Cover-Unfälle, Klappe die 7.

Das hat auch alles was von „irgendwie schon mal dagewesen“, oder?



Wenn man heute einen Thriller lesen will, hat man gute Chancen, dass das Cover aus folgenden Bausteinen besteht:

  • Weißer Hintergrund, meist mit Papier- oder leicht fleckiger „Grunge“-Textur
  • Dekoriert mit (Brand-, Blut-) Flecken, Rissen oder sehr gerne auch Blutspritzern
  • Bedrohlich und benutzt aussehende Gegenstände, beliebt sind hier Stacheldraht, Kreuze, Seile und Nadeln.
  • Selbst die Auswahl der Schriften zeichnet sich nicht durch sonderlich viel Individualität aus, mit Vorliebe benutzt werden Kapitälchen oder Majuskeln (=Großbuchstaben) aus dem Bereich „Eroded Fonts“ (= ausgewaschen, zerfressen, abgetragen)

Gibts eigentlich irgendwen, der alle paar Jahre vorschreibt, wie solche Cover auszusehen haben, die dann den Markt überfluten? Oder kucken die sich das einfach voneinander ab?

23 thoughts on “Cover-Unfälle, Klappe die 7.

  1. Mir ist das bei Thrillern noch nie so extrem aufgefallen, aber wenn man das hier sieht. Einzig diese Schrift, die du ansprichst, sieht man echt oft…Kreativität adé

    • Mir ist das erstmals so richtig aufgefallen als ich vorhin bei Amazon nach Thriller Empfehlungen gesurft habe. Da sah manchmal eine Seite fast gleich aus :)

  2. Ohh das versteh ich alles sowas von gut!
    Meine Eltern lieben Krimis über alles. Und zum Geburtstag oder so gibts halt immer wieder mal ein Buch .. Aber ich weiß nie, welches ich kaufen soll, weil ich nicht weiß, ob sie die Bücher schon gelesen haben oder nicht: Denn, ich weiß zwar wie die Cover ungefähr aussehen (liegen ja zuhause rum), ABER die sehen sich ja alle so ähnlich, ha!
    Ich denke aber, so ein Cover verkauft sich gut ! :) Und wer einmal ein solches Buch gelesen und geliebt hat, wird beim nächsten Kauf wahrscheinlich lieber zu einem ähnlichen Cover als einem ganz anderen greifen.
    Und irgendwie siehts ja gut aus.

  3. Ich habe mal einen interessanten Artikel über einen Cover-Gestalter (Klingt nicht gerade nach Fachbegriff, oder? Hm.) des Fischer-Verlages gelesen.
    Der Herr hat damals das Titelbild zu Frau Aherns Dauerbrenner ‚PS Ich liebe dich‘ gestaltet.
    Blauer Hintergrund, Wolkenspuren, schnörkelig-elegante Schrift.
    Und der Verlag bemerkte, dass sich viele Leser von dem Cover angesprochen fühlten.
    Daraufhin ließen sie den Grafiker wieder und wieder diese Art von Cover entwerfen.
    Diese Einheitsoptik war also regelrecht gewollt.
    Das ist ganz praktisch, wenn man Frau Aherns Bücher anhand ihrer Optik orten will, doch der Konkurrenz konnte dieser Trend natürlich nicht entgehen.
    Und der Nachahmungswahn kennt keine Grenzen.
    Der Verlag zeigte sich jedoch nicht einmal großartig verärgert, wenn ich mich recht erinnere.
    Das fand ich schon sehr merkwürdig.

    Im Übrigen bin ich auch der Ansicht, dass dieses farbschöne, jedoch anspruchslose Cover eher Belanglosigkeit als sonst irgendwas suggeriert.
    Aber letztendlich sollte ein Cover ja auch nicht (komplett) über den Kauf bestimmen.

    • Genau diese Cover waren Gegenstand der Betrachtung des 1. Teils der „Cover Unfälle“: https://bibliomanie.wordpress.com/2008/05/27/cover-unfalle-teil-1/

      Es ist wohl wirklich so, dass mit diesen ewig gleichen Coverbildern einerseits Lesern gezeigt werden soll „Das Buch ist so wie Buch XY, das hat dir doch gut gefallen“. Andererseits werden so oft Bücher in einen Pott geschmissen, in den sie gar nicht gehören. Die Kehrseite ist auch, dass man um solche Bücher meistens einen Bogen macht, wenn einem eines davon nnicht gefallen hat.

      Ich weiß nicht, ob das schon immer so war, dass man (vermeintlich) ähnlichen Büchern ähnliche Cover verpasst hat, aber ich bemerke das leider auch an mir selber, dass ich in der Buchhandlung oder bei Amazon die Cover abchecke und vieles schon gedanklich abhake, bevor ich mir überhaupt die Mühe mache, es in die Hand zu nehmen und mal den Klappentext zu lesen.

