Lappalie

Zu diesem Buch bin ich quasi gekommen wie die Jungfrau zum Kinde: Ich wurde von der sehr sympathsichen Autorin Kirsten Marohn gefragt, ob ich ihren Debütroman lesen und rezensieren würde. Da ich immer für intelligente, schlagfertige und unschnulzige Frauenromanchen zu haben bin, war ich natürlich sofort dabei.

„Lappalie“ erzählt die Geschichte der Anfangsdreißigerin Jasmin, seit 12 Jahren verheiratet und berufliche Regalauffüllerin. Viel mehr erfährt man als Leser leider nicht über sie, außer dass sie eine beste Freundin Lisa hat, einen netten Schwager Sven, der ihr immer schöne Augen macht und einen reichen, etwas blasierten Schwiegervater, Gynäkologe von Beruf.
Dieser Schwiegervater hat die damals frisch verheiratete Jasmin am Silvesterabend vergewaltigt. Dies hat bei Jasmin so tiefe seelische Wunden hinterlassen, dass seither ihr eheliches Sexleben drunter leidet. Hinzu kommt noch dass Gatte Henrik sich im Laufe der Jahre eher als Alptraummann entpuppt hat.

Das Buch lebt von den lebendigen Dialogen, derer sich jedoch für meinen Geschmack etwas zu intensiv bedient wurde. Ich fand es teilweise schwierig, die eigentliche „Handlung“ herauszufiltern, da manchmal seitenweise nur geredet wurde. Die Dialoge sind mal schlagfertig, mal nachdenklich – aber immer an der richtigen Stelle!
Die titelgebende Lappalie ist meiner Interpretation nach die 12 Jahre zurückliegende Vergewaltigung durch den Schwiegervater, dem Jasmin nun aus dem Weg zu gegen versucht, was aufgrund der Verwandtschaftsverhältnisse nicht immer gelingt. Bei mir selbst habe ich beobachtet, dass ich diese Begebenheit als „Lappalie“ abtun wollte. Ich gebe zu, dass ich keinerlei Erfahrung mit sexueller Gewalt habe, aber die hier aufgezeigte Darstellung erscheint mir persönlich nicht ganz realistisch. Dass solch ein Erlebnis Wunden schlägt, möchte ich mir nicht anmaßen zu bezweifeln, jedoch sind 12 Jahre auch eine sehr lange Zeit, in der viele Wunden heilen und Menschen sich ändern und vieles verarbeiten können. Insofern erscheinen mir Jasmins Probleme ein wenig zu sehr dramatisiert.

Als Kerngeschichte habe ich die „Beziehung“ Jasmins zu ihrem Schwager Sven erlebt, der sie mehr als nur zu mögen scheint, und der Schluss geht dann auch richtig ans Herz!
Insgesamt sehe ich das Buch als eine Geschichte über Vertrauen, über die „richtigen“ und wichtigen Menschen im Leben und darüber, wie eine Frau nach einer schlimmen Erfahrung in jungen Jahren ihr Leben wieder selebst in die Hand nimmt, nachdem sie jahrelang sich in ihr Schicksal gefügt hat.

Etwas lebendiger gezeichnete Charaktere und etwas mehr Erzählen statt Reden hätte das buch in meiner Wertung noch etwas ansteigen lassen. Aber was im Debütroman nicht war, kann ja in den Folgeromanen noch kommen, die bereits in Arbeit sind! ;)

Wer neugierig geworden ist und sich selbst ein Bild machen möchte, für den bietet Kirsten auf ihrer Website eine umfangreiche Leseprobe an!

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Ein Kommentar zu “Lappalie

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