Am Ende des Schweigens

Ich habe das Buch gerne gelesen, fand es aber letztendlich sehr durchschnittlich.
Gut gefallen hat mir die konstant aufrecht erhaltene Spannung, und Frau Link kann auch einfach gut erzählen. Dabei erreicht sie sprachlich kein sonderlich hohes Niveau, versteht es aber, den Leser einzulullen und Seite um Seite durch die Geschichte zu tragen. Ich war einfach neugierig, wie sich der Mordfall aufklären würde und wie dieser und jener begonnene Strang der Nebenhandlung enden würde. Es ist einfach leichte Unterhaltung mit einem spannenden Mordfall und an sich interessanten Beziehungsgeflechten, ohne großen Anspruch oder sprachliche Finessen.

Was mir, wie auch bei schon bei manchen anderen Link-Büchern, nicht so gefällt, ist 1. das Klischeehafte der Personen und der Handlung und 2. die Langatmigkeit. Man muss keinen 600-Seiten-Krimi schreiben, wenn sich auf bestimt 100 Seiten davon Landshafts- und Gemütsbeschreibungen befinden. Weitere 100 hätten rausgekürzt werden können, wenn man sich mal auf das Wesentliche konzentriert hätte. Mehrere Handlungsstränge werden begonnen und nicht weitergeführt und haben letztlich keinerlei Bedeutung für das Buch. Und es wird vieles bis zum Gehtnichtmehr wiederholt und betont – damits auch nur ja jeder kapiert. Das fand ich nach einiger Zeit anstrengend und ärgerlich.
Wirklich blöd fand ich die Auflösung des Mordfalles, bei dem in einem einsamen Landhaus 5 Personen zu Tode kommen von den insgesamt 9, die dort ihre Ferien verbracht haben. Es wird bald jemand unter dringendem Mordverdacht verhaftet, da alle Indizien gegen diese Person sprechen. Und irgendwann wird diese Person dann dennoch freigelassen, weil – uffbasse! – sich herausstellt, dass jemand anders für die Tatzeit kein Alibi hatte. Also bitte, ja!? Das entzieht sich völlig meiner Logik, denn außer dieser banalen Tatsache mit dem fehlenden Albibi gibt es nichts, was so ernsthaft gegen diesen zweiten Tatverdächtigen spricht, dass man den ersten gleich freilassen muss. Es wird nicht einmal näher untersucht, welche Indizien gegen den Verdächtigen Nr. 2 sprechen! Diese sehr konstruiert erscheinende „Wendung“ in dem Fall ist eigentlich gar keine. Dramaturgisch gesehen erzeugt sie zwar im weiteren Handlungsverlauf wieder Spannung, war aber für mich bis zur Lächerlichkeit unglaubwürdig.

Ebenfalls unglaubwürdig war für mich die Hauptfigur Jessica, die das Massaker überlebt, aber durch dieses schreckliche Geschehen und die Verluste so gar nicht aus dem Gleichgwicht gebracht wird. Auch die übrigen Überlebenden waren für mich irgendwie „leblos“ und kalt, jeder lebte sein Leben so weiter wie bisher – sorry, aber damit konnte ich mich nicht identifizieren. Insgesamt waren die Figuren alle sehr klischeehaft gezeichnet: Die starke, gute, zu allem eine Lösung anbietende Jessica. Die dicke Evelin, die sich nirgends durchsetzen kan. Die rebellische Teenietochter Ricarda. Beliebig erweiterbar! Die Charaktere werden im Grunde auch nicht „geformt“ bzw anskizziert, sondern quasi mit der Holzhammermethode bis ins Detail ausgearbeitet und unter ständiger Wiederholung von Charaktereigenschaften in eine starre Form gepresst – vllt lässt gerade das sie so klischeehaft erscheinen.

Trotz der Klischees ein spannendes Buch, leider bin ich mit keiner der Personen richtig warm geworden, ich fand sie alle mehr oder weniger unglaubwürdig und überzeichnet.

3 thoughts on “Am Ende des Schweigens

  1. Hi, du schreibst, du hättest das Buch sehr gern gelesen, fandest es aber nur durchschnittlich. Das trifft meine Empfindungen ganz genau. Charlotte Link hat einen Stil, der den Leser an das Buch bindet und wenn man am Ende Resümee zieht, staunt man manchmal. Trotzdem, ich mag ihre Bücher, „Das Kind“ steht auf meinem Wunschzettel. LG Heike

    • Ich werde bestimmt auch noch mehr Bücher von ihr lesen! Auch wenn die Sturmzeit-Trilogie bisher das einzige war, was mir wirklich uneingeschränkt gefallen hat. Ihre Krimis sind wohl eher so, dass man zwar gut unterhalten wird und mitfieberzt, aber irgendwie unterm Strich nichts Besonderes.

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