Sommernachtsschrei

Ich lese gerne Krimis. Und ab und an lese ich auch gern gute „intelligente“ Jugendbücher. So würde ich mit diesem Buch nicht viel falsch machen können, dachte ich.
Der Klappentext:

„Franziska kehrt an den Ort zurück, an dem das unfassbar Schreckliche geschehen ist. Vor einem Jahr hat sie während der Sommerparty am See ihren Freund umgebracht. Aber die entscheidenden Minuten sind in ihrer Erinnerung wie ausgelöscht. Warum nur ist dieser furchtbare Unfall passiert? Als Franziska Licht in das Dunkel bringen will, steht plötzlich ihr eigenes Leben auf dem Spiel.“

Es geht nicht wirklich darum, sich zu erinnern, WARUM Franziska ihren Freund erschlagen hat. Sondern es geht darum, zu beweisen, dass sie es NICHT war. Und das hat mich gestört, da „Ziska“ selbst immerzu betont, dass sie ja nun mal eine Mörderin sei. Auch wenn sie sich nicht daran erinnern kann und es auch ganz bestimmt keinen Grund gab, Maurice zu töten. Aber sie wurde ja neben seiner Leiche gefunden und hat sogar selbst gesagt, sie habe ihn erschlagen! Sie ist eben eine Mörderin… *blabla* und muss sich einfach nur erinnern, was genau warum passiert ist, damit sie diese fehlenden 5 Minuten in ihrer Erinnerung zurückbekommt.

Und derweil geht die Geschichte von ganz alleine ihren ganz eigenen Gang. Abgesehen davon, dass mich Ziskas Selbstmitleid enorm gestört hat, fad ich das Buch langweilig erzählt und inhaltlich nicht spannend. Alles zielt von Anfang an darauf ab, dass irgendwer anders Maurice umgebracht haben muss, und Ziska nur zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort war. Was an sich völlig in Ordnung wäre, wenn nicht von Anfang an völlig klar gewesen wäre, wer der wahre Täter ist und warum. Offen wie ein Scheunentor rennt einem die Lösung quasi direkt in die Arme, obwohl Martini redlich versucht, einem auch andere potenzielle Täter schmackhaft zu machen. Ich denke, dass eigentlich auch für „ungeübte“ Krimileser nicht zu übersehen sein sollte, wer hier einen Grund hatte, Maurice eins überzubraten…

Insgesamt fand ich dieses Buch leider sehr mau. Nicht spannend, nicht besonders interessant geschrieben. Die Figuren waren gut gezeichnet, wobei sich allerdings leider auch tief aus der Klischeekiste bedient wurde.

Manuela Martini – Sommernachtsschrei
261 Seiten
Arena Verlag,  Januar 2010
ISBN: 3401064185
9,95 Euro

6 thoughts on “Sommernachtsschrei

  1. Da wäre mir ja schon allein der Name „Ziska“ ab der dritten Erwähnung tierisch auf die Nerven gegangen ;-)

    • das ging mir schon beim ersten lesen total gegen den strich. das ist so mit der brechstange „cool“ sein wollen … nicht schön.

      • Hast dus denn 2x gelesen? (Oder bezieht sich das auf die Erwähnung des Namens „Ziska“ hier in der Rezension?)

        Ich fand das ganze Buch aber tatsächlich so schrecklich auf cool getrimmt. Man kann doch auch Jugendbücher schreiben, in denen normal geredet wird (siehe Isabel Abedi zB). Irgendwie werden da Probleme erfuden, die nicht existieren, um das Ganze möglichst lässig rüberzubringen.Und dann dieser wirklich schwer vorhersehbare Handlungsverlauf… Also da gibts auch bessere Jugendkrimis!

        • nein, ich meinte das hier in der rezension. – ich hab „ziska“ gelesen, und mit den augen gerollt. ;)

          wobei mich die vorhersehbare auflösung ja schon interessieren würde. – in solchen fällen find ich es immer ganz interessant, mitzuverfolgen, auf welche falschen fährten ich denn so gelockt werden soll.

          • Dann lies es doch mal! ;) Geht ja schnell.
            Sowas ist ja auch immer sehr subjektiv, und manchmal wenn ich bei Rezensionen lese, dass das Ende ja soooo vorhersehbar gewesen ist, denke ich nur: „Ach echt?“, weil ich eigentlich sehr überrascht war. Aber bei diesem Buch habe ich mich echt gefragt, wie man das ernsthaft spannend finden und nicht wissen oder doch zumindest ahnen kann, wie der Hase läuft. Ich fand es total platt und offenichtlich, vor allem weil ein Jahr NACH der Tat (das Buch hat viele Rückblicke) plötzlich ganz viele Ungereimtheiten bemerkt werden in „Zikas“ und Maurice‘ Umfeld, damals aber anscheinend absolut feststand, dass sie ihn erschlagen hatte. Man konnte ihr es nur nicht nachweisen, weswegen es zu keinem Prozess kam.

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