Eine Frau in Berlin

Eigentlich keine richtige Rezension, nur ein „Leseeindruck“:

Ich habe das Buch gestern angefangen und nach knapp unter 100 Seiten schon wieder abgebrochen, weil ich damit einfach nicht zurecht gekommen bin und mich so geekelt habe, dass ich nicht weiterlesen konnte.

Aufmerksam wurde ich schon vor Monaten auf dieses Buch, als ich im Kino war und dort der Trailer zu dieser Buchverfilmung gezeigt wurde. Das hörte sich spannend und interessant an, so dass ich mir bald darauf das Buch besorgt und jetzt endlich gelesen habe. Tja, im Grunde hätte ich wissen müssen, worauf ich mich einlasse: Tagebuchaufzeichnungen sind nunmal unzensiert, und der Hauptinhalt sind die Gewalttaten der in Berlin einfallenden Russen.

Die Aufzeichnungen lesen sich sehr flüssig, und sowohl Sprache als auch einige Inhalte lassen darauf schließen, dass die Schreiberin sehr gebildet war. Die ersten Tage beinhalten primär Beschreibungen des Alltags im zerbombten Berlin: Besorgung von Lebensmitteln, Hunger, der völlige Mangel an nahezu ALLEM, inclusive Wohnraum. Die endlos langen Stunden im Luftschutzkeller.
Dann fallen die Russen in Berlin ein und machen vor so gut wie keiner Frau Halt.

Diese „Schändungen“ – an der Schreiberin selbst und auch anderen Frauen – werden lakonisch und distanziert, ja beinahe beiläufig beschrieben. Teils detailliert, teils aber auch so schwammig, dass ich mich fragte „haben sie jetzt, oder haben sie nicht…?“ Insgesmt hat mich das so geekelt, so abgestoßen, dass ich irgendwann nur noch dachte – no way! Sowas les ich nicht!

Es muss kein schlechtes Buch sein, die Sprache hat schon was für sich, und auch als „Zeitdokument“ hat es sicherlich seinen Wert, wenn man sich dafür interessiert. Aber ich habe einfach generell ein Problem damit, wenn Gewalt in Büchern zu häufig und zu detailliert geschildert wird. Das wird auch nicht dadurch besser oder anders, dass das Buch ein „Zeitdokument“ und eine wahre Begebenheit ist.

Eigentlich mag ich keine Wertung für das Buch abgeben. Ich mochte es wie gesagt nicht, aber die Schreiberin hat es nicht „für uns“ geschrieben, sondern „für sich“, insofern tu ich mich irgendwie schwer damit, die gefühlten 2 Sterne zu vergeben.

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11 Kommentare zu “Eine Frau in Berlin

  1. mit gewaltschilderungen hab ich mitunter auch große probleme, obwohl mich gar nicht mal als „sensibelchen“ einschätze. – in krimis kann ich ganz gut damit leben, weil es dann zur geschichte gehört.
    aber sobald es schilderungen über wahre begebenheiten sind, kann ich es auch schwer ertragen.
    (gleiches gilt da auch für bewegte bilder. in „fiktionalen“ filmen kann ich es leichter verarbeiten, als wenn es um dokus ect. geht)

  2. Dieses Buch habe ich vor ca. einem Jahr weniger als literarisches Werk gelesen, sondern eher als Zeitdokument. Die Beschreibung des Kriegsalltags zunächst in Berlin, die Belagerung der Alliierten, die „natürlichen Sorgen“ der Einwohner wie man Wasser und Nahrungsmittel beschafft als Beispiel oder aber die Besatzungszeit durch die sowjetischen Truppen mit den darauffolgenden Schrecken, den Massenvergewaltigungen als Beispiel, der Suche nach Angehörigen und die Heimkehr der Männer, die mit Abscheu auf ihre Frauen reagieren, als hätten sie sich freiwillig diesen Männern hingegeben.

    Beeindruckt hat mich dabei weniger das Geschehen als viel mehr die Art, wie die Protagonistin Anonyma die Ereignisse schildert – stoisch, geradezu rational, ohne jede Form von Pathos oder Pessisismus, Traurigkeit oder Melancholie. Geradezu grotesk erscheint es, wenn sie auf Freundinnen oder ehemalige Bekannte trifft, mit ihnen lacht und sogar Witze über den Akt der Schändung reißt.
    Diese Distanz zu den Verbrechen, zum eigenen Körper, der in den Sekunden und Minuten verletzt und seelisch zerstört wird, ist einerseits beeindruckend, andererseits fühlte ich mich genauso wie Maren davon abgestoßen.

