Saphirblau

Im August letzten Jahres bin ich nach langem Ignorieren völlig überraschend zum Lesen von Rubinrot gekommen, dem Vorgänggerroman von Saphirblau. Ich war so begeistert von dem Buch, dass mir die 5 Monate Wartezeit bis zum Erscheinen des 2. Bandes dieser Trilogie zuerst eeewig vorkam. Dann ging es aber doch ganz schnell, und seit dem 7. Januar lag das Buch auf meinem Nachttisch.

Und ich wurde nicht enttäuscht! Gewohnt salopp, aber spannend und mit viel Phantasie und Liebe zum Detail erzählt Kerstin Gier von Gideons und Gwendolyns weiteren Abenteuern auf ihren Zeitreisen, man erfährt Neues über die Geheimnisse und die Vergangenheit der Zeitreseifamilien De Villiers und Montrose. Und auch die Liebe (die Lieehiebe, die Liiiiiiieeeehieeeebeee!) kommt nicht zu kurz.
Man erfährt endlich mehr über vieles, was im ersten Teil so unergiebig nur angerissen wurde, jedoch bleibt alles letztlich im Unklaren. Mir persönlich teilweise ZU sehr angerissen und ZU sehr unklar. Ich muss gaz ehlrich sagen, dass ich vieles vo diesem ganzen Wächter-Chronographen-Zeitreise-Brimborium einfach nich kapiert habe, da mir irgendwann der Kopf rauchte von so vielen Namen, Orten und Zusammenhängen. Zwar gibt es am Ende des Buches wieder ein Personenverzeichnis und auch die in den Kapiteln eingestreuten Skizzen und Tabellen verdeutlichen so manches. Dennoch manchmal kein einfaches Buch, ich fand es stellenweise sehr kompliziert.

Was mich auch etwas gestört hat war, dass die Zeitreisen immer nur sehr kurz sind, aber trotzdem jede von ihnen ohne Auslassung beschrieben wird. Das wirkt sehr hektisch. Selbst über das nur kurze „Elapsieren“ in der Vergangenheit wird Wort für Wort Bericht erstattet.  Zwar erfährt man als Leser genau dann oft wichtige Dinge, aber das hätte man für meinen Geschmack etwas straffen und dem Leser auch mal eine kleine Atempause gönnen können. Statt dessen hätte ich Gwendolyn und Gideon auch lieber etwas länger in der Vergangenheit auf Abenteuern begleitet, das ewige Hin- und Herspringen fand ich etwas anstrengend. Ich habe trotz der leicht verständlichen Sprache nicht wirklich alle Zusammenhänge durchschaut und fand das Lesen deswegen manchmal auch etwas anstrengend und unergiebig. So weiß ich zB bis heute nicht, ob dieser Graf Dingsbums, der Urahne aller Zeitreisenden, nun eigentlich gut oder böse ist. Keine Ahnung, ob das an mir liegt oder ob das so sein soll, aber dieses ewige Andeuten und Mal-so-mal-so fand ich oft reichlich verwirrend.
Wenn ich zB daran danke, wie komplex, ausgefeilt und dennoch spannend, verständlich und niemals ausufernd Michael Endes „Unendliche Geschichte“ ist, dann finde ich im Vergleich dazu die Rubinrot-Trilogie zu lasch und zu sehr auf Nebensächlichkeiten fokussiert. Fraglich ist, ob gerade diese „Nebensächlichkeiten“ einen großen Teil des Reizes dieser Serie ausmachen.

