Nein! Ich will keinen Seniorenteller!

Mir hat das Buch nicht so besonders gut gefallen, ich fands mittelmäßig.
Marie Sharp ist sowas wie eine in die Jahre gekommene Bridget Jones und hat auch dieselben Probleme und Themenkreise wie diese: Männer, Alkohol, Parties. Nur dass sie dem Sex jetzt für immer abgeschworen hat als Seniorin (dafür redet sie umso mehr drüber) und dass zusätzlich noch etliche Gesundheitsproblemchen und eingebildete Zipperlein hinzugekommen sind. Ebenso wie BJ ist das Buch in Tagebuchform aus Maries Sicht geschrieben, über einen Zeitraum von etwa 2 Jahren hinweg.

Zwar ist es ganz amüsant zu lesen, wie sie augenzwinkernd von orthopädischen Schuhen erzählt und eingebildeten Krankheiten von Syphillis bis zu Speiseröhrenkrebs, aber so wirklich hat das bei mir nix rausgerissen. Auch ihre zunehmende (oder eingebildete?) Vergesslichkeit wird gerne und häufig beschrieben. Ihrre Erfüllung findet Marie schließlich darin, ihr im Laufe des Buches zur Welt kommendes Enkelkind zu betüdeln.

Das Ganze ist wohl zumindest teilweise als Parodie zu verstehen auf die Art und Weise, wie „Senioren“ die Teilnahme am normalen Leben teilweise abgesprochen wird, denn hier wird viel mit Klischees gearbeitet: Alte Leute sind vergesslich, gebrechlich, stricken oder lesen den ganzen Tag und das höchste der Gefühle ist das Bäuerchen des Enkels.
Marie ist eigentlich noch ausgesprochen fit mit ihren 60 Jahren, findet es aber gut, dass sie nun offiziell Seniorin ist und ungestraft bequemes Schuhwerk tragen darf und ganz legal einfach nur rumgammeln kann. Sie versteht nicht, warum so viele andere sich im Alter noch bilden und beispielsweise Italienisch lernen oder sich sonstwie „fit halten“ wollen. Man sei eben nicht mehr fit und bis man nach Italien käme in dem Alter… das lohne sich kaum. Das Paradoxe ist: Der Titel „Ich will KEINEN Seniorenteller!“ suggeriert eigentlich, dass Marie sich gegen das Alter und das Altern sträubt und auch unbedingt fit, jung und vital bleiben möchte und sich eben NICHT auf das Abstellgleis „Alte Leute“ stellen lassen will. Erwartet hatte ich eine erfrischend „andere“ Alte. In Wirklichkeit findet sie es dann aber (angeblich…) ganz toll, endlich Gesundheitsschuhe tragen zu dürfen und sich nicht mehr bilden zu müssen. Insofern hatte ich mir von dem Buch eigentlich was ganz anderes versprochen – Marie fand ich eigentlich sehr lahm in ihrer Einstellung. (Das ist Ausnahmsweise auch mal kein Übersetzungsfehler, denn das Original heißt „No! I don’t want to join a book club!“)
Vielleicht ist sie ja gerade deswegen so „erfrischend anders“, weil sie sich der (vermeintlichen) Bequemlichkeit des Alters hingibt, aber auf mich hat das Ganze unglaublich langweilig und peplos gewirkt.

Ich persönlich fand das Buch stellenweise lustig, über weite Strecken hin aber einfach nur albern oder gar langweilig. Irgendwie ist alles schnell erzählt und wiederholt sich dann später nur noch. Viele DInge werden kurz anerzählt und dann wieder fallengelassen, so dass ich den Eindruck hatte, es sollte einfach irgendwie das ganze viele Papier gefüllt werden. Mit Marie bin ich das ganze Buch über nicht wrichtig warm geworden, ich fand sie so ein bisschen hochnäsig und trotz der Tagebucheinträge aus ihrer Sicht, fand ich sie distanziert – mir ist sie fremd geblieben, stellenweise sogar eher unsympathsich.

Mein Fazit: Kurzweiliges Buch. Kann man lesen, mus man aber nicht unbedingt. Absoluter Durchschnitt mit Tendenz ins Negative, kein Burner.

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