Die Affaire

Gute Idee, sehr schlechte Umsetzung: Zu einer Affäre gehören immer drei, und in diesem Buch sollen alle drei ihren Standpunkt vertreten dürfen bzw die Situation aus ihrer Sicht schildern: Die betrogene Ehefrau, der Ehemann und dessen Geliebte.

Der erste Fehler ist in meinen Augen schon der, dass zwar aus Sicht der jeweiligen Person erzählt wird, aber stets in der dritten Person. Ich fand das sehr unpersönlich und einfach zu distanziert, um wirklich an die Personen heranzukommen.
Zwar wird nachvollziehbar die Situation beschrieben, und der erste von drei Teilen, in dem Ehefrau Kathy beschreibt, wie sie ihrem Verdacht, betrogen zu werden nachgeht und schließlich bestätigt wird. Ihre Reflexionen über ihre Ehe und den Grund für das Scheitern sind verständlich dargelegt, jedoch fand ich den Erzählstil insgesamt etwas zu bieder.

Im zweiten Teil kommt Gatte Robert zu Wort bzw es wird in der dritten Person aus seiner Sicht berichtet. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Geschichte kontinuierlich weitererzählt wird, aber nein: Dillon beschriebt exakt die selben Situationen wie schon im ersten Teil von den ersten Verdachtsmomenten Kathys über Roberts Schäferstündchen mit seiner Geliebten bis hin zum Heiratsantrag an selbige. Einige Situationen sind natürlich neu für den Leser, weil Kathy nicht dabei gewesen sein kann. Dennoch fand ich es sterbenslangweilig, alles nochmal neu durchzukauen. Man lernt zwar so auch seine Perspektive kennen, erfährt viel über seine innere Spannung und die Gründe für das Eingehen einer Affäre – aber dazu hätte man keine 150 Seiten gebraucht, weil man das meiste eh schon wusste. Da Frau Dillon aka Herr Scott (er benutzte für dieses Buch ein weibliches Pseudonym) leider auch so gut wie kein Klischee auslässt, ist das Buch sehr flach und vorhersehbar. Schade, aus dem Thema hätte man so viel machen können!

Den dritten Teil, in dem aus der Sicht der Geliebten Stephanie berichtet wird, habe ich mir dann geschenkt, denn ich hatte keine Lust, das Ganze ein drittes Mal durchzukauen und nochmals zu erfahren, wie klasse Steph im Bett ist und wie tough und wie sehr sie Robert liebt. Wusste ich doch alles schon! Ich habe die letzten 10,15 Seiten dann noch gelesen, um zu erfahren, wie es ausging.  Und meine Vermutung, dass hier nochmal die Moralkeule käme und natürlich (im Sinne der Moral) alles gut würde, hat sich leider bestätigt. Schade!

Warum von einem so langweiligen Buch auch noch eine Fortsetzung geschrieben wurde bzw. was man daran fortsetzen will, ist mir schleierhaft.

Anna Dillon – Die Affaire
Fischer Taschenbuch Verlag, Oktober 2008
ISBN 3596171091
384 Seiten
8,95 Euro