Das Lied der Sonnenfänger

Julie Peters hat ein wunderschönes und farbenprächtiges Neuseeland-Epos vorgelegt, das sich wohltuend von einer gewissen Masse ähnlicher Romane abhebt.
Die Geschichte an sich ist nicht neu, wird hier aber auf ungewöhnliche Weise mirteißend, authentisch und ohne Kitsch erzählt: Die Familie O’Brien flieht Ende des 19. Jahrdunderts aus dem verarmten Irland, um im fernen Neuseeland als Schafzüchter einen Neuanfang zu wagen. Antriebsfeder sind die Männer der Familie, die Frauen „gehen eben so mit“. Aber es sind dennoch die Frauen, auf die Peters den Fokus gelegt hat. Vor allem die Schwägerinnen Emily und Siobhan, vermeintlich unterschiedlich wie Tag und Nacht, aber jede auf ihre Weise stark und stolz, machen im Verlauf des Romans eine erstaunliche Entwicklung durch.

Alle Charaktere, bis hin zur Bordellchefin, sind glasklar gezeichnet und mit liebenswerten Eigenheiten versehen. Das macht sie umso authentischer und die Geschichte umso mitreißender – es ist nicht schwer, hier Identifikationsfiguren zu finden.
Spannend ist es vor allem, die recht gegenläufige Entwicklung der zunächst wilden und ungestümen Emiliy und ihrer so zurückhaltenden und änsgtlichen Schwägerin Siobhan zu verfolgen. Während ausgerechnet die dickköpfige Emily gegen ihren eigentlichen Willen eine Ehe eingeht, die sie beinahe ins Verderben reißt, muss Siobhan erkennen, dass auch sie nicht so glücklich ist in ihrer Ehe, wie es nach außen hin scheint. Ausgerechnet die scheue Siobhan verliebt sich schließlich in einen „Wilden“, einen Maori, und muss sich entscheiden.

Die Entscheidungen, die getroffen werden, haben mich immer wieder erstaunt und positiv überrascht! Denn wer ausschließlich verkitschte Happy Ends erwartet, liegt hier völlig falsch. Peters „traut“ sich, fernab vom weichgespülten Romantik-Klischee auch das wahre Leben mit echten Schicksalsschlägen zu beschreiben, die den Romanfiguren widerfahren und an denen sie wachsen. Und auch das trägt ebenso wie die realistischen Charaktere zu der Glaubwürdigkeit der Geschichte bei.

Ich fand die Geschichte wirklich schön zu lesen, sie schien mir gut recherchiert und ist lebendig geschrieben. Einzig einige Episoden wie zB die Liebesgeschichte zwischen Siobhan und dem Eingeborenen Amiri hätte ich mir etwas besser beschrieben gewünscht, mir persönlich war es ein wenig zu oberflächlich und kurz abgehandelt – was der Geschichte in ihrer Gesamtheit jedoch keinen Abbruch tut.
Ein wunderbarer Schmöker!

Julie Peters – Das Lied der Sonnenfänger
Wunderlich Verlag, Januar 2011
ISBN 3805208960
14,95 Euro

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