Der Sturm (Das Tal Season 1.3)

Puuh, wie bewerte ich dieses Buch denn nun? Der dritte Teil ist definitiv mit weitem Abstand der gruseligste der bisher erschienenen Bände, jedoch in meinen Augen absolut nicht der beste.

Es wird sehr gekonnt eine Gruselatmosphäre geschaffen. Das Setting erinnerte mich stark an Stephen Kings grandioses Shining: Ein riesiges Gebäude, konzipiert für viele Personen liegt in völliger Abgeschiedenheit einsam in den winterlichen Bergen… Am Remembrance Day im November planen die meisten Studenten ein verlängertes Wochenende und verlassen das Grace College. Auch 5 unserer Freunde wollen gemeinsam verreisen. Ein Unfall zwingt sie jedoch zur Umkehr – und das mitten im Jahrhundertsturm, der durch die Rocky Mountains fegt.
Das College ist fast völlig verlassen und düster, lediglich 2 Sicherheitsbeamte sind noch im Gebäude, von denen man aber auch nicht  recht weiß, ob man ihnen trauen kann.
Es geschehen merkwürdige Dinge, die die Studenten zunächst davon abhalten, in das Gebäude zu gelangen. Endlich in der vermeintlich sicheren Festung, spielen sich erneut unheimliche Geschehnisse ab, die wie in den vorhergehenden Bänden um die 8 Studenten kreisen, die vor vielen Jahren in den Bergen verschwanden.

Immer mehr verdichten sich die Hinweise darauf, wer diese Studenten waren und was die 8 Freunde mit ihnen zu tun haben. Leider, und das ist mein Hauptkritikpunkt, ist mir das alles zu wenig zielführend. Die einzelnen Bücher für sich sind jeweils sehr spannend, und mir ist auch bewusst, dass es sich um eine Serie handelt und somit kontinuierlich Spannung aufrecht erhalten werden muss, ohne zu viel zu verraten. Aber mir tut sich da insgesamt einfach zu wenig. Im Grunde weiß man auch nach Band 3 noch nicht wirklich mehr als nach Band 1: Es sind vor langer Zeit 8 Studenten verschwunden. 8 weitere Studenten, die derzeit am College studieren, haben irgendeine Verbindung dazu. Sie sind „nicht zufällig im Tal“, das Tal hat „Macht“ über sie. Dinge aus den vorhergehenden Bänden werden selten oder gar nicht wieder aufgegriffen, so dass man sich fragt, warum diese überhaupt erwähnt wurden. Das ist ein bisschen ärgerlich: Man wird am Ende aus der Handlung herausgerissen, es ist genau am Schluss immer irrsinnig spannend, man fiebert dem neuen Band entgegen – und der fängt einfach irgendwo anders wieder neu an. Nach diesem nunmehr 3. Teil der Serie hätte ich schon etwas mehr Zusammenhang erwartet und nicht immer nur die ewig gleichen Hinweise. Schade, denn der 2. Teil war sehr vielversprechend!

Interessant ist, dass in jedem neuen Band der Serie der Fokus auf einer der Personen liegt, man lernt diese jeweils etwas besser kennen. Im Sturm waren es gleich zwei Charaktere, denen die Autorin mehr Aufmerksamkeit gewidmet hat, nämlich Debbie und Chris. Ich fand beide gleichermaßen nervig und unsympathisch, wobei das bei Debbie zumindest durchaus beabsichtigt schien.

Das Beste an diesem Buch war für mich die gruselige Stimmung, wie oben schon angedeutet. Kuhn hat eine sehr unheimliche und klaustrophobische Atmosphäre geschaffen und hält diese konstant bis zum Schluss aufrecht – eine starke Leistung, wie ich finde! Besonderes Schmankerl: Der Erscheinungstermin wurde ganz kurz vor den Handlungszeitpunkt gelegt: Den 11. November. Das war auch tatsächlich genau der Tag, an dem ich das Buch begonnen habe. Whooooa!! Was weder Verlag, noch Autorin wissen konnten (oder etwa doch? ;)): Genau wie durch das Tal fegte auch über Deutschland zu diesem Zeitpunkt ein gewaltiges Orkantief. Die Stimmung war damit wirklich einzigartig – ich war beim Lesen mittendrin statt nur dabei! (Bei mir ging während des Lesens sogar ganz plötzlich das Licht aus, so dass ich im Stockdunkeln im Bett saß und mich kaum rühren konnte vor Angst. Grusel pur!)

