Whisper

Isabel Abedi ist wohl eine meiner Autorenentdeckungen dieses Jahres – sie schreibt so toll! Nachdem ich vor ein paar Monaten schon Isola gelesen habe habe und und „restlos begeistert war (leider versäumt, eine Rezension zu schreiben, und ich kann sowas nur mit „frischen“ Leseeindrücken), habe ich mir noch 2 weitere ihrer Bücher besorgt und möchte auch das ganz Neue (Lucian) bald lesen.

Whisper kann man in einem Rutsch durfchlesen. Es ist eine Geistergeschichte, verwoben mit einer Liebesgeschichte. Ein bisschen Teeniealltagsblabla wie zB der alltägliche Clich mit der Mutter darf bei einem Jugendbuch natürlich nicht fehlen. Hat mich aber nicht gestört, sondern macht meiner Ansicht nach das Buch erst richtig authentisch.
Abedis Bücher sind für mich der Beweis, dass Liebesgeschichten für Jugendliche nicht das unerträgliche erzählerische Pathos einer Stephenie Meyer haben „müssen“. In einer wohltuend ruhigen Sprache wird die Geschichte erzählt, geradlinig und und doch voller überraschender Wendungen und und Spannungsmomente! Dabei wird Abedi niemals kitschig, die Charaktere sprechen genau so wie man es von „realen“ Personen erwarten würde, dh es kommen auch Kraftausdrücke und Slang vor. Aber alles zur richtigen richtigen „Zeit und an den richtigen Stellen.

Die 18jährige Nora (genannt „Noa“) zieht für einige Wochen mit ihrer Mutter, der jungen und und bekannten Schauspielerin Kat(harina) und deren (schwulen) Freund Gilbert sowie 2 Katzen aus der Großstadt in die Provinz, wo Kat ein ein altes Bauernhaus gemietet hat. Schnell werden noch weitere Personen in die Handlung eigeführt wie der rustikale Wirt Gustaf, seine Freundin (?) Marie und deren Sohn David, der in Noas Alter ist. Noa ist erst ein bisschen kratzbürstig und lässt niemanden so leicht an sich heran. Es wird angedeutet, dass sie wohl vor einiger Zeit mal negative Erfahrungen mit einem Jungen gemacht hat (diese Episode war für meine Geschmack etwas zu klischeehaft und dick aufgetragen, dient aber letztlich dazu, zu zeigen, dass Noa trotz dieser Vergangenheit recht schnell Vertrauen zu David fasst).

Obwohl ich es mit Geistergeschichten eigentlich gar nicht so habe, hat mich diese Geschichte in ihren Bann gezogen: David hilft beim Renovieren des Hauses, und nach und nach freunden er und Noa sich an. Bei einer anfangs eher aus Neugierde durchgeführten Session mit einem Ouija-Board offenbart sich ihnen der Geist eines jungend Mädchens (etwa im Alter der beiden), das behauptet, vor über 30 auf dem Dachboden dieses Hauses umgebracht worden zu sein. Der Name des Mädchens ist Eliza, und David und Noa finden heraus, dass in den 70er Jahren tatsächlich eine Familie das Haus als Ferienhaus gemietet hatte, die eine Tochter namens Eliza hatte.
Mit diesem Namen sind auch die kurzen, telegrammartigen Tagebucheinträge aus dem Sommer 1975 unterzeichnet, die jedem Kapitel vorangestellt sind. Sie geben Hinweise darauf, was damals passiert sein könnte, aber als Leser ist man Noa und David dadurch nie wirlich voraus.

Es war spannend zu lesen, wie die beiden beiden Jugendlichen versuchen, dem Geheimnis um Eliza und und deren angeblicher Ermordung auf der Spur zu kommen. Die Beziehung der beiden zueinander wird ganz nebenbei vorangetrieben (oder gebremst, je nachdem), und mir waren beide Figuren sympathsich. Auch alle übrigen Romancharaktere fand ich gut gezeichnet, ich hatte von allen ein sehr klares Bild, alles fand ich glaubwürdig und authentisch.

