Gsälz auf unserer Haut

Vorweg für Nichtschwaben: Gsälz ist Marmelade! (Die spinnen, die Schwaben…) Ich hab das früher nämlich auch immer wieder vergessen und dachte natürlich, es wär was Salziges. Aber nachdem ich dieses Buch gelesen habe, kann ich es mir jetzt bestimmt besser merken. Hinter dieser wohl humorvoll  gemeinten Anspielung auf den Romanklassiker Salz auf unserer Haut von Benoîte Groult (in dem Originaltitel kommen übrigens weder Salz, noch Haut vor) verbirgt sich eine lockerflockigheitere „Die kriegen sich bestimmt noch“-Geschichte, die mit dem Titel“vorbild“ ansonsten jedoch überhaupt nichts zu tun hat.

Angesiedelt ist die Handlung im Großraum Stuttgart und auch mit erfreulich viel Lokalkolorit gewürzt. Und auch viel schwäbischer Mundart. Ob das erfreulich ist oder eher nicht, das mag jeder Leser selbst entscheiden. Nur so viel: Wenn man dem Schwäbischen gar nichts abgewinnen kann, soll man dieses Buch eventuell besser nicht lesen. Ich persönlich fand es sehr amüsant, den herzhaft schwäbelnden Ur-Schwaben zuzu“hören“ (die meisten Protagonisten reden aber Hochdeutsch, sonst müssten die meisten Leser vorher wohl einen Sprachkurs belegen). „Schwäbisch für Angefangene“ sozusagen.

Auf dem Cover stehen 2 Autoren, und diese beiden haben das Buch tatsächlich gemeinsam geschrieben, wobei Julie Leuze die Sicht des weiblichen Parts übernommen hat und Olaf Nägele den des männlichen. Die Protagonisten „Biene“ (ein Spitzname, der mich zunehmend aggressiv gemacht hat) und  Martin werden von den beiden Autoren mit liebenswerten Eigenschaften, allerdings leider auch mit allerhand Klischees ausgestattet. Das hat die Handlung leider sehr vorhersehbar gemacht, und im Grunde war ich an keiner Stelle in irgendeiner Weise überrascht davon, wie sich die Beziehung zwischen Biene und Martin entwickelte.
Zwar wird nicht an Situationskomik gespart, aber vieles war mir persönlich ein wenig zu gewollt und zu hölzern.

Einen lustigen und liebenswerten Gegenpart bildet der herzhaft schwäbelnde „Bär“, Freund von Martin und in allem das komplette Gegenteil von diesem. Mit Bär hab ich mein Schwäbisch ein wenig aufpolieren können, denn trotz inzwischen 3 Jahren hier im Ländle bin ich dieser Sprache nach wie vor nicht mächtig.

Angenehm fand ich trotz der Klischees vor allem Nebencharaktere wie zB das russische Au-Pair Mädchen Evica und die esoterisch angehauchte Susanna. Sie verleihen dem Buch so manches Mal mehr Pep als die eigentlich recht simpel gestrickte und für mich nicht sonderlich spannende „Boy meets Girl“ -Kernhandlung.

Insgesamt ein witziges und amüsantes Buch ohne großen Tiefgang, als leichte Unterhaltung für Schwabenfans sicher nicht verkehrt!

Julie Leuze, Olaf Nägele – Gsälz auf unserer Haut
Silberburg Verlag, Stuttgart, Juli 2010
ISBN 387407983X
273 Seiten
12,90 Euro

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