Des Teufels Stimme

Ein Buch, das mich sehr begeistert hat!
Schon der Klappentext hörte sich spannend an, kann jedoch nicht wiedergeben, was es mit diesem Buch auf sich hat. Ich dachte an eine „simple“ Vermisstenstory, aber damit ist es nicht getan!
Das Buch entwickelt eine gewisse Eigendynamik durch immer wieder neue Wendungen, die ich aber auch wirklich neu und überraschend fand. Es werden nach und nach Umstände vorgestellt, die die Story aus einem anderen Blickwinkel erscheinen lassen und den Leser ständig denken lassen: „Der hat doch nicht etwa…?“

Zentrale Figur ist der junge Polizist Greg Raine, der zu einem Einbruch in ein Nonnenkloster gerufen wird. Reine Routine, und beim Abgleich der Fingerabdrücke stellt sich zum Erstaunen aller heraus, dass die Abdrücke einer jungen Nonne sich mit denen der vor 21 Jahren aus der Kirche spurlos verschwundenen kleinen Anna Brennan deckt. Da die Nonne in dem Alter ist, das Anna zum jetzigen Zeitpunkt haben müsste, wird ein DNA Abgleich durchgeführt. Ihre Eltern sind der aufstrebende Politiker Adrian Brenann und seine Frau Judy. Man kann als Leser die Gefühle dieser Leute nur erahnen angesichts der Rückkehr des lange vermissten Kindes. Umso schrecklicher natürlich, als der DNA-Abgleich negativ ausfällt- und dennoch Hinweise bestehen, dass Anna sich zumindest um Umfeld der Nonnen befinden muss…

Man weiß nicht so recht, wem man glauben soll, ist aber sicher: Einer lügt hier.
Interessanter Aspekt der Geschichte ist Gregs schwierige Beziehung zu seinem Vater Frank, ein pensionierter und inzwischen schwer kranker Polizist, der seinerzeit in dem Fall der vermissten Anna Brennan ermittelt und dadurch eine persönliche Beziehung zu dem Fall aufgebaut hat.
Die Geschichte ist so konstruiert, dass man als Leser mehr und mehr den Verdacht bekommt, dass Frank Raine selbst etwas damit zu tun habe könnte, es gibt jedoch keine wirklichen Hinweise auf das eigentliche Wie und Warum.

Viele Rezensenten bemängeln die Unglaubwürdigkeit der Auflösung dieses Falles. Ich persönlich fand sie grandios, da wirklich überraschend und gut dargestellt! Ob glaubwürdig sei mal dahin gestellt, denn wenn man streng nach Logik vorgeht, wird man immer was finden, das in der Realität nicht wahrscheinlich wäre. (Dennoch kann man sich mal vor Augen führen, dass es auch in der Realität schon Vermisstenfälle wie Kampusch und Dugard gegeben hat, die im Nachhinein unglaublich erscheinen…)
Menschen handeln nicht immer streng nach bekannten und logischen Regeln, und ich fand die Geschichte und deren Ende in sich schlüssig und sauber konstruiert. Ob die Handlungen einzelner dabei glaubwürdig sind, fällt hier für mich nicht ins Gewicht, da ich keine wirklich großen Unstimmigkeiten entdeckt habe.  Gerade beim Krimi- und Thrillergenre wird ja gerne einerseits Spannung erwartet, andererseits eine hohe Glaubwürdigkeit. Das ist bestimmt nicht immer so einfach unter einen Hut zu bringen, da viele  als realistische empfundenen Szenarien einfach nicht spannend genug sind. Insofern muss man sich manchmal einfach auf etwas unkonventionelle Lösungen einlassen, und solange der Gesamtaufbau stimmt und bis zum Ende stringent erzählt wird, habe ich persönlich kein Problem mit solchen „unwahrscheinlichen“ Lösungen – im Gegenteil.

Kurz gesagt: Mich hat die Darstellung des Falles und seiner Hintergründe sehr mitgerissen und noch lange beschäftigt.  Die Personen fad ich gut herausgearbeitet, speziell die beiden Raines, die ich jeden auf ihre Weise sehr mochte.
Ich hätte gerne noch mehr von dem Autor gelesen, leider ist dieser Roman sein erster und bisher auch einziger geblieben.

John Misto – Des Teufels Stimme
588 Seiten
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN: 3596177146
8,95 Euro

4 thoughts on “Des Teufels Stimme

  1. Uhi, das hört sich sehr gut und nach einem Buch auch für mich an! :o)
    Danke für die Vorstellung, hab´s mir direkt bestellt!
    Liebe Grüße
    Melanie

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