      • Hallo!
        Dass ich gedanklich diese gleichförmigen Bücher abhake, bemerke ich auch an mir. Bei bestimmten Genres oder Trends ist das sicher kein Verlust, aber vielleicht wäre ja doch was Interessantes dabei gewesen.
        Grundsätzlich finde ich das schade, dass viel Einheitsbrei serviert wird. Man muss aber auch sagen, dass es natürlich sehr viele tolle Buchcover gibt und gerade kleinere Verlage noch wirklich Arbeit und vor allem Zeit (zu) investieren (scheinen).

        Warum nicht mal etwas wagen und experimentell sein? Das betrifft ja andere Felder auch, z.B. das Kinoplakat. Kennst Du klassische Kinoplakate aus Tschechien oder Polen? Da sind wahre Schätze darunter, die eben so gar nicht dem typischen Werbeplakat entsprechen und von Einfallsreichtum nur so strotzen. Ob surreal, puristisch, intelligent oder einfach nur witzig – eigenwillig und einzigartig sind sie meistens.
        Ein bisschen was von dem Geist dieser Plakate würde ich so manchem Cover/Gestalter wünschen!

  4. Hmmmhh, an diesen Untersuchungen bezüglich des Covers könnte was dran sein. Angeblich verkaufen sich Zeitschriften mit Frauen vorn drauf auch besser als welche mit Männern. Aber wem gefällt so ein Quatsch wie oben? Ich musste erstmal meine Brille aufsetzen, um zu erkennen, was das überhaupt sein soll.

    LG,
    JED

    • Ich glaube, es ist egal, wem es gefällt – die Leute kaufen wohl einfach eher was sie kennen. Sonst würden die Werlage kaum so viel Wert auf diesen hohen Wiedererkennungswert legen.

      • Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch wegen des Covers gekauft. (Du schonmal?) Mich interessiert der Klappentext. Und der ist auch nochmal ein Thema für sich…

        • Nein, wegen des Covers kauf eich auch nix – oft eher trotz ;)
          Auch wenn ich viele Cover guter Bücher abschreckend finde und mich manchmal immernoch zum genaueren Hinsehen zwingen muss. Mir hat meine Mutter von kleinauf beigebracht, Bücher nie nach dem Äußeren zu beurteilen, es kommt immer auf das an, was drin ist. Aber irgendeinen Grund muss es ja haben, dass die Cover irgendwie immer einformiger werden. Das ist nicht nu rim Krimibereich so! Natürlich gibts auch Ausnahmen, aber ich denke, mit diesen immer ähnlicher werdenden Bildern soll dem eher unerfahrenen und anspruchslosen Leser suggeriert werden „Kauf das, das ist genauso (gut) wie Buch XY, was die so gefallen hat“. Man kann ja trotzdem den Klappentext lesen, aber ich glaube, dass nicht alle Leser so differenziert sind und sich zB vorher schon mal schlau machen, was ihnen gefallen könnte. Die brauchen beim Betreten der Buchhandlung eindeutige Signale.

  5. Uuh, und ich hab genau ein Buch davon gelesen. Grade erst. „Kalte Stille“ war ziemlich gut, wenn auch nicht sehr anspruchsvoll.

    Aber das es mit den Covern schon so weit gekommen ist, ist mir noch gar nicht so sehr aufgefallen.

    • Ich glaube, die gibts nicht (mehr) bzw wird vernachlässigt. Der Autor wird in irgendein „Schema“ gepresst, so dass möglichgst viele Leute über diesen Wiedererkennungseffekt angesprochen werden sollen. Sieht man ja schon daran, wie die Cover vereinheitlicht werden – wer soll sich da noch merken, von welchem Autor er was gelesen hat?

  6. Das Cover von „Stumm“ finde ich ja ganz nett – einfach weil es so gut passt mit der Nadel (–> Mund zugenäht). Aber im Vergleich zu den anderen Büchern wirklich langweilig.
    Ich denke ich persönlich kaufe viel lieber das, was aus der Reihe tanzt, neu und frisch aussieht. Und wenn man sich bei den Bloggern umschaut, fällt ja auch auf, dass diese gern lobende Worte über alles verlieren, was bisher noch nicht da war, etwa „Rubinrot“ und Co. oder „Splitterherz“.

    Die Frage ist natürlich, warum Verlage etwas an ihrer Mainstream-Masche ändern sollten, sofern die Zahlen stimmen. Das Risiko steht doch dann in keinem Verhältnis. Denn leider sind ja nicht alle Leser interessierte Blogger, die sich mit Neuerscheinungen, Rezensionen und Kurzbeschreibungen auseinandersetzen. Die sind dann eher vom Typ „Sieht aus wie Buch x, nimmste mal mit“, weil sie sich nicht anders orientieren können (bzw. wollen).

    • Ja, das stimmt auch – aus marketingtechnischer Sicht gibts da vermtlich gar keinen Grund, daran was zu ändern. Ich finds nur immer so schade, weil mir sowas häufiger auffällt. ganz schlimm im Fantasybereich, da gibt es scheinbar so 2-3 Sorten/Gruppen, und jeder Roman lässt isch praktisch spielend in eine dieser Coversorten pressen – obs passt oder nicht.

