New Moon

Anfangs fand ich es ganz genau wie Twilight. Dann ging Ätwort weg, und ich empfand es als Erleichterung, da ich diesen zwar an sich mochte, andererseits auch stellenweise extrem nervig und nicht schlüssig fand mit seinem unglaubwürdigen Bad-Boy-Gehabe.
Bella wird verlassen, und ich hatte aufrichtiges Mitleid mit ihr. Immerhin versucht sie erstaunlicherweise, das beste daraus zu machen (musste sie doch Eddie zuvor noch versprechen, nicht von der nächsten Breücke zu springen und auch zumindest zu versuchen, sich nicht wieder ständig versehentlich wehzutun). Sehr verblüffend auch, dass sie plötzlich Kontakt zu Gleichaltrigen sucht, jedoch wird schnell klar, dass sie an diesen nicht wirklich Interesse hat und den Kontakt noch nicht einmal deswegen sucht, um sich ehrlich abzulenken oder neue Freunde zu finden. Nein, ausschließlich um Ruhe zu haben vor ihres Vaters Sorge, dem ihre Zurückgezogenheit und ihr Liebeskummer bedenklich sind, geht sie auf andere zu und verabredet sich beispielsweise im Kino. Dass sie kein ernsthaftes Interesse hat, sondern andere für ihre zwecke benutzt, wird an mehreren Stellen überdeutlich. Sie sucht sich zB gezielt Jessica für einen Ausflug ins Kino aus, da diese erfahrungsgemäß zu gerne redet und Bella somit nicht in die Verlegenheit kommen muss, selbst allzuviel erzählen zu müssen.

Vermutlich bin ich einfach zu dumm um zu begreifen, wie Frau Meyer das wirklich GEMEINT hat, aber auf mich wirkt Bella intrigant, langweilig und als Charakter sehr flach und einseitig. Auch die „Freundschaft“ zu Jacob ist von sehr viel Eigennutzdenken geprägt, und sobald Edward wieder auftaucht, ist Jake auch schon wieder abgeschrieben. Was bleibt ist jedoch der Wunsch „still friends“ zu bleiben, was wohl eher so aussehen soll, dass er ihr weiterhin bei Bedarf ihr Moped frisiert.
Kaum ist Edward wieder da, dreht sich fortan auch schon wieder Bellas gesamtes Denken und Handeln ausschließlich um ihn. Das hat schon nichts mehr mit Verliebtsein zu tun, sondern grenzt an Selbstaufgabe. Mir kann keiner erzählen, dass dies die wunderbare Geschichte einer einzigartigen und außergewöhnlichen Liebe ist! Zur Liebe gehören auch Konflikte, und die gibt es hier einfach nicht (von diesem unglaubwürdigen „ich bin gefährlich für dich“ jetzt mal abgesehen). Bellas Liebe zu Edward ist auch nicht einzigartig, sondern flach, eindimensional und schlicht blauäugig, oberflächlich und auf Äußerlichkeiten fixiert. Ziele, Wünsche, Lebensentwürfe? Fehlanzeige! Von Edward gebissen werden und huiiiii ab in die Ewigkeit mit ihm ist alles, was die gerade 18jährge Bella sich wünscht – etwas anderes wird gar nie erst ernsthaft in Betracht gezogen.

