Trigger

Alta… Meine Güte, das war wirklich mal wieder ein ordentlicher Griff ins Klo. Was für ein schlechtes Buch! (Der political correctness halber: „in meinen Augen!“) Vor allem gemessen an meiner Erwartungshaltung. Wann hören Verlage endlich auf, zitierte Lobhudeleien der Testleser auf Buchcover zu drucken?? Über Trigger sagte ein mir nicht näher bekannter Thomas Thiemeyer: „Als hätte David Lynch ein Buch von Stephen King verfilmt.“

Altaaaa!! David Lynch ist Gott! Und hat nichts, wirklich gar nichts mit diesem Buch zu tun.
Den Einstieg fand ich unglaublich langweilig und langatmig. Als hätte der Autor sich erstmal 100 Seiten warmschreiben müssen. Die Protagonistin Dr. Ellen Roth betritt die Bildfläche und ist mir vom ersten Augenblick an unsympathisch. Obwohl sich Dorn offenbar Mühe gegeben hat, fand ich die Figur, der man wohl Mitgefühl entgegenbringen sollte und die als Gejagte dargestellt wird, nervig bis zum Anschlag, weil sie sich – entschuldigung! – einfach nur dämlich verhält und treffsicher in jede Falle latscht, die sich ihr bietet.

Auch die übrigen Figuren sind mir fremd und eher unsympathisch geblieben, was zu einem großen Teil daran lag, dass sie nicht glaubwürdig auftreten und so reden, wie normalerweise keiner reden würde. Dorns Schreibstil empfand ich über weite Strecken als sehr gekünstelt, gezwungen und unbeholfen. Wo Andreas Eschbach (ebenfalls ein Coverzitat!) da einen „geborenen Erzähler“ entdeckt haben will, blieb mir schleierhaft.
Zugute halten muss man Dorn immerhin, dass er sich auf eine gewisse Dramaturgie versteht und Spannung häufig durch gekonnte Überrschungsmomente und anschließenden harten „Schnitt“ aufbaut. Das hat leider nichts an der für mich sehr durchschaubaren Handlung geändert. Ich habe schon sehr früh etwas geahnt und war mir etwa ab Seite 100 absolut sicher, was es mit der Story um die bedrohte Patientin und den Schwarzen Mann auf sich hat – und ich lag damit sogar richtig.

Das alles wäre noch einigermaßen erträglich gewesen. Doch Dorn ist sich leider auch für keinen billigen Schockeffekt und kein Klischee zu schade! Die „Abgründe der psychischen Seele“ hätte man deutlich subtiler und auch spannender darstellen können unter Verzicht auf ausufernde Beschreibungen von Elektroschockbehandlungen, ermordeten Haustieren oder diversen Gewaltszenen. So bekam die an sich interessante – wenn auch nicht gerade neue – Grundidee einen schalen Beigeschmack, und es wurde viel verschenkt. Das gab dick Punktabzug bei mir, denn sowas ist kein Psychothriller, sondern eher schon  ein billiger Horrorschocker! Hätte ich das gewusst, hätte ich das Buch nicht lesen wollen! Auch gab es für meinen Geschmack etwas zu viele glückliche Zufälle, das Buch ist insgesamt einfach nicht glaubwürdig und wirkt zu konstruiert.

Zum Schluss wurde es dann völlig wirr durch immer weitere hastig eingeworfene Handlungsstränge, Rückblicke und Lösungsvorschläge für einen „Fall“, der eigentlich längst klar war – das machte einfach überhaupt keinen Spaß mehr. Die letzten 70-80 Seiten wirkten auf mich, als sollte die Geschichte krampfhaft in die Länge gezogen werden und uuuunbedingt ein total überraschender Schluss kommen (nur wie gesagt: man ahnt eigentlich schon recht früh, was Sache ist). Das Ganze hätte man als Epilog auch in 10 Seiten abhandeln können, wirkte in der vorliegenden Form auf mich aber wie billige Effekthascherei.