  7. Das ist ein ganz toller Eintrag, ich mag ja Einträge mit vielen Bildern ;) Aber auch inhaltlich! Ich hab mich mit dem Genre noch nicht wirklich befasst, aber wenn ich das jetzt so sehe, glaube ich, ich bin sicher an vielen vorbeigegangen und habe sie dann einfach für dasselbe Buch gehalten.

    Aber bei Fantasy und so ist es doch glaube ich ähnlich? Mir sind da in letzter Zeit viele Bücher aufgefallen … immer mit einem Mädchen und irgendwie noch einer Blume.

    Und im Übrigen finde ich es schlau, Bücher ähnlich zu gestalten: ich kaufe zum Beispiel gerne die Suhrkamp Bibliothek, weil die Bücher alle gleich aussehen oder die Bibliothek Manesse …

    • Bei Verlagen wie Suhrkamp oder auch Diogenes ist das ja irgendwie was anderes: Bei denen bekommt seit Jahren wenn nicht Jahrzehnten jedes Buch konsequent das gleiche Layout verpasst, nur das Titelbild ist ein anderes. Und das passt schon oft zum Buch. Bei Piper war es lange Zeit genauso, wurde dann leider aufgegeben. Ich trauere der Coverneugestaltung der Piperbücher noch heute hinterher! Dagegen spricht irgendwie nichts, finde ich. Sieht im Regal auch klasse aus ;) Bei mir gibts in den regalen extra „Abteilungen“ für Diogenes und Piper.

      Was mir immer wieder aufstößt, ist dass man so viele vermeintlich „gleiche“ Bücher zumindest oberflächlich in einen Topf schmeißt, indem man sie mit sehr ähnlichen Covern versieht. Das suggeriert ja eindeutig „Lies Buch B, das ist genauso wie Buch B, das du so mochtest“. Zumindest bin ich überzeugt, dass es das suggerieren soll, denn es ist eben auch nicht jeder in der Lage, sich mal nach Literatur umzusehen, die ihm gefallen könnte bzw sich vorab zu informieren.
      Leider schreckt das im Umkehrschluss auch Leser ab. Ich habe das bei mir selbst schon bemerkt, dass ich ein Buch lange nicht beachtet habe, weil es ein Cover in diesem Schnörkelstil wie die Bücher von Jil Mansell und Konsorten hatte. Sowas mag ich gar nicht, und habe dieses Buch immer automatisch in diese Ecke gestellt. Dann las ich mal eine Rezension darüber (selbst die hatte ich vorher immer ausgeblendet!) und habe gemerkt, dass das Buch eine ganz andere Richtung hat!

      Und ja, das ist in ganz vielen Bereichen so. Wechselt natürlich auch immer mal, denn gerade im Bestsellerbereich gibts ja so Modeerscheinungen, die alle paar Jahre wechseln. Als die Kirchenthriller noch so angesgat waren, war jedes 2. Buch im Thrillerbereich Rot/Schwarz. Im Fantasybereich empfinde ich es als ganz extrem, darüber habe ich auch schon 2 Artikel in der Mache (aber ich kann ja auch jetzt nicht nur Cover-Unfälle bloggen, daher schlummern die noch ;))

  8. ich muss dir wirklich Recht geben: gerade von den oben abgebildeten Büchern habe ich eines gelesen und so schlecht gefunden, dass ich um die anderen mit ähnlich gestalteten Covern einen großen Bogen mache. Ähnlich habe ich es auch mit den rot-schwarzen Illuminati-Verschnitten und den Wölkchen-Büchern a la Ahern gehalten.
    Was das Design ageht, so gibt es da wohl richtige Modeerscheinungen. Was mir in letzter Zeit auch im Thriller-Bereich vertärkt auffällt, sind Augen (Der Patient, Die Geduld der Spinneund Herbstjagd) und weibliche Hinterköpfe.

    (PS: Bewerbe mich hiermit förmlich um Aufnahme in den Hofstaat – zur treuen Gefolg- (äh, Leserschaft) gehöre ich schon länger, wenn auch bisher eher im Stillen ;)

  9. Gut beobachtet =)
    Vielleicht auch ein Grund, warum ich so wenige Thriller lese – irgendwann weiß man ja da gar nicht mehr, was man schon im Regal stehen hat bei all der Ähnlichkeit….

    liebe Grüße, cara

  10. Ich hab grad deine Cover-Unfälle durchgeschaut und mich sehr amüsiert. Dabei musste ich an diesen Artikel hier denken (nicht mehr ganz taufrisch, da vom April 2010):
    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0423/feuilleton/0014/index.html
    Der setzt sich genau mit dem Trend zu den immer gleichen Covern auseinander – vielleicht interessiert er dich. Spätestens der Begriff „Comantacy“ hat mich dann losprusten lassen. ;-) Und er passt auch gut zu deinen ersten Cover-Unfällen mit den Wölkchen.
    LG Neyasha

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