Dass Bella so viele Märchenfiguren trifft, lasse ich jetzt mal außen vor. Ist ja ein Fatasybuch, da muss das wohl so. Bemerkenswert finde ich dennoch, dass es immer potenziell gefährliche, ja lebensbedrohliche männliche Gestalten sind, die Bella stets vor sich selbst „warnen“, sich jedoch unwiderstehlich zu ihr hingezogen fühlen und ihr geradezu verfallen. Erst ein Vampir, dann ein Werwolf. Ich kann mir nicht helfen, aber die Metaphorik finde ich so erdrückend, dass es schon fast lächerlich ist.
Bemerkenswert auch, dass all diese Gestalten sich zu Bella trotz des gänzlichen Fehlens positiver Charaktereigenschaften so sehr hingezogen fühlen. Apropos Charaktere: Ich persönlich fand sämtliche Figuren ebenso schlecht skizziert und ebenso leblos wie in Twiligt, eigentlich eher noch schlimmer. Der einzige, der mir wirklich sympathsich war, war Jacob Black.
Es wird sehr stark auf Äußerlichkeiten abgestellt, das Innenleben wird nicht wirklich skizzert; ich hatte bei keinem den Eindruck, dass Frau Meyer sich da großartige Gedanken gemacht hat, wie diese Person sein soll oder den Leser zu einem bestimmten Bild von den Personen „lenken“ wollte. Edward ist schön und ansonsten einfach TOLL. Mit Jacob ist es das gleiche in Grün, nur dass der auf andere Weise toll ist. Und Bella muss ja eh toll sein, weil sich alle interessanten Fabelwesen um sie reißen. Ich finde die Figuren alle nicht sonderlich glaubhaft oder authentisch.

Das Buch war dann über weite Strecken so dermaßen brutalst langweilig, dass ich trotz massig Zeit wg Krankschreibung am Tag vllt mal so 30 oder 40 Seiten geschafft habe. Ich mag nicht mehr. Wie soll ich die beiden restlichen Bände noch schaffen, die ich mir in einem Anfall von geistiger Umnachtung auch noch angeschafft hatte vor 2 Wochen??
Sprachlich bleibt Meyer auch im zweiten Band sehr eindimensional. Ihre Lieblingsverben sind glare, mutter, chuckle und gasp, alle vier werden geradezu inflationär gebraucht. I glared at him and he glared at me and then he muttered this and I glared back and then he chuckeld and glared at me and he said this and I gasped that… Die Dialoge fand ich insgsamt jedoch deutlich besser und lockerer/witziger als im ersten Band, was vor allem daran liegt, dass sie in diesem Falle nicht zu 93% aus gegenseitigen Liebesbeteuerungen und Hachdubistsotoll! bestanden (weil Ätwort ja die meiste Zeit sowieso nicht da ist).

Meyers Plot-Repertoire erschöpft sich leiderleider in „Bella ist in Gefahr – Bella wird gerettet – alle lieben Bella“. In Ermangelung des tollen, wunderschönen Edwards fallen zwar in diesem Band dankenswerterweise die pausenlosen, gebetsmühlenartigen Lobpreisungen seiner übermenschlichen Schönheit weg, was ich sehr begrüßt habe. Aber außer sehr viel Seufzen und Augenverdrehen passiert leider auch nicht viel Neues, weil diese Kackbratze die sozial komplett inkompetente Bella ja überhaupt nichts mit sich und ihrem Leben anzufangen weiß und die Handlung fast 600 Seiten lang wie gewollt und nicht gekonnt vor sich hin plätschert.

Mein absolutes Highlight übrigens: Bella springt von einer Klippe ins Meer, und als sie wieder aufwacht, fragt Jacob sie, warum sie denn gesprungen sei. Ihre schlaue und sehr erwachsene Antwort (sinngemäß): „Weiß ich auch nicht mehr. War ne blöde Idee.“
Na dann!

rating1
Vielleicht auch ganz knapp rating2 – irgendwie muss das ja honoriert werden, dass Frau Meyer immerhin auch was anderes eingefallen ist als schwülstige Liebesbeteuerungen und Lobgesänge auf Edwards Schönheit.