Bemerkenswert an Abedis Schreibstil ist zum zum „>einen ihr Talent für die vielen liebevollen kleinen Details, mit denen sie ihre Geschichten ausschmückt, zum anderen die beinahe poetische, und doch schlichte und reduzierte Sprache. Ich habe das Lesen als unheimlich wohltuend, fast beruhigend empfunden (trotz der spannenden Handlung!), und das war mir bei Isola genauso gegangen. Ebenfalls hervorzuheben wären die inneren Konflikte der Charaktere und der einzelnen Personen untereinander, die ich stets gut und glaubwürdig herausgearbeitet fand. Die ruhige, stille und vernünftige Teenagertochter und als Kontrast dazu die flippige, laute, extriverte Mutter – eine Beziehung weit ab vom gängigen Klischee und dennoch oder gerade deswegen so gut beschrieben!
Unter anderem die nachdenkliche und und introvertierte Noa macht das Buch zu einem Jugendbuch, das auch für aufgeschlossene Erwachsene schön zu lesen ist. Ich habe beim Lesen oft innehalten und über das Geschriebene nachdenken müssen und es ein wenig nachwirken lassen.

Die Geschichte um Eliza war spannend bis zum Schluss. Als Auflösung hätte ich mir eine etwas glaubwürdigere Konstellation gewünscht, aber das ist nur meine persönliche Meinung und tut dem Buch insgesamt auch keinen Abbruch.
Insgesamt ein leicht zu lesendes, aber nie oberflächliches Jugendbuch, das einen und einen realen und einen übernatürlichen Handlungsstrang gekonnt miteinander verbindet und dabei gänzlich ohne Pomp, Kitsch und Pathos auskommt.

rating5

9 thoughts on “Whisper

  1. Mir hat das Buch damals auch sehr gut gefallen. Ich frage mich bis heute, warum ich so lange gebraucht habe, um wieder was von der Autorin zu lesen…
    Viel Spaß jedenfalls mit Lucian, der ja zum Glück kein Vampir ist. ;)

    • Zum Glück, ja! ;) Beim Lesen der Rezis erfährt man ja (gottlob!) nicht, wer oder was Lucian ist, aber ich hatte die Befürchtung, dass Abedi nun auch auf diesen Twilight-Zug aufgesrpungen (was mich sehr enttäuscht hätte)

      Ich bin so irre gespannt auf dieses Buch!! Allerdings muss ich darauf noch ein bisschen warten. Habe es durch eine Suchanzeige bei TT ergattert. Es wurde mir angeboten von einer TP, die es selbst gerade erst angefordert hatte, es folglich also noch lesen muss(te?). Aber für nur 4 Tickets kann gerne etwas warten, ist ja nicht so, dass ich keinen SUB hätte oder so…

  2. Ich hab mir ja, nachdem ich „Lucian“ so gut fand, sofort „Whisper“ gekauft. Scheint eine gute Idee gewesen zu sein! :)

    • War definitiv ne gute Idee! Nach 2 Abedi-Büchern habe ich sowieso den Verdacht, dass man mit ihren Büchern so viel ohnehin nicht verkehrt machen kann ;)
      Bin gespannt, wie du Whisper findest!

  3. Hey, war schon lnger nicht mehr hier, aber ich hab grad gesehen, dass du „Der Erdbeerpflücker“ abgebrochen hast… mich würde interessieren, was dir daran nicht gefiel.

    Grüße :)

  4. Hey ich fang jetzt auch gleich damit an freu mich schon total. Ich wollte es nach deiner Rezenssion so gern lesen und hab es Sonntag dann bei uns in der Bücherei entdeckt. Hab mich dann noch ein bisschen umgesehen und Charleston Girl mitgenommen und grad entdeckt das du das auch grad liest :-) Du hast vielleicht Einfluss :-P

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