    Viele bezeichnen dieses Werk ja als Dokument der sexuellen Gewalt gegen Frauen in der Nachkriegszeit. Das mag seine Richtigkeit haben, was für mich aber viel entscheidender ist, ist die Tatsache, wie die Generation der Männer, der Kriegsheimkehrer, aber auch der männlichen Bewohner Berlins reagiert.
    Der Lebensgefährte von Anonyma als Beispiel ist schockiert von ihrem Verhalten, schockiert von ihrer Reaktion als er fragt, was denn „Schdg.“ bedeutet („“Na, Schändung“, lacht sie.“), abgestoßen von ihrer Amoralität, wie er es nennt. Oder aber, wenn von Kellerszenen die Rede ist, wo eine junge Frau aus dem gebäude gezerrt werden soll und die einzige Reaktion der männlichen Bewohner ist: „Nun gehen sie schon mit! Sie bringen uns ja alle in Gefahr!“ –> Die Hilflosigkeit der männlichen Bevölkerung, die vorher einen Männlichkeitskult, einen Überlebenskult, feierte, ist geradezu bezeichnend und erzeugt bei mir eher eine Abscheu vor dem männlichen Geschlecht als vor den Frauen, die sich einen „russischen Beschützer“ gesucht haben.

    Aber wie gesagt, ich kann deine Haltung nachvollziehen – mir war es teilweise zuviel, teilweise zu „rational“, zu „hart“. Mehrmals habe ich das Lesen unterbrochen, musste mich ablenken. Es ist harter Tobak, was dort geschildert wird, aber doch ein wichtiges Zeitdokument. Von dem Standpunkt her hat sich die Lektüre gelohnt.

  3. @ Carolin : Wenn es mal „erwähnt“ wird in einem Krimi, habe ich da auch keine Probleme mit. Ansonsten ist da für mich kein Unterschied ob wahr oder fiktional. Ich möchte auch zB nix lesen von Karin Slaughter (schon der Name!!!) und Kate Pepper, weil die ja wohl auch ziemlich schlachtfestmäßig sein sollen. Was ich auch absolut nicht lesen will, sind Bücher über Gewalt an Kindern. Da gibts auch sehr viele Thriller drüber, und wenn ich im Klappentext lese, dass da ein Kind entführt wird etc., hat das Buch bei mir schon verloren.

    Halte mich auch nicht für sooo sensibel, aber ich mag darüber einfach keine Bücher lesen. Eine Ausnahme war American Psycho. Obwohl das wirklich hart zu lesen war, hab ich durchgehalten.

    @ Sternenwanderer: Ich wollte das Buch auch mehr als „Dokument“ lesen, aber es ging echt nicht mehr. Das Problem war wohl in erster Linie, dass ich auch keine Beziehung zu der Schreiberin aufbauen konnte. Gerade weil sie so rational und beiläufig alles schildert, so ohne jede „Wertung“ oder Erklärung. Wäre das emotionaler eingefärbt gewesen, hätte ich wohl eher mitfühlen können, aber so hat mich alles irgendwann nur noch abgstoßen. Ich verstehe aber auch, dass man das andererseits beeindruckend finden kann, denn auf seine Weise machts das ja nur noch schrecklicher. Es zeigt, was für Anstrengungen notwendig waren, um das überhaupt zu überleben, und dass man es nicht an sich heranlassen durfte.

    Es ist sicherlich ein auf seine Weise interessantes und für manche auch ergreifendes Buch, aber ich komme mit solchen Schilderungen nur sehr schlecht klar.