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13 Kommentare zu “New Moon

  1. Liebste Maren,
    schön zu hören und zu sehen, dass es dir wieder besser geht!
    Nicht schön ist allerdings dieses „Gemaule“ über New Moon oder überhaupt zur Twilight-Saga, denn alle Kritikpunkte sind ja hinlänglich bekannt. Mich hätte viel mehr interessiert den Grund für den Hype zu erfahren, denn irgendetwas muss ja dran sein. ;-)
    LG

  2. beim shoppen heute hab ich am bahnhof ein junges mädel sitzen sehen, das scheinbar grade mit twilight begonnen hatte, und ich wollte rüber gehen, sie schütteln und sagen „kind, verschwende deine zeit nicht. lies lieber ein GUTES buch.“ – aber ich hab es nicht gemacht, weil man ja tolerant sein und jedem seine freude an was auch immer lassen soll. ;)

    gründe für den hype sind sicher, u.a., das wahrscheinlich vor allem frauen auf geschichten dieser art stehen. unscheinbares mädchen lernt traumtypen kennen, der sich dann auch noch unsterblich in sie verliebt. welches 14jährige mädel, das nicht zu den cheerleadern gehört, und somit einen der footballer abkriegt, wünscht sich keine so unglaubliche „lovestory“? da kann man schön daheim eingegraben hocken, und das ganz toll finden und vom eigenen edward träumen. – trifft sicher auch auf die leserschaft zu, die dem teeniealter entwachsen ist. wobei ich persönlich halt echt NULL mit dieser grauenhaften umsetzung, der an sich interessanten geschichte, anfangen konnte und mich schlicht und einfach zu „alt“ und anspruchsvoll für dieses geschreibsel fand!
    – zugegebenermaßen bin ich ja durchaus auch bis zu einem gewissen grad für solche geschichten empfänglich. aber grade dieser eindimensionale und (mMn!!!) sehr stümperhafte schreibstil von stephenie meyer machen das ganze zu einem absolut blutleeren buch.

  3. Naja, ich denke was an der Twilightserie vermutlich den größten Reiz für viele Leserinnen hat ist die Tatsache, dass der eigentlich so „bööööööööse“ Edward bei Bella handzahm wird. Und dass Bella halt eine so schrecklich „Normale“ ist, tut wohl auch sein Übriges.

    Bad Boy ist in Wirklichkeit gannnz lieb und steht auf mich – ich glaube, das ist es, was so gut ankommt. Weißte, das könnte ich sogar noch nachvollziehen, wenn wenigstens mal schlüssig dargelegt würde, was an Edward so toll ist. Aber außer dass er halt unverschämt gut aussieht und redet wie einer aus dem letzten Jahrhundert, wird er ja nicht näher beschrieben.

    (Und ganz ehrlich, wenns schon einer aus dem letzten Jahrhundert sein müsste, dann nehm ich ohne zu zögern viel lieber Gilbert Blythe!!! :D)

  4. „Aber außer dass er halt unverschämt gut aussieht und redet wie einer aus dem letzten Jahrhundert …“

    – hat er zwei Medizin-Abschlüsse, könnte also als Arzt praktizieren
    – spielt perfekt Klavier und komponiert Schlaflieder
    – ist nachdenklich und in sich gekehrt- „Was passiert mit uns? Haben wir unsere Seele verloren?“
    – ist mehr als tolerant (Jacob-Geschichten, kommt noch)
    – liebt tief und ehrlich- „Du bist jetzt mein Leben“ – Geschwister können bezeugen, dass er in knapp 100 Jahren nie Interesse an Frauen hatte
    – ist stark. Frauen lieben Stärke, eine Schuler zum Ausheulen und jemand der sie beschützt


    und hat, öh, irgendwie garkeine Schwäche.
    Er versinkt nicht in Selbstmitleid, macht nicht mit anderen Frauen rum, stellt sich nicht als etwas besonderes oder besseres dar, hat Selbstbewusstsein, hält seine Eifersucht unter Kontrolle, engt Bella nicht ein, schaut, was ihr gut tut und nicht ihm selbst … ich könnte ewig weiter machen ^^

  5. Nur tritt das alles so wahnsinnig in den Hintergrund. Dass mit dem Medizinabschlüssen wusste ich zB nicht mal, kann aber auch sein, dass das erst später dran kommt.

