Alles wegen Werner

Ich muss ehrlich sagen, ich fand das Buch überhaupt nicht gut.
Die Leseprobe bei vorablesen.de hatte mir noch sehr gut gefallen, aber das war wohl einfach Zufall und eine der besseren Stellen im Buch. Das Rezensionsexemplar habe ich leider nicht bekommen und mir das Buch daher bei TT besorgt.

Erwartet habe ich ein witziges, leichtes Buch, das man mal eben so weglesen kann. Bekommen habe ich einen mittelmäßig gut geschriebenen Roman mit unglaublich langweiliger Handlung, die unüberbietbar und scheinbar krampfhaft in die Länge gezogen wurde. Ganz ehrlich? Mein Eindruck war, dass hier ein persönliches Schicksal (das der Autorin?) verarbeitet werden sollte. Diesen Schluss legt übrigens auch das Nachwort der Autorin dar: Alle Figuren seien frei erfunden, viele der „Erfahrungen und Situationen“, die sie verarbeitet habe, seien es nicht.

Der Plot: Mittfünfzigerin Clara lebt mit Ehemann Werner seit 15 Jahren an der Algarve, und zwar wie die Made im Speck. Die Ehe besteht nur noch auf dem Papier, Clara trinkt ziemlich viel Alkohol und sitzt ansonsten gelangweilt daheim, während Werner arbeitet. Eines Tages verlässt er sie wegen einer jungen Brasilianierin und hat vor, nach Brasilien auszuwandern. Er reicht die Scheidung ein und überrennt Clara gewissermaßen damit. Sie wiligt in eine „schnelle und unkomplizerte Scheidung“ ein.
Und das war im Grunde auch schon das Spannendste an dem ganzen Buch.

Was dann folgt, ist ein schon oft genug dagewesender und hier wenig originell aufbereiteter Selbstfindungstrip einer Frau in der Post-Midlife Crisis. Clara selbst fand ich sowas von gar nicht lebendig als Romancharakter! Das Beste was ich über sie sagen kann, ist dass ich sie absolut langweilig fand, stellenweise regelrecht nervig. So gut wie keine Portugiesischkenntnisse nach 15 (!!) Jahren in Portugal. So gut wie keine Freunde oder sonst ein soziales Netz. Aber kaum geschieden fängt sie natürlich an, beides auszubauen… Haleluja, wie originell !!
Werner kommt bei der ganzen Sache natürlich überhaupt nicht gut weg. Er ist an allem Schuld (und am Ende steht noch der hämische und irgendwie verzweifelt wirkede Satz „Danke, dass du mich verlassen hast!“ – Aua.) – völlig unreflektiert. Clara ist natürlich die unschuldige, gebeutelte, verlassene Ehefrau. Ansonsten wird Werner überhaupt nicht charakterisiert, und Clara glänzt leider auch nicht gerade durchweg positiv. Alles in allem fand ich dieses Scheitern der Ehe sehr unrund beschrieben.
Den Schreibstil fand ich unspannend und lieblos bis auf wenige Ausnahmen. Weder Handlung, noch Charaktere, noch Schreibstil haben mich in den Roman „ziehen“ können, ich war froh, als es vorbei war. Dadurch, dass der Verlauf sehr vorhersehbar war, kam sowies keine Spannung auf… Abhaken!!

Mich hat das Ganze stark an die Ausgeliebt-Reihe von Dora Heldt erinnert, welche im Gegensatz zu Werner aber ausgesprochen lebendig erzählt wird und in der auch die Charaktere LEBEN in sich haben und nicht so schlaftablettig und jammernd wie Clara durch den Roman ziehen.
Den Fortgang der Geschichte fand ich zäh und vorhersehbar, ich musste mich zwingen, das Buch zuenede zu lesen (habe aber in der zweiten Hälfte auch ziemlich viel nur überflogen). Mir fehlt einfach Pep, Witz, Geist und Charme in dieser Geschichte! Ich war wirklich enttäuscht, für mich ist es ein schlecht gemachtes „Plagiat“ der Ausgeliebt/Urlaub mit Papa Reihe von Dora Heldt (was übrigens schon beim Cover anfängt!).

Ich konnte dem Buch überhaupt nichts Positives abgewinnen, daher hier leider keinen Stern.

5 thoughts on “Alles wegen Werner

  1. Na da hoffe ich doch, dass wenigstens eines der nächsten Bücher ein voller Erfolg wird. Kann ja nicht angehen, dass es da draußen nur noch doofe Bücher gibt.

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