  4. ich persönlich bin ich echten leben schon eher ängstlich. ich hätte schon immer angst beim gassi-gehen mit meinem hund nachts um elf. mich könnte ja einer ins gebüsch zerren, mich abstechen, erschiessen oder so. ziemlich irrational, vor allem hier auf dem dorf. – und diese angst wird durch dokus und dergleichen (z.b. aktenzeichen xy) noch geschürt. das führt mir so vor, dass diese dinge durchaus passieren, und eben nicht nur fiktion sind.
    deswegen les ich auch lieber krimis die nicht in deutschland spielen, obwohl das natürlich auch vollkommener quatsch ist. ob da jetzt in den usa/england/skandinavien gemordet wird ist ja egal. – aber wenn es nicht „mein direktes umfeld“ ist, kann ich das leichter wegschieben. wohl nicht logisch, aber so funktioniert es für mich. ;)

  5. Haha, bei mir genau umgekehrt ;) Ich hab meistens nicht wirklich Angst bei Krimis, zumal ich diese Abschlachtgeschichten ja sowieso meide. Abe ich hab zB auch nie dieses Buch von Jilliane Dingenskirchen lesen können, weil da glaub ich ein Vergewaltiger über den Balkon einsteigt. Ich hätte vermutlich Todesangst gehabt, also schau ich schon was ich lese.

    Aber generell lese ich am liebsten Regiokrimis, weil wenn da eine Jennifer Thompson in New York umgebracht wird, tangiert mich das nicht so sehr bzw ich finds nicht so spannend als wenn das eine Mathilde Degen ist und das ganze Geschehen in der Stadt sich abspielt, in der ich slebst mal gelebt habe. Gerade hab ich einen Krimi gelesen, der in Hannover spielte, und ich fands einfach total toll, dass da ständig Gebäude, Straßennamen und Stadtteile erwähnt wurden, die ich genau kannte.

  6. WAH! genau das find ich eben so gruselig. – die einzigen deutschen krimis die mir grad einfallen, die ich auch wirklich regelmäßig lese, sind die mit dem kluftinger. – bei allem anderen ist mir grad die räumliche nähe zu nervenaufreibend. ;) was einer trulla in hamburg oder köln passiert, könnte ja mich genauso treffen. – wenn das in NY oder sonstwo auf der welt passiert, tangiert mich das weniger.
    wie gesagt: vollkommen unlogisch, aber so geht es mir mit krimis. ;)

  7. Ich find beide Sichtweisen „logisch“ und für sich nachvollziehbar.
    (Wahscheinlich dnek ich auch immer „Ach, ausgerechnet in Hannooooooover… das passiert sowas doch eh nicht, ist ja alles nur ausgedacht!“ ;))

    Wenns zu weit weg passiert, ist mir das bei Thrilern meistens zu langweilig, abgesehn davon kann ich nicht gut mit diesen ganzen taffen CSI Detectives etc.

  8. Ich weiß gar nicht, ob ich eher die distanzierte oder die emotionale Schilderung solcher Geschehnisse verstörender finden würde. Wenn so etwas eher nüchtern geschildert wird, lässt das ja mehr Platz für eigene Eindrücke/Vorstellungen/Gefühle, vielleicht ist es deshalb schlimmer.

    Krimis machen mir selten Angst, ich denk mir da immer: Hier bei mir kann sowas ja eh nicht passieren. Erst wenn ich z. B. in der Zeitung lese, dass irgendwo in der Nähe eingebrochen oder jemand überfallen wurde mach ich mir Gedanken, obwohl das, was in den Krimis geschildert wird, ja auch irgendwo Realität ist. Richtig vorsichtig beim Lesen muss ich nur bei Geistergeschichten sein (oder allgemein alles, was mit so parapsychologischen Themen zu tun hat), obwohl ich in keinster Weise an Geister o. ä. glaube, aber da hab ich immer wieder mal schon Todesängste ausgestanden beim Lesen :D

  9. Eva, kommt auch immer ein bisschen drauf an.

    In diesem Falle steigt man „irgendwo“ mitten in die Handlung ein, man weiß nichts über diese Frau, und dann legt sie mit solchen Schildeurngen los. Da hat es mir auch nicht geholfen, mir zu sagen, dass das kein fiktionales Werk ist und niemand auf den Aufbau der Charaktere geachtet hat, sondern dass die Schreiberin es eben SO un dnicht anders erlebt hat. Es gibt keine Rahmenhandlung, kein Drumrum. Das hats mir schwer gemacht, da irgendwas zu empfinden. Sie war mir eigentlich als Person egal, die Schilderungen haben mich abgestoßen… das hatte keinen Sinn mehr, es weiter zu lesen.

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