Tupperparty… äh, ich meine Weiberabend

Also dieses Buch geht ja mal echt gar nicht.
Das ist kein Weiberabend, das ist maximal ne Tupperparty für Frauen, die im echten Leben keine Freundinnen haben. Schon auf Seite 20 habe ich mich gefragt, warum Frau Fedler gedacht hat, irgendjemand würde so einen Schwachfug lesen wollen. Nach 40 Seiten habe ich mich gefragt, warum ICH dachte, sowas lesen zu wollen, und nach 60 Seiten hab ich aufgegeben.

Da ich gerne Frauenromanchen lese und dort die Qualität sehr schwankend ist, habe ich wirklich schon viel Mist gelesen, aber der Weiberabend ist wirklich schwer zu toppen an Seichtheit und Belanglosigkeit. Die Ideee des „Weiberabends“ ist ja ganz nett, aber die Themen und die Aufmachung erinnern an die verzweifelten Schreibversuche einer Hobbyautorin. Zum „Plot“: 8 Weibsen um die Anfang 40 treffen sich zu einer Pyjamaparty und sich alle furchtbar aufgeregt deswegen. Das Buch fängt an mit den Steckbriefen der 8 Frauen. Wer Bücher schreibt, der muss doch in der Lage sein, seine Figuren auch ohne solche tabellarsichen Lebensläufe zu charakterisieren! Den Steckbriefen folgt eine wahnsinnig spannende ganzseitige Aufzählung der bereitgestellten Lebensmittel (damit auch ja jeder Depp kapiert, dass so ein Abend mit Freundinnen eine unglaublich aufregende und wichtige Angelegenheit ist und dass da sogar Alkohol konsumiert wird).

Ja und dann gehts los. Freundin 2 kommt zu Freundin 1, und man erfährt über Freundin 2 das, was man schon aus dem Steckbrief weiß. Dann kommt Freundin 3 und man erfährt das, was man schon aus dem Steckbrief weiß. Dann kommt Freundin 3… usw. Zur Abwechslung ruft dann Freundin 4 an und man *gäääähn* …

Nach Freundin 4 hab ich aufgegeben. Ich hab schlichtweg keine Lust, die Namen, das Alter, die Berufe und die Macken von 8 Hausfrauen auswendig zu lernen plus die Namen, das Alter, die Berufe und die Macken der jeweiligen Ehemänner plus die Namen, das Alter, die Berufe und die Macken der insgesamt 18 (!!) Kinder (von Haustieren jetzt mal ganz zu schweigen) – nur um mir dann 350 weitere Seiten von deren Alltagsproblemchen berichten zu lassen. Das ganze Geblubber über die die bettnässenden, aber hochbegabten Kindern und manisch-depressiven Ehemänner geht mir gelinde gesgt am Arsch vorbei interessiert mich nicht die Bohne.

Die beinahe kindlich-alberne und schlichte Sprache setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Ehrlich, dagegen waren meine bisherigen Jahresflops (Sternschnuppen, Die zehn besten Tage meines Lebens) ja noch Gold!

Findet dieses Buch wirklich jemand GUT??


(Ich bin sicher, dass 60 Seiten vollkommen ausreichen, um das zu beurteilen…)

9 thoughts on “Tupperparty… äh, ich meine Weiberabend

  1. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich deine Verrisse super finde? ;)
    Irgendwo tut es mir zwar leid, dass du an so blöde Bücher gerätst, aber darüber zu lesen ist einfach saukomisch. :)

  2. Ich hab auch immer ein schlechtes Gewissen den guten Büchern gegenüber, weil ich über die seltener schreibe als über die schlechten. Aber das macht einfach mehr Spaß ;)

    Muss dir auch nicht leidtun, so ein Verriss entschädigt mich immer für das Buch, harhar! Dieser Monat war zB lesetechnisch ein sehr guter. Da waren ein paar Durchschnittliche, ein richtig schlechtes (dieses hier), aber auch mehrere, die ich mit 4 oder 5 Sternen bewertet habe.

  3. Wow. Das klingt ja hochspannend :D
    Wenn du ‚Frauenromane‘ magst, kann ich Kate Jacobs – The Friday Night Knitting Club empfehlen (zu Deutsch ‚Die Maschen der Frauen‘ :roll: ). Trotz des Titel muss man nicht unbedingt gerne stricken um das Buch genießen zu können (glaub ich zumindest…ich stricke selber, aber auch wenn die Handlung sich auschließlich um die Mitarbeiter und Kunden eines Wolladen dreht wird nicht dauernd gestrickt. Es reicht auch vollkommen zu wissen, dass es sowas wie rechte und linke Maschen gibt, weitere Kentnisse sind nicht nötig ^^). Es ist zugegebenermaßen keine literarische Offenbarung, aber nett zum entspannen :D

  4. Hallo MAren!

    Es ist eine Kunst, auch schlechte Bücher zu besprechen.
    Du machst es äußerst charmant, nach dem Motto: hart aber ehrlich.

    Dein aktuelles Buch: Das Opfer kenne ich schon, hatte ich etwas dazu inspiriert ;-))

    Gruß SilkeS.

  5. Hallo Silke!
    „Hart aber ehrlich“ – das ist schön gesagt und könnte tatsächlich mein Lebensmotto sein ;)

    Was „Das Opfer“ angeht – ich bin von so vielen Seiten dazu inspiriert worden, dass ich gar nicht mehr weiß, wer oder was letztlich den Ausschlag gegeben hat, es zu lesen. Aber sicher war deine Rezension da auch mit beteiligt. Bin sehr gespannt, momentan bin ich erst auf Seite 55 oder so und komme eher schleppend voran. Habe gestern Abend angefangen und bin gar nicht so in Stimmung. Habe aber auch einen Marathon-Lese-Monat hinter mir und brauche vllt einfach mal etwas Pause.

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  7. Auf Amazon sind die Rezensionen eigentlich ganz positiv ausgefallen.
    Mir hätte aber allein schon der alberne Titel gereicht es nicht anzurühren. ^^

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