Das Spiel (Das Tal Season 1.1)

Wie schon mal berichtet, war ich bereits vor Monaten auf diese neue Jugend-Serie des Arena Verlages aufmerksam geworden und dann auch bald nach dem Erscheinen des Buches losgelegt mit Lesen. Mein Dank nochmal an den Verlag für die freundliche Zusendung eines Rezensionsexemplares!

Die dem Buch zugrunde liegende Idee hat mich direkt angesprochen und neugierig gemacht: Ein fernab der Zivilisation gelegenes College in den kanadischen Rocky Mountains. Ein Tal, in dem mysteriöse Dinge vor sich gehen – ein Ort, der als „böse“ beschrieben wird. Dazu 8 Jugendliche im Zentrum des Geschehens, die jeweils von jeder Menge Geheimnisse umgeben sind. Das Setting erinnert auf den ersten Blick entfernt an das von mir sehr geschätzte Isola von Isabel Abedi, ist aber letztlich überhaupt nicht damit zu vergleichen, da im Tal der mystische Aspekt stark überwiegt.

Ich sage es ganz ehrlich: Am Anfang hat mich das Buch leider nicht vom Hocker gerissen. Mir fehlte ein wenig der rote Faden, und ich fand die Andeutungen über mysteriöse Geschehnisse und ein wie auch immer geartetes Geheimnis in der Vergangenheit der beiden Protagonisten Julia und Robert Frost ein bisschen anstrengend und unergiebig. Auch die Vorstellung der einzelnen Charaktere, und es handelt sich hier immerhin um 8 Personen, die mehr oder weniger im Zentrum der Geschehnisse stehen, fand ich zu langatmig und gleichzeitig wenig aussagekräftig. Das spielt sich im Verlauf des Buches allerdings noch gut ein, so dass mir ab dem letzten Drittel die Personen doch noch greifbarer erschienen und lebendig wurden. Ich persönlich finde 8 Hauptpersonen auch etwas viel, aber da es sich um eine offenbar groß angelegte Serie handelt, könnte sich das später noch als durchaus sinnvoll erweisen!
Spannung wollte sich anfangs nicht so recht einstellen bei mir. Ich hatte den Eindruck, Kuhn musste sich in der ersten Hälfte des Buches erst noch warm schreiben und hat viel Zeit vertrödelt mit Beschreibungen von Collegeparties und wenig zielführender „Geheimniskrämerei“. Das ist schade, denn diese ersten etwas unbeholfen wirkenden zwei Buchdrittel passen nicht recht zu dem Rest des Buches.

Denn ab dem Zeitpunkt, wo nicht nur immer Geheimnis und Mysterium nur angedeutet werden, sondern tatsächlich mal greifbar aufgedeckt wird, wo etwas „faul“ ist und man als Leser mitdenken, ja mit“arbeiten“ kann, entwickelt die Geschichte eine gewisse Dynamik. Beim Lesen bin ich regelrecht aufgeschreckt – oha! Jetzt gehts los!! Das war etwa ab dem letzten Buchdrittel der Fall. Und ab diesem Punkt war die Spannung wirklich zum Zerreißen und konnte konstant bis zum Ende aufrecht erhalten werden.
Die ständig präsenten Fragen, die dieses Buch dem Leser stellt: Was hat es mit dem Tal und dem darin gelegenen renommierten Grace College auf sich? Warum hat man gerade hier eine Eliteschule gebaut? Welches Geheimnis birgt das Tal, und was ist hier in der Vergangenheit passiert? Denn irgendetwas Grauenhaftes muss passiert sein, wie mehrfach angedeutet wird. Und wer sind eigentlich seine Bewohner bzw Studenten? Woher kommen sie, welche dunklen Flecke gibt es in ihrer Vergangenheit? Warum hat man stets das Gefühl, dass man hier beobachtet wird, wem kann man überhaupt trauen? Und warum wird man den Verdacht nicht los, dass das Tal selbst Dreh- und Angelpunkt für all diese Fragen ist und niemand nur zufällig hier ist?