Wulf Dorn – Trigger
432 Seiten
Heyne Verlag, Oktober 2009
ISBN: 3453434021
9,95 Euro

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16 Kommentare zu “Trigger

  1. Der Thiemeyer hat „Die Stadt der Regenfresser“ geschrieben. Das Lieblingsbuch einer Freundin. Nur so nebenbei als Info xD

    Schade, dass du es so mies fandest. Ich habe es ja selbst nicht gelesen, aber höre von allen Seiten wie dufte es sein soll.
    Ich freu mich, dass du dich „traust“ eine schlechte Bewertung zu vergeben, seh ich selten in Buchblogs.

    • Ja, das hab ich ja auch gedacht, dass es so toll wäre. Das wird ja fast überall so gelobt! Ich fand es wirklich schlecht. Schlecht geschrieben, schlecht konstruiert. Da waren so viele Ungereimtheiten drin, auf die ich hier gar nicht eingegangen bin… hat mich wirklich enttäuscht (vor allem weil die Grundidee eigentlich eine gute ist!)

  2. Hallo MAren!

    Shakehand! Da sind wir gleicher Meinung. Ich fand das Buch auch nicht den Hit.
    Wie ich in meiner Endmeinung (http://silkest.twoday.net/stories/6070831/) schreibe, fährt er mir zu sehr die Schiene von Sebastian Fitzek.
    Ihn will ich dafür nicht verurteilen, aber manche Sachen sind mir einfach echt zu abgedreht.

    Gruß SilkeS.

    • Ja, die Fitzek-Schiene fand ich auch etwas ZU heftig. (Er selber lobt das Buch ja auch noch!!) Mich hat es stark an Die Therapie erinnert. Vllt lags daran, dass ich dieses Buch schon kannte, vllt wars auch wirklich einfach alles zu offensichtlich, aber ich hab schon früh geahnt, was es mit der Patientin auf sich hat. All diese „Zufälle“ und dass niemand außer Ellen etwas über die Frau wusste – das war mir zu unspannend. Fitzek ist auch nicht immer der Glaubwürdigste (in diesem Punkt fand ich den Splitter ja ganz übel), aber der Trigger war mir da enfach too much.

  3. Geschmack ist immer relativ. Von daher muss ich sagen, wenn dir ein Buch nicht gefällt, dann wird wirklich alles, aber auch alles mies und schlecht geredet. Das find ich total übertrieben.
    Ich kenne das Buch nicht, aber das ist mir bei dir schon öfters aufgefallen…

    • Es wird nichts schlechtgeredet. Aber wenn mir tatsächlich gar nichts an einem Buch gefallen hat, dann schreibe ich das auch in meinen Rezensionen. Ohne Übertreibung, sondern so, wie ich es empfunden habe beim Lesen. Warum sollte ich was schönreden, was ich nicht mag?
      Wenn mir jedoch manches auch gefiel, dann bekommt das Buch 2 oder 3 Sterne, und das Positive wird dann auch erwähnt.

      Ich habe auch bei diesem Buch erwähnt, was ich als positiv empfunden habe. Das scheint dir jedoch nicht aufgefallen zu sein.

  4. Thomas Thiemeyer hat unter anderem auch „Magma“ geschrieben. Eines der beklopptesten Bücher aller Zeiten. Total objektiv betrachtet:-) Wenn der was empfiehlt, wäre ich SEHR vorsichtig….

  5. Hätteste mich gefragt…..:-)ich habe das Buch im Urlaub gelesen und danach weitergeschenkt- und hatte echt ein schlechtes Gewissen dabei, habe das Mädel auch gewarnt, aber sie wollte deutsch lernen…
    Ich werd jetzt etwas Fitzek lesen gehen….

  6. Du bist jetzt bereits die 3., die das Buch schlecht findet. Ich habs direkt mal von der Wishlist geworfen, interessiert mich nicht. Dann les ich lieber einen Fitzek, die hab ich nämlich noch nicht alle durch.

  7. Hatte das Buch vor ein paar Tagen noch im Buchladen in der Hand und hätte es mir fast für eine lange Zugfahrt gekauft. Also scheinbar gut, dass ich mich nochmal umentschieden hab…

  8. Ich bin definitiv kein Thrillerleser und lese deswegen auch selten Rezensionen zu Thrillern, aber ich mag die Art, wie du dieses Buch rezensiert hast und deswegen habe ich auch einfach weitergelesen, obwohl es sich um eine Thrillerbewertung handelte. ;)

    Schöner Blog, weiter so!

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