    Wenn 1x erwähnt wird, dass er hübsch Klavier spielen kann, stehen dem mindestens 3 Erwähnungen seiner Schönheit gegenüber. Ich hätte erwartet, dass sich das nach dem 1. Band abgenutzt hat und Bella vllt auch mal schlüssig darlegen kann, warum sie ihn sooooo sehr liebt.

    Übrigens finde ich seine Liebe zu B. genauso schlecht nachvollziehbat wie umgekehrt. Was liebt er an Bella? Man weiß es nicht.
    Dafür, dass diese Liebe sooooo groß und so stark ist, wird erstaunlich wneig über die Gründe hierfür nachgedacht.

  6. Ich könnte mir vorstellen, dass er an ihr interessiert ist, weil sie die einzige Person ist, deren Gedanken er nicht hören kann.
    Wenn Du von jedem alles noch so banale mitbekommst – und auch die gesamte Gehässig- und Einfältigkeit, dann wirkt jemand, der ruhig ist schon wie ein riesigen Geheimnis.
    Geheimnisse sind anziehend. Dazu kommt ihr betörender Geruch.
    Und naja, wirklich „scheiße“ ist sie ja nicht. Sie sieht gut aus, weiß es nur nicht. Sie ist normal freundlich, normal begabt und intelligent …

    Ich glaube wenn die beiden ihre Liebe logisch begründet hätten, dann würden ihre Gefühle nicht auf die Magieschiene begründet werden können und wären damit genauso imperfekt und instabil wie die aller anderen.

    Liest Du weiter? Oder landen die Bücher bei Tauschticket?
    Oder werden sie Deko im Regal? ^^

  7. Ja, mir persönlich reicht das halt nicht. Man muss ja nicht jede Gefühlregung zertören und durch Worte begründen, aber in diesem Falle ist mir das alles etwas zu wischiwasche und „des isch halt so“-mäßig.

    Den 4. Teile möchte ich auf alle Fälle noch lesen, ob ich für den (ja auch recht umfangreichen 3.) noch den Nerv habe, weiß ich allerdings aktuell nicht.
    Behalten werde ich die Bücher alle, denn immerhin sehen sie im Regal sehr hübsch aus.
    Aber eventuell, falls ich irgendwann mal Tickets brauche… die gehen ja weg wie geschnitten Brot.

  8. Also ersteinmal denke ich dass du keine Ahnung vom Sinn dieser Bücher hast. Ich meine wer schreibt schon „Ätwort“ wo man es doch „Edward“ schreibt… Und außerdem müsst ihr doch alle Twilight lieben wenn ihr schon eure Freizeit damit verbringt alle vier Teile zu lesen oder etwa nicht? Ach ja und keiner zwingt dich dazu. ;) ich finde wenn einem die Bücher eh nicht gefallen sollte man sie doch auch lesen. Denn wenn „du nicht den Nerv dazu hast“ dann lass es doch einfach, meinst du nicht?

  9. :D

    Wir lieben die Bücher, ja. Ekelfaszination, schon mal was von gehört? ;)
    Und was hat der „Sinn“ der Bücher damit zu tun, wie ich den Namen Ätwort/Edward schreibe?

    Hast du dich denn mit dem „Sinn“ auseinandergesetzt?

  10. Hm und ich bin mir gerade ernsthaft am Überlegen, mir alle vier Bücher anzuschaffen. Aber wenn ich das bei dir so lesen, dann kommen mir wieder Zweifel…

    • Ausprobieren! Die Bloggergemeinde hatdie Serie ja nun für sich entdeckt, also muss irgendwas dran sein (ich verstehs nur nicht…)

      ;)

  11. Pingback: Monatsliste Februar 2009 « Bibliomanie

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