Insgesamt hätte diesem eher schwächeren Teil der Serie etwas mehr Kontinuität im Hinblick auf die Gesamthandlung gut getan – in meinen Augen wurde hier zugunsten einer möglichst gruseligen Stimmung rein inhaltlich völlig auf der Stelle getreten, auch einige Längen und in meinen Augen unnötige Handlungsstränge hatte das Buch, auf die man gut hätte verzichten können.

Dennoch 4 Sterne, denn ich habe das Buch schon gern gelesen – irgendwie mag ich die Serie einfach sehr, und die Special Effekts mit dem Sturm, dem Datum und dem plötzlichen Lichtausfall waren schon klasse ;)

Krystyna Kuhn – Der Sturm (Das Tal Season 1.3)
Arena Verlag, Würzburg, Novmber 2010
ISBN 3401065319
308 Seiten
9,95 Euro

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Rezension Season 1.2 (Die Katastrophe)

5 thoughts on “Der Sturm (Das Tal Season 1.3)

    • Hmm, habs nach 90 Seiten abgebrochen und gerade bei TT eingestellt (scheinen ja gut wegzugehen, so krieg ich dann wenigstens mein bißchen Tauschguthaben verbraten). Ich fands irgendwie nicht sonderlich packend, und dann ist es mir das viele Geld nicht wert (scheinen ja doch einige Bände zu werden, und jedes Mal 10 Euro…)

      Ich fands also ganz okay, mehr aber nicht. Und mich hat genervt, dass es schlecht recherchiert schien. Kleinigkeiten, aber hat mich halt gestört. Erstmal das schlechte Englisch (dass man es überhaupt schafft, innerhalb so weniger Zeilen Englisch mehrere Fehler einzubauen, ist fast bemerkenswert ;) )
      Eine Stelle hat mich aber auch ohne schlechtes Englisch zu beinhalten besonders gestört – sie hat das College mit Dartmouth und Yale verglichen. Ich habe ja ein Jahr im Nachbarort von Hanover, wo Dartmouth ist, verbracht, insofern kenn ich mich da etwas aus ;) Und ich war auch schon im Yoho National Park, wo Grace College sein soll – und um zu sehen, dass der Vergleich hinkt, muss man nur mal auf eine Landkarte schauen. Von Hanover bist du in 2 Stunden in der Millionenstadt Boston, von ihrem College bist du in 2 Stunden in Field, BC, was ein paar Hundert Einwohner hat. Hanover und die Städtchen direkt drumherum selbst haben zusammen über 30.000 Einwohner.
      Ganz zu schweigen von Yale. New Haven und Umgebung hat über eine halbe Million Einwohner und ist damit bei weitem kein „gottverlassenes Nest“, sondern eine Großstadt, die im Einzugsgebiet von New York liegt. (Ich weiß, an der Stelle, an der das erwähnt wird, reden ja die ominösen Betreuer auf sie ein, um sie zu überzeugen, dass sie da ja gar nicht so abgeschieden ist, aber wieso sollte sie ihnen das glauben? Das ist ja nun kein geheimes Wissen, sondern etwas, das halbwegs ahnungsvolle Jugendliche dort einfach wissen…okay, sowas stört vermutlich die meisten Leser deutlich weniger, aber mir fällt einfach negativ auf, dass da mal wieder jemand gut Geld verdient mit einem Buch, sich aber nichtmal die Mühe gemacht hat, bei Wikipedia nachzulesen, ob der Quark, den sie da erzählt, überhaupt stimmt :p

      Hab gerade deine Rezension zu Band 1 gelesen, es wird ja wohl noch besser…aber angesichts meines gigantischen SUB hab ich wenig Lust, darauf zu warten. Aber wer weiß, bis es jemand anfordert, liegt es ja noch bei mir rum, vielleicht les ich doch weiter ;)

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