Tee mit Buddha

Für mich persönlich war das Buch ein Reinfall. Ich hatte mich ebenso etwas anderes davon erwartet wie Michaela sich (anfangs) von „ihrem“ Kloster etwas erwartet hatte. Nicht wie von ihr favorisiert und vorgestellt ein lauschiges Örtchen auf einem einsamen Berg, sondern ein modern eingerichtetes Haus nebst Tempel mitten in der Stadt an einer belebten Straße erwartete sie in Japan. In diesem Kloster wollte die Japanologiestudentin ihr Auslandssemester verbringen, nicht wie üblich an einer japanishen Uni. Diesen Entschluss fand ich mutig und begrüßenswert. Auch die beworbene „Reise zu sich selbst“ und das Blafasel von spiritueller Erleuchtung war mir durchaus sympathsich, und so hab ich mich denn auch ziemlich gefreut, als ich davon ein Rezensionsexemplar bekam.

Ich kam beim Lesen aber nicht wirklich rein in diese Geschichte. Um es ganz offen zu sagen: Ich finde das Buch sterbenslangweilig. Die Schilderungen fand ich zwar flüssig zu lesen, aber so unpersönlich und irgendiwe „kalt“. Eventuell spiegelt sich darin die japanische Reserviertheit wider. Ich weiß es nicht, aber ich hatte an keiner Stelle der 200 gelesenen Seiten (von knapp 300) den Eindruck, dass die Autorin etwas von sich und ihren Gefühlen preisgibt oder gar preisgeben wollte. Nach diesen 200 Seiten hatte das Buch bei mir verloren, ich hatte schlicht kein Interesse mehr daran, zu erfahren, mit wem Michaela Tee trinkt und was sie dabei besprechen und wie ihr Schwertkampfkurs ausging.

Kapitelweise wird geschildert, welchen Menschen sie im Kloster begegnete und was sie mit diesen machte bzw von ihnen lernte: Ikebana, Kendo, Kalligraphie oder Teezeremonien. An sich interessante Themen, aber so wie es hier geschildert wird, kam mir das alles komplett nutzlos vor, und ich habe mich von Seite zu Seite gegähnt. Es wurde fast nur berichtet (das aber sehr oberflächlich) und wenig reflektiert, so das das Ganze für mich wneig Nutzen hatte.
Den Aufbau des Buches finde ich wenig geschickt: Durch die kapitelweise Vorstellung einzelner Personen und deren Tätigkeiten verschwinden diese danach meist sofort wieder in der Versenkung, so richtig warm werde ich mit keinem – auch mit Michaela selbst nicht. Viele Rezensenten loben gerade diesen Aufbau, aber ich bin damit nicht gut zurecht gekommen, ich hätte einen chronologischen Aufbau besser gefunden.

Von der „Reise zu sich selbst“ kann ich überhaupt nichts erkennen, die ganzen Phrasen wie „werde ein guter Mensch“ wirken auf mich kalenderblattmäßig und abgedroschen. An einigen Stellen schreibt Frau Vieser zwar, was sie von diesem oder jenem für ihr persönliches Leben gelernt hat, aber ich fand das alles nicht weltbewegend, und bei mir kam es auch recht halbherzig an. Obwohl diese Frau Japanologie studiert hat und auch nach ihrem Klosteraufenthalt nochmal für längere Zeit in Japan lebte, hinterließ das Buch bei mir nie der Eindruck, dass sie wirkliche Begeisterung für das Land, seine Bewohner und deren Kultur hegt.

Das Spirituelle kam für mich auch zu kurz, es wurde nur selten etwas hinterfragt. Das mag aber auch wieder an meiner Erwartung liegen. Ich habe letztes Jahr Was in zwei Koffer passt von Veronika Peters gelesen, die selbst für mehrere Jahre als Nonne ineinem christlichen Kloster lebte. Das Buch fand ich hochinteressant, da ständig hinterfragt wird, was der Glaube für den Einzelnen bedeutet und was Menschen sich davon versprechen, im Kloster zu leben. So in etwa hatte ich mir auch Tee mit Buddha vorgestellt, nur geht dieses Buch in eine ganz andere Richtung. Es wird statt dessen episodenhaft über einzelne „Elemente“ (kann man das so sagen?) des Zen und des Buddhismus berichtet, was ich prinzipiell schon interesant finde, aber durch die kurze kapitelweise Darstellung fügte sich das für mich nicht zu einem schlüssigen Ganzen.

Unterm Strich leider ein für mich recht enttäuschendes Buch.

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Ein Kommentar zu “Tee mit Buddha

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