Dennoch macht es auch wegen des flüssigen Schreibstils großen Spaß, das Buch zu lesen, die Charaktere sind alle liebevoll gezeichnet, und die rasanten und von viel Wortwitz begleiteten Dialoge lesen sich nur so weg. Fest in mein Herz geschlossen habe ich Gwendolyns neuen Freund „Xemerius“, einen kleinen Wasserspeier“dämon“, der nur von ihr wahrgenommen werden kann und durch seine vorwitzige und manchmal anrührende Art mich vom ersten Augenblick an unmittelbar begeistert hat!
Bis auf das, was sich zwischen den beiden Protagonisten entspinnt, fand ich es auch sehr spannend und unvorhersehbar. Ich bin gespannt, wie sich nun letztlich alles fügen und wie sich die Rätsel auflösen werden, die Kerstin Gier sich für den leider erst im September (!) erscheinenden dritten Band ausgedacht hat. Das Ende des zweiten Bandes war für mich eben so „fies“ wie das beim ersten, weil einfach an der allerspannendsten Stelle einfach abgebrochen wird. Ein weiterer Punkt, der mich stört. Aus Verlagssicht ist verständlich, dass der Leser neugierig auf den folgenden Teil werden soll. Aber ich finde es nciht schön, wenn das Ende gar kein Ende ist sondern mehr ein Abbruch des Buches. Das ist ein bisschen unrund und hat mich auch beim 1. Teil schon sehr gestört. Ein klein wenig abgeschlossener hätten die Einzelbände ruhig sein sollen.
Ich freue mich schon auf Smaragdgrün, gleichzeitig bin ich auch ein wenig traurig, weil die Serie dann ja vorbei ist.

Insgesamt ein sehr sehr tolles Buch wie sein Vorgänger schon, für mich aber einfach nicht optimal konzipiert bzw schlecht auf drei Bände verteilt.

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5 Kommentare zu “Saphirblau

  1. Ich hab schon auf deine Meinung gewartet. ;) Stimmt im Übrigen in sehr vielen Punkten mit meiner überein.
    Was die Verteilung der Geschichte auf die 3 Bücher angeht… Ja, da hast du nicht Unrecht. Die Erwartungen an den Abschluss sind wirklich sehr hoch, denn da muss im letzten Drittel dann so einiges aufgeklärt werden. Im 2. Teil wurden ja doch eher Fragen aufgeworfen als beantwortet. Ich bin gespannt, wie Kerstin Gier das hinbekommt, sage aber ehrlich: Es ist für mich wohl auch eher die Fokussierung auf Nebensächliches als eine völlig in sich logische, bis ins kleinste Detail ausgefeilte Zeitreisegeschichte. ;)

    • Ich musste mich auch zusammenreißen, eine Rezension zu schreiben. Ich hatte eine schwere Grippe, als ich das Buch gelesen habe und hab eine ganze Weile gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen. Wenn ich aber zu lange warte, fällt mir meist nichts mehr zu dem Buch ein, und das hätte ich hier schade gefunden.

      Mich hat eigentlich weniger gestört, dass nicht alle sin sich logisch ist – keine Zeitreisegeschichte kann total logisch sein. Und die „Nebensächlichkeiten“ hab ich ja auch gern gelesen. Das Problem ist glaub ich gerade, das KG versucht hat, neben all diesen lustigen, lockerflockischen Flirt- und Witzpassagen auch noch eine bis ins Detail ausgetüftelte Fantasystory zu schreiben. Und das ist schief gegangen, da sie sich einerseits oft verzettelt und zu genau beschreibt. Andererseits dreht sie sich oftmals im Kreis, denn wie gesagt: Die Zusammenhänge fand ich extrem schwer zu kapieren.
      Wenn man nur ein lockerflockiges ud witziges Nebensächlichkeitenbuch schreiben will, dann finde ich es schade, drumrum eine an sich spannende und interessante Zeitreisegeschichte zu stricke. Die Kombination ist für mich gerade das Geniale an dieser Serie, nur sehe ich da eben auch einige Schwachstellen.

      Die Erwartungen an Teil 3 sind einerseits sehr hoch, andererseits hätte ich vllt lieber EIN Buch gelesen, das die Story etwas gestrafft erzählt und dafür den Leser nicht so in den Seilen hängen lässt. Wenn man bedenkt, dass die Handlung der einzelnen Bände immer nur jeweils ein paar Tage umfasst, dafür aber gut und gerne 400 Seiten bei draufgehen, dann finde ich das schon etwas mau, weil ja irgendwie trotzdem nichts passiert. Verglichen beispielsweise auch mit Isabel Abedi, die ja auch sehr komplexe und phantasievolle Geschichten schreibt, hat KG das meiner Meinung nach schlecht umgesetzt.

