Wölfe und Lämmer

Das war mein erstes Buch von Susanne Mischke, die ich schon vor 12 Jahren mal auf meiner „To Read“ Liste hatte, die dann aber zwischenzeitlich wieder rutergerflogen ist aufgrund von Interessenverschiebung. Wölfe und Lämmer gabs dann mal als ME, und ich habe zugeschlagen, da es sich ganz interessant anhörte.

So viel zum Vorgeplänkel. Das Buch selbst fand ich so lala. Irgendwie war das nicht hü und nicht hott. Für einen Krimi fand ich es überhaupt nicht spannend genug, für ein Soziogramm wars psychologisch zu schwach, die Charaktere waren mir (teilweise) nicht intensiv genug gezeichnet. Das Ganze schien mir überhaupt keinen Sinn und kein „Ziel“ zu haben. Irgendwie plätscherte das so vor sich hin, und das einzige, was mich bei der Stange gehalten hat, war die Tatsache, dass das Ganze in und um Hannover spielt und ich dort selbst mal 3 Jahre lang gelebt habe.

Gut und interessant fand ich ein dort beschriebenes Experiment mit der Auswilderung von Wölfen (daher auch der Titel, wo die Lämmer herkamen hat sich mir dagegen nicht so recht erschlossen) Nicht so gut fand ich, dass „der Fall“ (es ist schließlich ein Kriminalroman!) erst recht spät in die Gänge kam und man sich vorher erst durch seitenweise Bauernhofbeschreibungen und Liebesbeziehungswirren wühlen musste. Den Fall selber fand ich dann ehrlich gesagt recht unspektakulär, ja beinahe langweilig und vorhersehbar und die Auflösung… nunja, irgendwie hat es mich nicht wirklich überrascht.
Insgesamt waren mir da zu viele Handlunsstränge drin, von denen keiner so richtig in die Pötte kam und die auch nu mit viel gutem Willen als zusammengehörig empfunden werden können: Die Biologin mit den Wölfen, der angeblich rassistische Fernsehrichter, die „mysteriöse“ Nasrin, ein entflohener und natürlich hoch gefährlicher Anstaltssträfling, äh… was war noch? Brandstiftung, richtig – und nicht zuletzt der Tote auf der Kellertreppe.

Positiv aufgefallen ist mir, dass die Ermittler hier nur Randfiguren waren, und sich der Roman eher auf die Personen im Inneren der Geschichte konzentrierte. Mir ist schon so mancher Krimi mit an sich guter Story vergällt worden durch absolut unerträgliche Ermittlungsbeamten, Kommissare, Detektive und sonstiges Geschmeiß Gesocks.
Angenehm fand ich am dem Ganzen unterm Strich auch den Schreibstil, obwohl ehre unspektakulär und obwohl ich mir von diesem ganz was anderes erwartet hätte. Die oftmals gezogenen Vergleiche mit Ingrid Noll kann ich wirklich überhaupt nicht nachvollziehen. Noll ist eine meiner liebsten Autorinnen überhaupt (genreübergreifend), ich habe alles von ihr gelesen. Noll schreibt in einem sachlich-lakonischen Stil und hat einen bitterbösen, rabenschwarzen Humor. Davon hat Frau Mischke sowas von überhaupt gar nichts, zumindest nicht in dem vorliegenden Buch. Der Schreibstil ist im Gegenteil beinahe ausschmückend, und dass Noll-typische Bitterböse, das noch dazu mit stoischer Gelassenheit vorgetragen wird, fehlt hier gänzlich.

Dennoch habe ich heute einen zweiten Roman von der Frau Mischke begonnen, da ich in einigen Foren und Blogs gelesen haben, dass „Wölfe und Lämmer“ eher zu ihren schlechteren Büchern gehören soll und ich das Buch jetzt auch nicht so schlecht fand, dass ich gar nichts mehr von ihr wissen will. Ich mag deutsche Krimis eigentlich am liebsten, und da muss man nehmen, was man kriegen kann ;)

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2 Kommentare zu “Wölfe und Lämmer

  1. Die Eisheilige und Mordskind waren die ersten beiden Bücher, die ich von Susanne Mischke gelesen habe und sie haben mir damals gut gefallen. Um so verärgerter war ich, als ich der Tote vom Maschsee gelesen habe, wo sie meines Erachtens hinter ihren anderen Büchern zurückbleibt.
    Meine Liebe, Geschmeiß bitte nicht für die Bezeichnung von Menschen, auch nicht für fiktive.
    Deutsche Krimis? Astrid Paprotta und zwar Sterntaucher.
    Und natürlich die Dänin Hanne-Vibecke Holst, die ich vorher auch nicht kannte, die aber so ganz anders als die anderen Skandinavierfrauen schreibt.

    Liebe Grüße

    Henny

  2. Ich verspreche, meine Wortwahl nochmals zu überdenken :)

    Gerade habe ich Mordskind angefangen zu lesen, da dieses und die Eisheilge schon mehrfach als die besten von Mischke genannt wurden. An deine angesprochene Rezension erinnere ich mich noch… Es ist erstaunlich, dass so viele Autoren mit der Zeit eher schlechter zu werden scheinen (wobei manche irgendwann auch wieder besser werden).

    Astrid Paprotta sagt mir jetzt tasächlich gar nichts, aber das Buch hört sich tatsächlich gut an, ist schon vorgemerkt! Derzeit bin ich dabei, mich durch das Sortiment des Gmeiner-Verlags zu wühlen, auf den ich erst kürzlich aufmerksam wurde und der sehr viele sogenannte Regiokrimis im Angebot an. So ein bisschen Lokalkolorit mag ich ganz gerne, das ist fast wie der Fernsehtatort zum Lesen.

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