Fräuleinwunder

Mir war mal wieder nach einem Frauenromanchen, und dieser hier hörte sich mit seiner Zeitreisethematik ausgesprochen witzig und einigermaßen innovativ an. (Gespannt war  ich ehrlich gesagt auch, ob ich die hinter dem Pseudonym stehende „bekannte deutsche Bestsellerautorin“ wohl erkennen würde…)

Die Story ist recht solide und beginnt temporeich: Die erst 44jährige Cosima erhält vom Frauenarzt die erschütternde Diagnose „beginnende Menopause“. Das passt der aufgeweckten und mitten im Leben stehenden Geschiedenen nun so gar nicht in den Kram, sie will noch nicht zum alten Eisen gehören.
Zu Geburtstag bekommt sie eine abstruse Esoteriksitzung von ihrer Freundin geschenkt und wird während dieser irrtümlich ins Jahr 1954 zurückversetzt. Ich liebe solche Zeitreisestories ja und war daher auch Feuer und Flamme für diesen Plot, der – und das liegt in der Natur der Sache – nicht immer vollständig logisch erschien. Ein bisschen unlogischer als nötig vielleicht manchmal, aber Schwamm drüber!

Schnell kommt die Autorin zum Kern der Geschichte: Die Unterdrückung der Frau während der 50er Jahre und die nicht vorhandene Gleichberechtigung. Die selbständige und resolute Cosima kann das natürlich nicht mit ansehen und versucht sich erst im Alleingang und schließlich mit einigen Mitstreiterinnen als Revoluzzerin und Frauenrechtlerin. Das ist zwar anfangs sehr lustig zu lesen, driftet aber leider bald ein wenig ab. Gebetsmühlenartig wird wiederholt, wie arm dran die Frauen sind und wie bös die Männer sind. Und zwar alle. Ausnahmslos. Mir persönlich war das zu schwarzweiß.

Ein bisschen anstrengend wird die Geschichte an dem Punkt, wo Cosima nicht mehr alleine für die Rechte der Frauen kämpft, sondern mehrere Mitstreiter vor den Karren spannt. Das ganze verliert ab da etwas an Konsistenz und verwässert sich, indem Handlung durch slapstickartige Dialoge ersetzt wird. Die Geschichte wird zunehmend schräg und ins Comedyhafte verzerrt. Damit war mir dann auch klar, wer sich hinter dem Pseudonym Pia Osterwald verbirgt, denn diese Schreibe ist  einfach unverwechselbar. Die Figuren können schlicht nix alleine  machen, sondern müssen sich in Rudeln zusammenrotten und mit Hauruck eine gute Tat vollbringen oder irgendwas Großes auf die Beine stellen. Auf Authentizität wird hierbei wenig Wert gelegt, dafür auf schrille Gags und abgedrehte Charaktere. Das ist typisch Steffi von Wolff. (Nicht bestätigt, nur meine Vermutung, bei der ich mir aber zu 99,9% sicher bin.)

Nicht so gut gefallen hat mir darüber hinaus der Schluss. Der war mir zu holterdipolter und sah mir ganz danach aus als hätte die Autorin gemerkt, dass sie ihr Seitenlimit ja schon erreicht hat. Ich fand ihn auch nicht unbedingt logisch oder zufriedenstellend.

Insgesamt ein frischer und sicherlich unterhaltsamer Roman zum zwischendurch Weglesen, dem es jedoch ein bisschen an Tiefgang und Glaubwürdigkeit mangelt. Wer gerne Comedy mag, wird sich hier sicher wohl fühlen!

Pia Osterwald – Fräuleinwunder
Rowohlt Verlag, Mai 2011
ISBN 3499255456
240 Seiten
8,99 Euro

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