Elchtest: Ein Jahr in Bullerbü

Ein lustiges Buch! Aber auch ein warmherziges, ein bisschen nachdenklich machendes und vor allem ein mit ganz offensichtlich viel Herzblut und kenntnisreich geschriebenes.
Ich war noch nie in Schweden, aber nach diesem Buch würde ich das gerne irgendwann einmal ändern!

Gunnar Herrmann ist in Deutschland mit einem deutschen Vater und einer schwedischen Mutter aufgewachsen, hat 1 Jahr in Schweden studiert und ist seit 2006 Skandinavien-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Stockholm. Von seiner Anfangszeit in dieser Tätigkeit berichtet er in dem vorliegenden Buch und räumt dabei augenzwinkernd mit dem gängigen „Bullerbü“-Klischee auf, das wohl die meisten Schwedentouristen vor Augen  haben – so auch Herrmann selbst und seine Frau.
Ich fand es interessant, Dinge aus dem ganz normalen schwedischen Alltag zu erfahren. Wusstet Ihr zB, dass man in Schweden in vielen öffentlichen Gebäuden Plastiktüten zum Überstreifen über die Schuhe bekommt, damit man keinen Dreck reinschleppt?? Hättet Ihr gedacht, dass die Mühlen der schwedischen Bürokratie teilweise NOCH langsamer mahlen als die Deutschen? (Das macht Mut…) Wusstet Ihr, dass Schwedisch so eine Art Englisch des Nordens ist, das in allen skandinavischen Ländern gesprochen wird bzw an den Schulen als wichtige Fremdsprache gelehrt wird?

All solche Kleinigkeiten sind es (und natürlich noch viele mehr, die ich aber nicht alle aufzählen kann und möchte) sind es, die dazu beitragen, dass man sich doch ein recht rundes Bild von Schweden, den Schweden und deren Mentalität machen kann. Man erfährt generell viel über Land und Leute, Sitten und Gebräuche.
„Das meiste in diesem Buch ist wahr“ – doch wurden einige Geschichten und Personen „dramaturgisch verdichtet und zugespitzt“. Dies führt dazu, dass es nicht nur flüssig zu lesen, sondern stellenweise auch wirklich lustig und sehr zum Lachen ist.

Mir hats Spaß gemacht – schade dass es nur knappe 360 Seiten hat.

Gunnar Herrmann – Elchtest: Ein Jahr in Bullerbü
Ullstein Taschenbuch, März 2010
ISBN 3548281427
361 Seiten (wie kommen die bei Amazon bloß auf 256?!)
8,95 Euro

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6 Kommentare zu “Elchtest: Ein Jahr in Bullerbü

  1. Pingback: Monatsliste April 2010 « Bibliomanie

  2. Ich bin eigentlich inzwischen skeptisch bei den ganzen Döner-/Pizza-/Krauts-Büchern, aber das klingt sehr nett. Blöd, dass ichs letzte Woche auf dem Flohmarkt hab liegen lassen, bei 33 neuen Büchern im April hätte das den Speck auch nicht mehr fett gemacht! ;)

    Als ich übrigens vor ein paar Jahren mal in Südschweden war, war ich total überrascht, dass es da wirklich aussieht wie in den Lindgren-Verfilmungen, mit denen ich groß geworden bin. Es wimmelt nur so vor roten kleinen Holzhäuschen, die (mehr oder weniger) allein auf weiter Flur stehen.

    • Ich LIEBE die Dönerpizzakrautbücher!! Obwohls da auch sehr viele schlechte darunter gibt, die Frankreichbücher von diesem Stephen Dingsbums sind zB unterirdisch mies.
      Ansonsten bin ich da aber sehr aufgeschlossen, ich lese generell gern solche „Ich erzähl jetzt einfach mal, was ich so mache“ Bücher.

  3. Das Buch fand ich auch herrlich :]
    Kulturclash-Literatur nenne ich diese Sparte.
    Roger Boyes schreibt toll, Asl Sevindim ebenso aber Jan Weiler fand ich doch ziemlich fad.
    Liebe Grüße

    • Bei mir ist es genau umgekehrt. Roger Byes fand ich so dermaßen peplos und langweilig, außerdem wollte der ja eh nur seine persönliche Message loswerden. Jan Weiler hingegen schriebt witzig, warmherzig und hintergründig.
      Sehr gut fand ich außerdem Iris Alanyali. Derzeit liegt noch Ich trink Ouzo, was trinkst du so? auf meinem Tisch. Total passend zur aktuellen Griechenlandkrise ;)

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