Splitter

fitzek_splitterWollte noch mal meine Meinung kundtun zum lang ersehnten Splitter.

Das war jetzt mein 5. Fitzek und garantiert nicht mein letzter. Ich mag den einfach. Seine irrwitzigen Ideen und seinen Mut, aus diesen Ideen nicht immer ganz logische, aber dafür bis zur letzten Minute spannende Geschichten zu stricken. Es ist sehr schwer, seine Bücher zu rezensieren, ohne zu viel zu verraten, da der Fitzek-typische „Aha!-Effekt“ im Detail steckt und mit viel Akribie zurechtgepuzzelt wird. Nur eins vorweg: Die Logik ist auch diesmal etwas auf der Strecke geblieben, wobei natürlich oft auch Auslegungssache ist, was logisch ist und was nicht. Ich spreche nichtmal von naturwissenschaftlicher Logik, sondern von bestimmten Verhaltensweisen der Charaktere, die mir einfach ZU weit hergeholt erschienen. Da wurde vieles zu sehr konstruiert und in eine Form gepresst, in die es eigentlich nicht reinpasst, damit es am Schluss dann an einer anderen Ecke doch wieder passt. Für mich fügt sich leider nicht zu einem schlüssigen Ganzen, das beantwortet, warum nun Marc Lucas sein Gedächtnis verlor

Mir kam es so vor, als sei Fitzek erst irgendwann im Laufe der Geschichte eingefallen, dass er so langsam mal eine Auflösung anbieten sollte für den (vermeintlichen?) Gedächtnisverlust seines Helden Marc Lucas. Der Grund für all das, was sich auf den vorangegangenen hunderten von Seiten als eine Art Roadmovie durch Berlin und zugleich auch die Hirnwindungen Lucas‘ dargestellt hatte, kam mir so an den Haaren herbeigezogen, so lächerlich und so unlogisch vor, dass ich es erst gar nicht glauben mochte! Ich dachte wirklich nur: „DAS ist es?? DESWEGEN wurde hier so ein Zirkus veranstaltet??“ Dieser Umstand hat mir das Buch ein klein wenig verleidet. Denn die Idee mit dem Vergessen und der Amnesie ist toll. Die Art und Weise, wie der Leser regelrecht in die Geschichte hineingesogen wird und selber nicht mehr wirklich weiß, was Realität ist und was nicht, ist auch in diesem Fitzek-Thriller unnachahmlich. Wenn man die „Lösung“ des Ganzen etwas weniger weit hergeholt und etwas weniger krampfhaft konstruiert hätte, hätte ich dem Buch glatte 5 Sterne gegeben.
Gestört hat mich zudem, dass die zwei parallel erzählten Handlungsstänge am Ende zwar zusammenlaufen, aber auch dies für meinen Geschmack deutlich zu konstriuert war. Die „Nebenhandlung“ fand ich persönlich zudem sehr langweilig, aber auch sehr brutal – aber das ist Ansichtssache.

Über diesen Umstand kann mich auch die Tatsache nicht völlig hinwegtrösten, dass – ebenfalls sehr Fitzek-typisch! – die Geschichte nach der Auflösung nochmal ein gutes Stück weitergeht und sich ein paar Dinge nochmals plötzlich „drehen“, ein komplett anderes Licht auf vieles geworfen wird und sich neue Erkenntnisse auftun über das zuvor Gelesene.

Insgesamt dennoch ein im positiven Sinne nervenaufreibendes und mitreißendes Buch, das zum einen von den guten und witzigen Dialogen lebt, zum anderen vor allem von Fitzeks Fähigkeit, eine absurd und bizarr wirkende Geschichte geradlining zu erzählen, Spannung darin aufzubauen und konstant bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Und genau darum freue ich mich schon auf seinen Roman Numero 6!

rating3

4 thoughts on “Splitter

  1. Hallo Maren,

    danke für die Rezi!

    Aber sag mal, kann es sein, dass du neulich im Fernsehen warst bei Akte 09:
    [Link entfernt]

    Klingt irgendwie beunruhigend…

    Liebe Grüße,
    der Alex

  2. Ich tu mich mit einer Bewertung wirklich schwer.
    Sitze hier schon 20 Minuten vor einer leeren Word-Datei und frage mich was ich schreiben soll – wie ich es schreiben soll.

    Dem, was Du geschrieben hast, kann ich eigentlich nur zustimmen.
    Aber 4 Sterne kann ich irgendwie nicht vergeben.
    Obwohl ich’s gern gelesen hab. Und Fitzek auch mag … und seine Bücher Spaß machen.
    Es ist echt schwierig.

    • Hab mich mit der Bewertung genauso schwergetan wie du.

      Im Grunde sind die Sterne für mich immer so eine „Gefühlswertung“. Ich werfe nicht am Ende alle Pros und Contras in einen Topf, vergebe 3 Sterne hierfür, ziehe einen dafür wieder ab… sondern beurteile mehr aus dem Bauch heraus, wie ich das Buch INSGESAMT empfunden habe, wie es auf mich gewirkt hat. Oder wie ich auf die Frage Antworten würde „Wie hat dir das Buch gefallen?“. 4 Sterne sind in meinem Bewertungssystem „gut“ (5 = sehr gut, 3 = Durchschnitt). Und da ich das Buch wirklich gern gelesen habe, mich aber an dem blöden Ende schon etwas gestört habe, ist mein „Gesamtempfinden“ bei „gut“ hängen geblieben…

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