Rubinrot

gier_rubinrotDer „Hype“ oder sagen wir mal, die allgemeine Begeisterung um dieses Buch ist lange Zeit komplett an mir vorbeigegangen. Kerstin Gier kannte ich bisher nur als Autorin lockerflockiger Frauenromanscher. Und wenn mir zB Amazon als Empfehlung Rubinrot ausspuckte, hab ich immer weitergeklickt weil „Ist ja ein Kinderbuch“. Dann hatte sich Lilly das Buch gekauft und warum auch immer, aber das war für mich der Punkt, wo ich gedacht habe, lies doch wenigstens mal, worum es da geht. Die Beschreibung und die Rezensionen gefielen mir dann so gut, dass ich direkt nach der Arbeit in die nächste Buchhandlung rein und mit dem Buch unterm Arm wieder raus marschiert bin. Und schnellstmöglich mit Lesen begonnen habe. Und auch gar nicht wieder aufhören konnte, so dass ich es innerhalb von 2 Tagen durch hatte.

Es ist zwar klar als Jugendbuch erkennbar (ich würde sogar sagen „Mädchenbuch“) durch Sprache und Konfliktthemen („Jungs sind ja soooooo doof… aber ooooooh ich glaube der Sebastian hat mich grad angeguckt, ob der verliebt in mich ist??“), aber dennoch auch für Erwachsene nett zu lesen. Wenn man sich eben der Tatsache bewusst ist, dass man kein „Erwachsenenbuch“ gekauft hat.
Die Story selbst fand ich im Kern schon ziemlich potteresk: Durchschnittsteenager erfährt eines Tages aus heiterem Himmel, dass sie mit einer „magischen Gabe“ gesegnet ist und wird sogleich in eine bisher verborgene Welt gebracht. Waren es bei Harry Zauberer und eine Zauberschule, ist es bei Rubinrot das Zeitreisen, Geheimbünde und eine Ahnengalerie, die allerhand Kuriositäten aufzuweisen hat. Zwar ist Gwendolyn die ganzen bisherigen 16 Jahre in einer Familie aufgewachsen, in der ein „Zeitreisegen“ weitervererbt wird, aber man ging bisher davon aus, dass es ihre Cousine getroffen hätte. Als sich plötzlich herausstellt, dass Gwendolyn selbst die „Genträgerin“ ist, ist die Aufregung entsprechend groß, da Cousine Charlotte die Falsche war, die man jahrelang auf ihre große Aufgabe vorbereitet und gedrillt hat und Gwendolyn völlig ahnungslos ist.

Ein wenig durchschaubar, aber durchaus nett zu lesen waren Gwendolyns „Konflikte“ mit ihrem Zeitreisekollegen Gideon. Der natürlich total blöd ist. Aber ein anderes Mädchen küssen und gut finden darf er deswegen natürlich noch lange nicht! Immerhin hebt sich das wunderbar vom Meyerschen Einheitsbrei des achsotollen, aber unerreichbaren Helden ab, der sich völlig völlig überraschend und im Grunde komplikationslos in die unscheinbare Mitheldin verknallt. *hüstel*

Sehr schön beschrieben fand ich die turbulenten „Reisen“ durch das heutige und mittelalterliche London. Spannend waren die angedeuteten Geheimnisse, die sich um das Zeitreisen und Gwendolyns Familie ranken. Es wird sehr vieles angeschnitten und angedeutet, aber leider – und das hat mir das Buch am Ende auch ein wenig verleidet – so gut wie nichts aufgelöst oder geklärt. Rubinrot ist der erste Teil einer Trilogie, von denen der zweite Teil Saphirblau im Januar 2010 erscheinen soll. Es ist schon in Ordnung, dass innerhalb einer Reihe ein gewisser Spannungsbogen aufgebaut wird, der sich über alle Teile erstreckt. Aber ich hätte mir doch gewünscht, dass auch der erste Teil etwas abgeschlossener ist undnicht gar so viele Fragen offenlässt. Das Ende kam mir viel zu hopplahopp und war für mich zu sehr „hä wie jetzt?!“ Im Grunde hatte ich das Gefühl, nur eine Einleitung gelesen zu haben, die die Pesonen und Umstände vorstellen und neugierig machen soll auf die eigentliche Geschichte.
Darüber trösten auch die humorvolle Sprache, die ausgetüftelten „magischen Zusammenhänge“ und die liebevolle Ausgestaltung der Charaktere nicht vollständig hinweg.

Insgesamt eine wirklich tolle, rasante, phantasievolle und witzige Geschichte, die man mal eben zwischendurch lesen kann, die aber leider viel zu offen ist. Ich bin wirklich sehr gespannt auf Teil 2!

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8 Kommentare zu “Rubinrot

  1. Danke für deine Rezension. Ich bin letzte Woche in meiner Buchhandlung über das Buch gestolpert und wollte es auf meine Wunschliste für meinen Geburtstag setzen. Ich denke ich warte damit lieber noch bis nächstes Jahr. Trilogien sind etwas sehr schönes, aber im Moment ist mir nicht nach mitten in der Geschichte warten zumute und wenn der zweite Teil schon im Januar raus kommt, dürfte es mit dem 3. Teil dann auch nicht lange dauern.

    • Da wär ich mir nicht so sicher… Der 1. Teil ist nämlich auch schon seit April draußen, sind immerhin symbolträchtige 9 Monate Abstand zum 2.

      • Ich habe das Buch im Februar zum Geburtstag gekriegt, das heißt es ist schon mindestens seit Anfang Februar zu kaufen.

  2. Ich bin eine 13jährige und habe das Buch geliebt. Ungeduldig warte ich auf den 2. und 3. Band. Die herzerwärmenden Figuren wachsen einem sofort ans Herz.
    Besonders gefällt mir, dass das Buch einem direkt aus dem Herz geschrieben wurde (was Mädchen betrifft). Ich kann es nur empfehlen.

  3. Pingback: Saphirblau « Bibliomanie

  4. Ich finde das Buch wirklich gut. Auch der zweite teil hat mich wieder in seinen Bann gerissen. Ich finde, das es einen gerade dazu verleitet, den nächsten Teil auch noch zu lesen, wenn das Buch an einer ziemlich undurchschaubaren Stelle endet. Allen Mädchen die dieses Buch noch nicht gelesen haben, würde ich raten, es doch recht bald zu tun.

  5. ich fand ihn so toll das ich gleich den 2. Band brauchte und muss jetzt Leider noch auf den 3 warten ich habs erst gestern Abend bis was weiß ich gelesen es wars so toll das ich nicht mehr aufhören konnte(Saphirblau)
    ich dachte erst das es mir ned gefällt aber ich kanns nur weiter empfehlen
    viel Spaß die es noch nicht gelesen haben

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