Da es sich um eine mehrbändige Serie handelt (3 weitere sind bereits angekündigt, ich vermute aber dass es noch mehr geben wird, da das Band 1-4 als „Season 1“ betitelt sind), ist das Ende des vorliegenden ersten Bandes natürlich eher offen gehalten. Es bleiben viele Fragen, insbesondere das Geheimnis von Julia und Robert betreffend: Wer sind sie wirklich? Was ist geschehen? Und warum?
„Das Spiel“ ist eine gelungene Mischung aus Mystery und Thriller, wobei die Mystery-Elemente deutlich überwiegen. Kuhn hat sich in einem Interview dazu bekannt, dass sie von der beliebten TV-Serie Lost inspiriert wurde (daher eventuell auch die durchaus Originelle Anspielung des eher aus dem Fernsehbereich bekannten „Season 1“ ?). Auch hier macht die Kombination aus unheimlichen Vorgängen und einer isolierten Gruppe von Menschen fernab der Zivilisation einen großen Teil des Reizes aus. Ich bin sehr gespannt, wie Kuhn dies im weiteren Verlauf der Serie umgesetzt hat und kann das Erscheinen des zweiten Bandes (Die Katastrophe, August 2010) kaum erwarten! Ich bin überzeugt, dass ohne das etwas langatmige Vorgeplänkel dieses ersten Bandes die Geschichte als Gesamtheit über mehrere Bände hinweg einen unglaublichen Sog und eine enormes Suchtpotenzial entwickeln kann.

Von mir für diesen Band „nur“ 4 Sterne, da ich den Einstieg einfach zu langweilig fand. Im Hinblick darauf, dass es sich um eine längere Serie handelt, ist dies aber zu verschmerzen.

Interessante Links:
Buchwebsite mit Videotrailer und Leseproben
Grace College
Arena Forum

Krystyna Kuhn – Das Spiel (Das Tal Season 1.1)
Arena Verlag, Würzburg, Mai 2010
ISBN 340106472X
298 Seiten
9,95 Euro
Rezension Season 1.2 (Die Katastrophe)
Rezension Season 1.3 (Der Sturm)

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10 Kommentare zu “Das Spiel (Das Tal Season 1.1)

  1. Pingback: libromanie » Blog Archive » [Ich lese] »Das Spiel (Das Tal. Season 1.1)« von Krystyna Kuhn

  2. Ich muss mal ganz blöde was fragen und brauch jemanden, der das Buch gelesen hat. Ich bn _ständig_ darüber gestolpert, dass der Direktor „der Dean“ genannt wurde. Hab ich irgendwo am Anfang den Witz verpasst? Zuerst dachte ich ja, es wäre ein Tippfehler.

        • Kommt vor! *gg*

          Ich fand die ganzen englischen Ausdrücke in dem Buch auch ziemlich doof, ehrlich gesagt. Ich meine, ok – es spielt in Kanada und da reden sie Englisch. Aber das Buch ist ja dennoch auf Deutsch geschrieben, und da hätte man meiner Meinung nach auch einfach Direktor/Direx/Dekan sagen können als „Dean“. Sieht man ja, wohin das führt, denn du bist garantiert nicht die einzige, die darüber egstolpert ist!

  3. Hallo!

    Eine sehr ausführliche Besprechung, die kaum Fragen offen läßt.
    Ich stehe dem Buch nach wie vor etwas skeptisch gegenüber, denn gerade die Erwähung der Folgen LOST, lassen mich zögern.
    Ich kann damit ja so garnichts anfangen. Mystey und Thriller sind jeddoch wieder Stichworte auf die ich ja nur alzu gerne anspringe.

    Kossi hat ja auch auf eine sehr begeisterte Videorezension neugierig gemacht, aber ihr Geschmack deckt sich selten 100% mit meinem

    Na mal abwarten. Ich werde mal schauen wenn ich das Buch mal in Händen halte, wie mir der Anfang gefällt.

    Gruß SilkeS.

    • Aber wenn du Mystery magst, warum gefällt dir dann Lost nicht?

      Man kann das Buch nicht wirklich mit der Serie vergleichen. Wie ich schon geschrieben habe: Die Grundidee ist die gleiche, aber das wars auch. Unerklärliche Dinge, Abgeschiedenheit, relative Isolation. Das sind so die gemeinsamen Nenner, ich fands sehr spannend.

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