1975: Im Jahr der Weiber

Hat mir ausgesprochen gut gefallen! Lustischer Titel, ungewöhnliches Cover – sowas springt einem mir in der Buchhandlung natürlich ins Auge.

Im Grunde genommen nichts weiter als eine Aneinanderreihung von Begebenheiten und Begegnungen in den Sommerferien einer Handvoll halbwüchsiger Bengels, die gerade allemiteinander frisch durchs Abitur gerasselt sind und jetzt erstmal zur Erholung durch Frankreich touren, besticht das Buch vor allem durch Unverblümtheit und Authentizität. Sex, Drugs & Rock’n’Roll, so in etwa könnte man den Inhalt beschreiben, und auch wenn das furchtbar oberflächlich klingt – es sind nette Jungens, die wir da begleiten, und irgendwie hat man die ganze Zeit das Gefühl, man kennt das doch alles von irgendwo her, auch wenn man nicht in den 70ern Abitur gemacht hat, sondern eine gute Weile später.

Es gibt hier nicht viel Handlung oder gar Abwechslung. Einer Reise durch Frankreich im VW-Bus. Von einem Campingplatz zum nächsten. Und dann wie gesagt: Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Das Buch zeichnet vor alleim ein Stimmungsbild, und das sehr gekommt. Einerseits ist dieses Abiturientengefühl wohl immer und überall das gleiche (offenbar auch, wenn man durchgefallen ist). Andererseits bekommt es hier einen wunderbaren Retro-Touch der Flower-Power-Zeit, der dieses Lebensgefühl ganz besonders gut transportiert.

Die Jungs halten sich für echte Hippies – Kiffen, Frank Zappa, freie Liebe und so… und begegnen auf ihrer Reise Leuten, die viel mehr Hipppie sind, was unseren Helden viel Bewunderung abringt. Und auch ein wenig Stolz, ebenfalls „dabei“ zu sein, dazu zu gehören. Und irgendwie wäre man dann selbst gerne dabei gewesen – ja, ist es beim Lesen sogar auch!

Diese Rezension wird dem Roman in keinster Weise gerecht. Es fällt schwer, das Buch und die Atmosphäre zu beschreiben, die mich beim Lesen regelrecht aufgesogen hat. Es ist eins der wenigen Bücher, die ich als viel, viel zu kurz empfinde, weil ich gerne noch ein gutes Stück Zeit mehr mit den Leuten darin verbracht hätte.

Kurt Appaz ist ein Pseudonym, wie unschwer zu erahnen ist, wenn man den Nachnamen mal rückwärsts liest. Unter seinem richtigen Namen schreibt Wolfram Hänel Kinder- und Jugendbücher. Und hoffentlich auch bald – egal unter welchem Namen! – noch mehr für Erwachsene.

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6 Kommentare zu “1975: Im Jahr der Weiber

  1. Ich glaub das muss ich auch lesen – möchte zu gerne wissen wie authentisch das ist. Hier dreht sich scheinbar alles um Musik, Haschisch und Mädchen. In genau dieser Reihenfolge. Das war bei mir genauso, es waren nur eben nicht Mädchen sondern Jungs ;-) Wir sind übrigens auch immer nach Frankreich getrampt – seltsam, da zieht es mich heute überhaupt nicht mehr hin.
    LG
    P.S.: bist du tatsächlich über das Buch gestolpert, oder hat dir jemand den Autor empfohlen?

  2. @ dolcevita: Ich bin tatsächlich über das Buch gestolpert, als ich in der Buchhandlung den Tisch mit Neuerscheinungen durchgesehen hab. Cover, Titel und Autorenname haben mich nur so angesprungen, ich MUSSTE das einfach lesen. Den Namen (auch den echten Namen) hatte ich nie zuvor gehört.

    Ich habs wirklich sehr genossen, und 250 Seiten sind viiiiiiel zu wenig gewesen! Ich war ja 1975 noch nichtmal geboren, aber wenn man sogar in dieser Zeit selbst Teenager war, liest man das Buch sicher nochmal ganz anders. Zumal das Buch wohl autobiographisch ist und diese Reise wirklich so stattgefunden hat.

    Wenn du es liest, vergiss nicht, darüber zu berichten! Ich wär gespannt, wie es dir gefällt. Für mich gehört es definitiv zu meinen Highlights des Jahres :)

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