Kein Wort zu Papa

Dora Heldt hat mit der (an sich) sympathischen Christine eine Figur „aus dem Leben gegriffen“ geschaffen und legt mit „Kein Wort zu Papa“ bereits den 5. Band der losen Serie um Christine vor. Speziell „Urlaub mit Papa“ bekam bei seinem Erscheinen 2008 viel Aufmerksamkeit und zu recht gute Kritiken. Auch mir hatte der Roman über den rüstigen und resoluten 70jährigen Heinz („Papa“), der seine erwachsene Tochter betüdelt und bewacht wie eine 9jährige, so gut gefallen, dass ich mir fortan alle weiteren Heldt-Romane zugelegt habe.

Schon der 4. Band „Tante Inge haut ab“ war ein eher schwächerer Nachfolger, „Kein Wort zu Papa“ ist inzwischen leider nur noch ein müder Abklatsch der einst so humorvollen und  geistreichen Buchserie. Als „turbulent und unglaublich komisch“ wird der Roman im Klappentext angepriesen. Nun, ich kann eigentlich weder das eine, noch das andere so richtig bestätigen. Turbulent ist allenfalls das Liebesleben der inzwischen fast 50jährigen Christine, die sich auch im 5. Band backfischmäßig wieder einmal neu verliebt. Mich stört das inzwischen schon, dass man in beinahe jedem neuen Band der Serie einen neuen Kerl präsentiert bekommt, für den Christine sich interessiert und dafür einen anderen sausen lässt. Abgesehen davon, dass ich mir langsam nicht mehr merken kann, wer wer ist und was der wiederum falsch gemacht hat – ich finde es auch nicht mehr wirklich realistisch, dass eine 50jährige sich alle naselang wie ein Teenie verknallt, um dann spätestens 10 Monate später festzustellen „Ach nee, doch nich’…“

Der Roman handelt somit über weite Strecken ausschließlich von Christines Beziehungsproblemen und der Frage, wieso sie sich von einem Mann zum nächsten wirft. Wer will sowas lesen? Mit Verlaub, aber mir kam es ein wenig so vor, als hätte die Autorin da persönliche Erfahrungen verarbeiten wollen.
Ansonsten wird hier nach altbewährtem Rezept gekocht. Die Zutaten sind wie immer Sylt, Norderney, ein Freundinnen-Duo – und Heinz, der auf charmant-penetrante Art alles besser weiß und mit Rat und Tat zur Seite steht bzw. damit so manches durcheinander bringt. Aber leider kommen auch Heinzens Späßchen mittlerweile etwas ausgelutscht daher und sorgten bei mir nicht mehr richtig für Erheiterung.
Da leider auch der als spannend und turbulent gedachte Teil des Romans nicht wirklich gelungen ist, konnte ich dem Buch nicht so viel abgewinnen, wie erhofft. Christine reist diesmal in Begleitung ihrer Schwester nach Norderney, um ihre Freundin Marleen in deren Pension zu vertreten, da Marleen aus dubiosen Gründen mit ihrem Lover im arabischen Ausland im Kittchen gelandet ist. Dieser Umstand ist zunächst strengstens geheim zu halten, aber Heinz wäre ja nicht Heinz, wenn er nicht zu allem eine Meinung hätte und diese in dem festen Glauben, es sei die einzig richtige wie ein altes Waschweib herum tratscht. So schaukelt sich die Sache um Marleen zu einem riesen Brimborium auf, um sich schließlich am Schluss beinahe im Nebensatz in Luft aufzulösen.

Beim Lesen hatte ich oftmals den Gedanken „Wann gehts denn nun endlich richtig los?“, bis ich realisiert habe, dass es bereits losgegangen war und dieses seichte Dahinplätschern im Grunde auch schon alles war, was ich von diesem Buch erwarten konnte.
Das Buch ist anspruchslose und berieselnde Unterhaltung und auch durchaus nicht schlecht, reicht jedoch in Sachen Charme und Esprit leider überhaupt nicht an seine Vorgänger heran. Ich würde mir wünschen, dass Frau Heldt beim nächsten Band ein bisschen weniger Küchenpsychologie betreibt, sich weniger in Nebensächlichkeiten und Verknalltheiten verstrickt und vor allem die einst starke und selbstbewusste Christine wieder aus ihrer Peplosigkeit erweckt!

Dora Heldt – Kein Wort zu Papa
384Seiten
Deutscher Taschenbuch Verlag, November 2010
ISBN: 3423248149
12,90 Euro