Schloss Gripsholm

Vermutlich fehlt mir wieder mal nur die geistige Reife für dieses Buch, aber ich muss ganz ehrlich sagen: Ich fands doof. Gekauft habe ich es mir, weil es so günstig war, weil ich die Verfilmung mit Heike Makatsch und Ulrich Noethen kenne (und soweit ich mich erinnern kann, mochte ich sie auch ganz gerne!) und weil ich dachte, den einbrechenden Herbst mit dieser „Sommergesichte“ noch etwas hinauszögern zu können.

Die Sommer-in-Schweden-Atmosphäre (ich war übrigens noch nie in Schweden) war aber auch mehr oder weniger das einzige, was ich diesem Buch abgewinnen konnte. Das erste Kapitel besteht aus einem kurzen Briefwechsel zwischen dem, Verleger Ernst „Riesenschnörkel“ Rowohlt und „Tucholsky“. Es geht um eine „kleine Liebesgeschichte“, die Rowohlt gerne mal verlegen möchte als Kontrastprogramm zu den politischen Büchern. Und ob Tuchsolsky sowas nicht mal schreiben könne. Dieser lehnt entrüstet ab: Liebe in der heutigen Zeit? Dann eher eine kleine Sommergeschichte! Es folgen Honorarverhandlungen, um im Anschluss verabschiedet sich dieser Tucholsky mit seiner Freundin Lydia in die Ferien – nach Schweden.
Diesen Briefwechsel habe ich zunächst für echt gehalten, wie ich nachträglich recherchiert habe, ist er aber (angeblich) rein fiktiv. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass Tucholsky ihn deswegen der eigentlichen Geschichte vorangestellt hat, um zu demonstrieren „Niemals hätte ich sowas aus eigenem Antrieb geschrieben – aber ich war jung und brauchte das Geld…“

Ich konnte über weite Strecken des Buches keine wirkliche Handlung erkennen, und das war schon mal das erste, was mich gestört hat. Im Episodenstil plätschert die Geschichte so vor sich hin, und ich persönlich kann einfach nichts mit Büchern/Geschichten anfangen, in denen nichts passiert und – ketzerisch ausgedrückt – nur gelabert wird. Schön anzusehen, aber nichts dahinter – so habe ich dieses Buch empfunden. Mir geht es einfach vollkommen ab, mich ausschließlich an der Schönheit der Sprache zu erfreuen, nur um der Schönheit willen. Ich gehöre auch nicht zu der Sorte Mensch, die es gut finden, stundenlang in ein Aquarium zu schauen. Da sind mir Hunde oder Katzen dann doch lieber. You get the Point…

Woran ich mich außerdem gestört habe, war Ldyia, genannt „Prinzessin“. Was ja schon mal albern genug ist. Mit der Prinzessin bin ich überhaupt nicht warm geworden, was unter anderem daran gelegen hat, dass ich sie kaum verstanden habe. Die Prinzessin spricht nämlich größtenteils Plattdeutsch, und auch wenn ich es mit etwas Phantasie und Übung zumindest sinngemäß verstehen kann, ist es für mich mit Abstand die schrecklichste und nervigste deutsche Mundart, noch weit vor Sächsisch und Schwäbisch (und das will was heißen)! Vom Plattdeutschen mal abgesehen fand ich die Prinzessin – deren Alter man nur erraten kann – schlicht albern. Ihr unreifes Kleinmädchengehabe ist mir unglaublich auf den Keks gegangen, und auf mich wirkte sie insgesamt ein bisschen wie Doof vom Dorf. Warum sich ein so eloquenter Menn wie der Ich-Erzähler „Tucholsky“ (?) mit ihr abgibt, hat sich mir nicht vollständig erschlossen (vllt ist sie gut im Bett).

Nachdem ich mich gut 100 Seiten lang durchgequält hatte, lohnte das Abbrechen nicht mehr wirklich (bei 140 Seitem Gesamtunfang), und da kam dann auch endlich mal sowas wie eine Handlung auf. Der Erzähler und die Prinzessin bekommen nacheinander Besuch von Freunden und vollbringen außerdem pfadfindermäßig eine gute Tat an einem armen gebeutelten Mädchen, das im nahegelegenen Kinderheim lebt und dort von der Leiterin herumkommandiert wird. Der Zusammenhang mit dem Rest der „Geschichte“ hat sich mir nicht erschlossen (aber kann wie gesagt auch an mir liegen)

Das einzig Positive an dem Buch waren für mich die Sommeratmosphäre und die Sprache (von dem nervtötenden Plattdeutsch der Prinzessin mal abgesehen!) – locker-luftig einerseits, spitzzüngig und geistreich erzählt andererseits. Aber das allein macht für mich kein gutes Buch aus – ich will auch was geboten kriegen! ;)

rating2

8 thoughts on “Schloss Gripsholm

  1. Ich habe das mal mit 16 gelesen und war hin und weg. Während des Studiums dann noch einmal gelesen, die Prinzessin hätte ich an die Wand klatschen können und ich weiß bis heute nicht, was ich damals toll daran gefunden habe …

    • Siehste mal, das finde ich auch interessant, wenn sich die eigene Meinung so ändert!
      Ich hab in Bücherforen eigentlich nur Gutes über das Buch gewesen, der Tenor war da auch „hin und weg“.
      Wahrscheinlich kommt es darauf an, „wie“ man das Buch liest, ggf bin ich zu pragmatisch für solche Geschichten – ich weiß es nicht. An die Wand geklatscht hätte ich die Prinzessin aber auch gerne! ;)

  2. Ich hab das Buch auch vor zwei Monaten oder so gelesen, und fand es ganz nett für so zwischendurch, aber das Plattdeutsch hat mich auch genervt (habe kaum etwas verstanden) . Ich weiß noch dass ich mich nach der letzten Seite gefragt habe: Und was wollte uns der Herr Tucholsky jetzt damit sagen?
    Und die Prinzessin, ja, die war unausstehlich! ;)

    • Eva!! Dich gibts ja auch noch! ;) *freu*

      Für Österreicher ist Plattdeutsch sicher noch um einiges schwerer verständlich als für mich im „südlichen Norddeutschland“ aufgewachsene und in Süddeutschland lebende, aber völlig akzenfrei Deutsch Sprechende ;)
      Die Frage, was Tucholskiy mit diesemBuch sagen wollte, scheint mir berechtigt wie gesagt, MIR kam es so vor, als sei dieser komische Briefwechsel da nicht ohne Grund vorangestellt worden.

      • Irgendwann tauch ich immer wieder aus der Versenkung auf! ;)

        Ja, das mit dem Briefwechsel hab ich auch so ähnlich gesehen wie du, klingt schon ein bisschen wie eine Entschuldigung. Das dachte ich aber erst als ich ihn nach Beendigung des Buches nochmal gelesen hatte ;)

  3. Kurt Tucholsky’s Schwergewicht liegt auf den Kurztexten, nicht unbedingt auf diesem Roman hier.
    Wenn er in die Kiste seines Humors greift, z.B. ‚Wo kommen die Löcher im Käse her‘ lache ich jedes Mal laut los.
    Ebenfalls sehr berührend ist sein Text ‚Es gibt keinen Neuschnee‘. Wenn Du diesen lesen willst, ist er auf meiner HP zu finden. Und ich finde, es lohnt sich sehr.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.