Das verlorene Symbol

Dan Brown ist super!
Da kann man auch mal locker 300 Seiten in der Mitte des Buches komplett überspringen und findet auf den letzten 150 Seiten nahtlos den Anschluss wieder ohne auch nur ansatzweise das Gefühl zu haben, man hätte irgendwas verpasst.

Illuminati und Sakrileg habe ich verschlungen, und obwohl Dan Brown Romane ja leider nach dem Schema „Kennste einen, kennste alle“ funktionieren, habe ich es (lag mein letzter Brown doch schon Jahre zurück!) nochmal versucht. Spricht ja nix gegen solide Spannungsunterhaltung!
Das Problem mit diesem Buch ist folgendes: 1. der Autor redet einfach zu gerne und 2. das Buch schlägt nicht wirklich einen Spannungsbogen, sondern fängt spannend an, wird dann unfassbar dröge, um dann im letzten Viertel nochmal etwas aufzudrehen und in einen gähnend langweiligen Schluss zu münden.

Das verlorene Symbol besteht über weite, VIEL zu weite Strecken hinweg ausschließlich aus langatmigen philosophischen und pseudowissenschaftlichen Abhandlungen über die Freimaurer, die Menschheit und den Sinn des Lebens. Und damit es auch der tumbste Leser kapiert, wird alles gefühlt zwölfmal wiederholt. Brown beendet zwar jedes der über 130 Kapitel mit einem Cliffhanger, um sich dann im Folgekapitel in endlosen Beschreibungen und Erklärungen zu ergehen. Es wird jeder Atemzug und jeder Handgriff der Personen en detail beschrieben, ohne dass die Handlung auch nur im Geringsten voran käme.  Nach 250 Seiten war meine Bereitschaft, in diesem Stil noch ganze 500 weitere Seiten zu lesen, eindeutig am Ende. Da ich aber nun auch wissen wollte, was es mit diesem verdammten Symbol auf sich hat, habe ich einfach bei Seite 550 weitergemacht, sprich in der Mitte 300 Seiten ausgelassen. Das ist insgesamt über ein Drittel (!) des Buches, und es spricht nicht für den Autor, dass ich dennoch nahtlos wieder in die Handlung rein gefunden habe. Was auch immer im Mittelteil des Buches abgehandelt wurde – es war von keinerlei Wichtigkeit für das Verstehen des Romans. Schade ums Papier!

Die Charaktere – stereotyper gehts kaum, die kommen alle tief aus der Klischeekiste. Fand ich Robert Langdon in den beiden vorherigen Bänden eigentlich auch schon so schlimm? Altklug und belehrend kommt er daher, dieser Gutmensch, im Grunde seines Herzens ein Waschlappen, aber wenns der Wissenschaft dient, entwickelt er ungeahnte Kräfte – potztausend, was für ein Teufelskerl!! Ständig bedroht (weil er ja so viel weiß), ständig in Gefahr – aber ganz kurz vorm Abnibbeln hat er dann plötzlich immer DIE Idee zur Lösung des Problems und wird auf wundersame Weise gerettet! Gleiches gilt übrigens für fast alle anderen Figuren. Immer werden die Guten in allerallerallerletzter Minute doch noch gerettet, und geopfert werden allerhöchstens Nebenfiguren und natürlich die Bösen. Mir war das alles deutlich zu viel Heldenpathos. Sterbenslangweilig!

Die Idee der „Freimaurermysterien“ hat mir an sich gut gefallen, wird aber so dermaßen aufgebauscht, dass man am Ende eigentlich nur enttäuscht werden kann bei der ganzen Erwartungshaltung, die sich unweigerlich aufbaut. Im Grunde war ich nur froh, als ich das Buch durch hatte, habe mich aber noch geärgert, weil so ein Gefühl von „Wie jetzt?“ zurückbleibt – „Das wars?“
Das Buch hätte um mindestens 1 Drittel gekürzt werden müssen, um überhaupt noch spannend zu sein. Es genügt einfach nicht, jedes Kapitel mit einem künstlich aufgebauschten Cliffhanger zu beenden, wenn dann im Folgekapitel doch nur rumgeeiert wird und man sich von einer vorhersehbaren „Gefahr“ zur nächsten hangelt.
Man steht sich ständig im Kreis, und die Handlung ist wirklich unüberbietbar in die Länge gezogen.

Negativ anmerken muss ich zudem auch wirklich mal das Gewicht des  Buches: Ein „Taschenbuch“ mit fast 900 Gramm, ja gehts noch?? Es ist zwar die „illustrierte Ausgabe“, was aber lediglich bedeutet, dass sich über 750 Seiten verstreut circa 30 Fotos im Buch befinden. Ganz interessant, nice to have – aber nicht wirklich notwendig. Es hätte gereicht, wenn man einen mehrseitigen Fototeil auf hochwertigerem Papier eingefügt hätte, statt dessen ist das ganze Buch auf viel zu dicker Grammatur gedruckt und man schleppt sich fast kaputt.

Dan Brown – Das verlorene Symbol
Bastei Lübbe, März 2011
ISBN 9783404160006
752 Seiten
9,99 Euro