und unterhaltsamer Roman ohne größere Überraschungen oder Innovationen. Auch sprachlich nicht wirklich der Burner, und der Humor war eher so mittelkomisch für mein Empfinden. Positiv war für mich, dass ich die Protagonistin, obwohl ich sie anfangs nicht leiden konnte, später wirklich mochte. Irgendwie finde ich es ein wenig schade, dass das Buch manchmal so wirkt, als hätte sich die Autorin erst warm schreiben müssen, denn gegen Ende gefiel er mir sowohl inhaltlich als auch sprachlich besser.

Kerstin Hohlfeld – Glückskekssommer
Gmeiner Verlag, Mai 2011
ISBN 3839211476
420 Seiten
11,90 Euro