Twenties Girl

Entweder dies ist wirklich einer der schlechteren Kinsellas, oder aber ihr altbewährtes Schmema-F hat sich für mich inzwischen einfach totgelaufen.

Ich habe eine gefühlte Eigkeit für dieses Buch gebraucht und mich über weite Strecken mehr gelangweilt als amüsiert. Die Idee ist gut, und der Beginn der Geschichte ist auch gut: Die (wie alle Kinsella-Heldinnen) junge, stinknormale, schlagfertige und etwas tolpatschige, aber liebenswerte Lara Lington sieht plötzlich Gespenster. Auf der Trauerfeier ihrer Großtante Sadie, die mit gesegneten 105 Jahren verstorben ist und die Lara nie persönlich kennengelernt hat, steht plötzlich eine junge Frau vor ihr und redet vermeintlich wirres Zeug. Es stellt sich heraus, dass diese Frau Sadie höchstselbst ist bzw ihr „Geist“ in Gestalt der jungen Sadie aus den 20er Jahren.
Sadie vermisst eine bestimmte Halskette, ohne die sie nicht beerdigt werden kann/will, und da unglückseligerweise nur Lara Sadie sehen und hören kann, hat diese fortan einen Geist an der Backe, und zwar einen ziemlich vorwitzigen.

Anfangs zwischen Unglauben und Verärgerung schwankend, erkennt Lara, dass es Sadie, die ihr auf Schritt und Tritt zu folgen scheint, es wirklich ernst meint und mir viel an dieser Kette gelegen ist, und sie klemmt sie sich hinter die Halskettchensuche.
Was dann folgt, ist das bewährte Kinsellasche Schema-F: Witzig, aber vorhersehbar bis ins letzte Detail. Ich will ja nun nicht behaupten, dass man Kinsellas Romane liest, weil man auf unglaublich innovative und spannende Geschichten steht, aber das war mir persönlich dann doch ein bisschen zu platt.
Das Gerangel im Laras Job als Headhunterin, ihren Exfreund Josh und ihre Geschäftsbekanntschaft Ed, den sie natürlich zuerst kleinmädchenmäßig üüüberhaupt nicht ausstehen kann – ich wusste im Prinzip schon vorher, wie sich am Schluss alles fügen würde, und das lag sicherlich nicht an meinen hellseherischen Fähikeiten.

Ich kann nicht sagen, dass Twenties Girl gar kein lustiges und nett zu lesendes Buch ist. Bis zu dem leider wirklich sehr vorhersehbaren Schluss passieren eine Menge lustiger Sachen, aber leider: Frau Kinsella wiederholt sich hier deutlich zu oft und wälzt jede Pointe bis zum Gehtnichtmehr platt. Sadie wäre mir sicherlich mehr ans Herz gewachsen, wenn sich nicht x-fach die Szene wiederholt hätte, wie sie die arme Lara blamiert, indem sie sie in ein Gespräch verwickelt und es damit so aussehen lässt, als würde Lara Selbstgespräche führen.
Auch die Wiederannäherungsversuche an den Exfreund Josh, das Machtgebalze mit dem schönen Ed oder das Aneinandergeraten mit Kollegin Natalie – alles wird mehrfach genüsslich durchexerziert, wobei ich spätestens beim dritten Mal eigentlich abgeschaltet habe. Die letzten 100 Seiten zogen sich wie Kaugummi, und ich hatte keine sonderlich große Lust, das Buch überhaupt zu Ende zu lesen. Der Schluss kam dann recht hopplahopp, und ich hatte ein wenig den Eindruck, als wäre Frau Kinsella mitten im Schreiben die Luft ausgegangen bzw als habe sie festgestellt, dass nun wirklich jede Pointe erschöpfend abgehandelt wurde und sie das Buch genausogut auch langsam mal beenden könnte.

Unterm Strich: Lediglich ganz magerer Durchschnitt, und das auch nur, weil ich die Grundidee wirklich süß fand und das Buch im Großen und Ganzen witzig geschrieben ist. Der Schluss ist mal richtig was fürs Herz, entschädigt mich aber auch nicht wirklich für die stellenweise doch recht zähfließende und gewaltsam in die Länge gezogene Story.

rating3

One thought on “Twenties Girl

  1. Hui, danke!
    Ich dachte schon wieder ich bin „komisch“ weil jeder das Buch sooo toll findet, nur ich nicht!
    Bin noch nicht mal bei der Mitte und überlege mir wirklich das Buch weg zu tun, obwohl ich sowas eigentlich gar nicht mag!

    Ps. Deine Bilder sind sowas von toll *schwärm*

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