Die Wette

Man kann dieses Buch eigentlich ganz schlecht beschreiben – man muss es einfach selber lesen erleben. Eine dringende Leseempfehlung sei hiermit jedenfalls schonmal ausgesprochen!

Ich bin ja nicht so die Gemütlichzuhauseaufmsofaleserin, aber bei dem Buch hatte ich mir vorgenommen, so viel wie möglich davon zu Haus zu lesen, da man mir ja ein zentnerschweres, etwas unhandliches Manuskript zugeschickt hatte. Das war mir schlicht und ergreifend zu umständlich zum Lesen in der S-Bahn. Ist mir dann aber auch tatsächlich gelungen und sogar vergleichsweise leicht gefallen.

Tja, worum gehts? Steht schon im Titel: „42.000 km, 2 Männer, 1 Globus, Keine Flugzeuge“
Dieses Experiment bzw. diese Wette ist auch wirklich so „passiert“, von März bis Juli 2007. Die Autoren und Protagonisten Steve Hely und Vali Chandrasekaran sind befreundete Drehbuchautoren und Fernsehgagschreiber – und somit wahrlich nicht auf den Mund gefallen.
Inhalt ihrer Wette: Einmal um den Globus reisen, von Los Angeles ausgehend, jeweils in eine andere Richtung, und ohne die Benutzung von Flugzeugen (oder sonstigen fliegenden Gerätschaften) – und wer zuerst wieder zurück ist, hat gewonnen. Und zwar eine Flasche Scotch von Anno Dazumal.
Um das Ganze finanzieren zu können, haben sie sich fix einen Verleger für diese Story gesucht als Geldgeber, und ab gings dann.

Es gibt keine Kapitel, Steve und Vali beschreiben jeweils abwechselnd ihre Sichtweise der Dinge bzw. ihre Erlebnisse. Vom Zustandekommen der Wette (welches jeder gaaaaaanz anders erlebt haben will als der andere!) über die Motivation bis zur eigentlichen Weltumrundung und wieder zurück. Durch viel Wortwitz, trockenen Humor und das wiederholte gegenseitige „Zuwerfen“ von Pointen gleicht das Ganze manchmal einer Screwball Comnedy und liest sich somit auch sehr schnell.
Da sie jeweils nur sehr kurz in den einzelnen Ländern weilen, sind die Betrachtungen natürlich meist etwas oberflächlich. Aber gerade das macht es so lesenswert und amüsant; die Art und Weise wie jeweils im Schnelldurchlauf die Eigenheiten und Gewohnheiten eines Landes beobachten und wiedergeben, macht einen Großteil des Buches und seines Charmes aus. Man darf sich keinen Reiseführer vorstellen, sondern einfach ein Buch, in dem zwei sehr wache und mit sehr trockenem Humor gesegnete Geister einfach das schildern, was sie erleben und hierüber reflektieren. Und da man auf einer Weltreise in kürzester zeit so vieles erlebt, so viel Ungewöhnliches und Einzigartiges, kommen jede Menge Anekdoten zusammen.

Geärgert habe ich mich, diese kleine Erxkurs sei gestattet, dass Deutschland extrem schlecht bei wegkam. Man kann selbst Staatsbürgder des Landesd sein, das die Atombombe abgeworfen hat und Schwarze jahrzehntelang versklavt und anschließend nochmals jahrhundertelang diskriminiert hat. Man kann Russland durchreisen und die Mongolei, Dschingis Khan als persönliches Idol preisen, ohne ein schlechtes Wort darüber zu verlieren. Aber wer sind die Bösen schlechthin? Natürlich die Deutschen wegen ihrer Nazivergangenheit! Einer der Autoren fragt einige junge Deutsche, ob sie sich schämen bzw sich verantwortlich fühlen würden für diese Vergangenheit. Erst die Gegenfrage, ob er sich dafür schämt, dass seine Vorfahren Sklaven gehalten und schwarze Kinder bespuckt haben etc., brachte ihn zum Verstummen und zum Nachdenken.

Abgesehen davon hatte ich viel Spaß beim Lesen und viel zu lachen! Das Vorhaben an sich ist wahnwitzig und beneidenswert, die Art der Schilderung und Nacherzählung höchst unterhaltsam und macht es zu einem der lustigsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe.
Was ich mich gewünscht hätte bei solche einem Buch wären ein paar Fotos gewesen und ein nicht ganz so abruptes holterdipolter-Ende. Ein kleiner Epilog wäre nett gewesen – fand ich. Trotzdem finde ich 5 Sterne absolut verdient, da das Buch liebevoll und merkbar mit Herzblut geschrieben und gestaltet wurde (bemerkenswert fand ich zB auch die Seitenzahlen, die sich nicht immer an der gleichen Stelle befinden, sondern vom Anfang bis zum Ende des Buches einmal rund um den Text „wandern“) !

rating5

PS: Wie ich soeben erfahren habe, gibt es zumindest online Fotos von der Reise, und zwar bei Facebook! Unbedingt anschauen, sehr sehenswert! (Vor allem wenn man das buch schon gelesen hat. Hat einen gwissen Wiedererkennungseffekt: „Aaaaach das, soooo sieht das aus!!“

4 thoughts on “Die Wette

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