Gastrezension: Der Prinzessinnenmörder

Tatort: Spitzingsee
Einwohner: 200
Bundesland: Bayern

Autorin: Andreas Föhr
Ermittler: Kommissar Wallner, Polizeiobermeister Kreuthner

Diese Gastrezensenion wurde verfasst von: Katha

Polizeiobermeister Kreuthner hat seinen Abend mit Freunden in einer Bar verbracht. Sie tranken und schwätzten viel, bis sie um vier Uhr nachts von der Bedienung vor die Tür gesetzt wurden. Kreuthner beschloss danach spontan zum Spitzingsee zu fahren und sich dort etwas umzusehen, denn demnächst soll da das Eisstockschießen der Oberlandpolizisten stattfinden. Gedacht, getan. Ausgerüstet mit einer Schaufel, die er immer dabei hat, stapft er durch den Schnee. Am See angekommen macht er allerdings eine grausige Entdeckung: In dem gefrorenen See schwimmt die Leiche eines jungen Mädchens in einem Brokatkleid. Kreuthner informiert sofort die Polizei und Feuerwehr, die das tote Mädchen aus dem Eis befreien. Doch zurück bleiben nur Fragen, wer ist dieses Mädchen? Warum trägt sie ein Prinzessinnenkleid? Und was bedeutet die Plakette, die unter ihrer Zunge gefunden wird?
Kurze Zeit später wird die nächste Mädchenleiche gefunden – und zwar direkt vor den Augen des Kommissars Wallner und die Fragen um den Fall werden immer mehr…

In “Der Prinzessinnenmörder” gibt es neben der Krimihandlung noch einen zweiten Handlungsstrang, der scheinbar Jahre vor den Mädchenleichen spielt. Dort geht lediglich ein Vater mit seiner Tochter Skifahren, doch leider gibt es dann einen schrecklichen Unfall… Auf diese Handlung gibt es keinen Hinweis auf dem Klappentext, sodass ich anfangs etwas verwundert war und mich fragte, was das denn soll. Erst im Laufe des Buches hat sich das dann geklärt, was mir insgesamt sehr gut gefällt, denn auch dadurch wird die Spannung im Buch immer aufrechterhalten.

“Der Prinzessinnenmörder” ist der Debütroman von Andreas Föhr, was man ihm leider anmerkt. Andreas Föhr hatte bisher nur Drehbücher geschrieben, u.a. für “Ein Fall für Zwei” oder “Der Bulle von Tölz”. Die Krimihandlung hat mir gut gefallen. Den Täter kann man zwar nach recht kurzer Zeit entdecken, was mich aber nicht sehr störte, da mich nicht nur interessiert, wer der Täter ist, sondern auch wie es die Polizei schafft, ihn zu kriegen und was sein Motiv ist.
Besonders am Anfang hatte ich ein paar Probleme in die Geschichte hineinzukommen, da Föhr oft auf richtige Dialoge, die die Geschichte etwas auflockern verzichtet. Dafür muss man dann seitenweise indirekte Rede lesen, was mir nicht gefallen hat und ich dadurch so genervt war, dass ich das Buch am liebsten zur Seite gelegt hätte. Zum Glück habe ich mich im Laufe des Krimis an diese Art gewöhnt, auch wenn ich nach wie vor nicht sonderlich glücklich damit bin.
Ein weiteres Problem waren die Figuren. Laut Klappentext habe ich einen “ewig grantelnden Polizeiobermeister Kreuthner” erwartet, den ich aber nicht bekommen habe. Überhaupt frage ich mich, warum Kreuthner so explizit erwähnt wird, denn im Buch hat er keine allzu große Rolle, hauptsächlich an zwei oder drei Stellen ist er wichtig, was mir aber etwas zu wenig war. Seine Person hätte man ruhig etwas mehr ausbauen können, zumal er bei seinen Kollegen recht „bekannt“ zu sein scheint.
Kommissar Wallner hingegen ist die Person, die die meiste Arbeit mit dem Fall hat. Er war mir zwar nicht sonderlich sympathisch, aber mit ihm als Kommissar konnte ich trotzdem gut leben. Anders als mit seinem Großvater, mit dem Wallner nämlich zusammen wohnt. Die Szenen mit ihm und Wallner hätte ich am liebsten überlesen, denn auf einen 78jährigen Mann, der ständig jeder Frau hinterher schaut und sexuelle Andeutungen macht, kann ich in einem Krimi sehr gerne verzichten.
Ein wenig komisch fand ich auch, dass nur Wallner und Kreuthner immer mit den Nachnamen angesprochen werden, während man von den anderen Personen im Ermittlungsteam nur die Vornamen erfährt.

“Der Prinzessinnenmörder” spielt im Süden Bayerns. Leider, war ich dort bisher noch nicht, aber Krimis, die dort, in der Nähe der Alpen spielen, reizen mich immer sehr. Und so wurde ich auch hier nicht enttäuscht. Die Namen der Menschen klangen für mich passend, ebenso wie die Beschreibungen der Orte und der Natur. Besonders haben mir die Dialoge gefallen, die nämlich  teilweise auf bayrisch geschrieben wurden. Zwar musste ich manche Stellen deshalb auch zweimal lesen um sie richtig zu verstehen, aber dafür habe ich mich während des Lesens gefühlt, als säße ich wirklich gerade im verschneiten Bayen.
Zur Auflösung des Falles will ich nicht viel verraten, nur soviel, dass sie mir sehr gefallen hat. Ich empfinde sie als realistisch und nachvollziehbar und sie hat den Krimi bei mir insgeheim noch etwas aufgewertet.

Alles in allem ist “Der Prinzessinnenmörder” ein spannender Krimi, der allerdings mehrere Makel hat und mich daher nicht völlig zufriedenstellen konnte. Dennoch habe ich mich gut unterhalten gefühlt und ich bin gespannt, auf seinen zweiten Roman “Schafkopf”, der hoffentlich etwas ausgereifter ist.

Anmerkung: Diese Rezension gibt nicht die Meinung der Blogautorin von „Bibliomanie“ wieder, sondern wurde von einem Gastrezensenten verfasst und auf diesem Blog veröffentlicht.

Andreas Föhr – Der Prinzessinnenmörder
377 Seiten
Droemer Knaur Verlag
ISBN: 342666397X
12,95 Euro

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