      Naja, aber lustig isses ;)

  2. Jepp, da geb ich dir in allen Punkten Recht. Allerdings muss ich gestehen: Von einer Autorin, die sonst leichte bis seichte Frauenromane schreibt, hätte ich auch keinen perfekten Wechsel ins Fantasygenre erwartet. Was jetzt allerdings in keinster Weise abwertend klingen soll.

    Was die Zusammenhänge angeht: Ich hab da meine Vermutungen, aber alle Zusammenhänge habe ich auch noch nicht geblickt. Entweder, weil das noch gar nicht möglich war, weil die entscheidenden Hinweise fehlen, oder weil mich die vielen Namen etc. einfach verwirrt haben und ich nicht konzentiert genug gelesen habe.
    Ich bin da aber irgendwie auch faul und habe gar nicht den Anspruch, alles von selbst lösen zu wollen. Ich warte einfach, bis die Autorin mir die Lösungen im 3. Teil präsentiert – und mich damit hoffentlich zufrieden stellt.

    • Ja, das stimmt schon, was den Genrewechsel angeht, hehe. Und ich find die Bücher ja auch nicht schlecht!

      Die Zusammenhänge kann man sich zT ja zusammenreimen bzw Vermutungen aufstellen. Das wird sich alles schon noch klären, zB auch warum Lucy und Paul den Chronographen gstohlen haben, da mach ich mir keine Gedanken! Was mich eher nervt sind die vielen Charaktere und „Regeln“, die ich überhaupt nicht geschnallt habe. Graf Saint Germain, ist der jetzt gut oder böse? Soll das so im Unklaren sein, oder bin ich nicht schlau genug, um das zu durchschauen? Was sollen eigentlich diese Wächter? usw. Irgendwie bin ich mir bei der Hälfte der Personen (von denen es meiner Meinung nach auch schlicht zu viele gibt) nicht klar darüber, auf welcher Seite sie eigentlich stehen bzw welche Funktion sie haben. Ich hab auch nicht immer so konzentriert gelesen, denn lustig wars ja so oder so ;) Die ganzen Rätsel wollte ich auch nicht alle lösen, war ja oft schlicht nicht möglich. Aber mich nervt es auch, wenn ich bei so vielen Personen in einem Buch nicht kapiere, wer sie sind, was sie wollen etc. Das ist irgendwie schade drum, weil das bei mir immer so einen faden Nachgeschmack hinterlässt nach dem Lesen.

  3. Ich hab auch keine Ahnung, wie ich diesen Grafen einzuschätzen habe. Ich denke mal, der _soll_ so undurchsichtig sein, aber vielleicht macht es sich die Autorin hier auch nur einfach, indem sie sich noch nicht ganz fest legt. Klar, ein Grundgerüst wird sie haben, aber ich bin echt gespannt, ob die Auflösung nachvollziehbar wird oder ob man sich am Ende nicht fragt »Hä, wie jetzt? Hat sich nicht wirklich angedeutet.« Das fand ich bei der Rowling immer so klasse. Da wurden plötzlich Sachen aus vorherigen Bänden aufgegriffen und alles stand miteinander in Bezug.

    Was Lucy und Paul betrifft: Die Auflösung wird ganz bestimmt total plump bzw. meine Vermutung geht da seeehr in eine Richtung. ;)
    Und wenn ich mir überlege, wie sehr Gwen auf dem Schlauch stand wegen der Sache mit der Magie des Raben, dann erwarte ich – je länger ich darüber nachdenke – wirklich nicht viel. In Bezug auf die Fantasy-Auflösung. Der Liebespart wird aber bestimmt wieder super. ;)

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