Sammeleintrag

Mal stichwortartig zusammengefasst mehrere Bücher, die ich in der letzten Zeit so gelesen habe.

Kenneth J. Harvey – Die Stadt, die das Atmen vergaß

Nicht leicht zu lesen undnoch weniger leicht einem Genre zuzuordnen. Mich haben in der Buchhandlung vor allem das Cover und der ungewöhnliche Titel angesprochen. Der Klappentext hörte sich gut an, aber ich hatte bis ich anfing keine Vorstellung davon was mich wrkilich erwartet.

Schön war die durchweg düstere und sturmumtoste Atmosphäre, man hört beim Lesen förmlich das Meeresrauschen. Charaktere sind gut, aber nicht übertrieben gezeichnet. Die Story an sich ist vielschichtig und „weird“, aber es fügt sich am Ende alles zu einem halbwegs logischen Ganzen zusammen. „Halbwegs“, weil für meinen doch recht bodenständigen Geschmack etwas zu viel „Fantasy“ dabei war, aber so als kleinen Exkurs in ein mir recht unbekanntes Genre fand ich das Buch außerordentlich gut. Den Vergelich mit Stephen Kind kann ich nur bedingt nachvollziehen. Auch hier bricht zwar „das Grauen“ in einen gutbürgerlichen Alltag ein, aber King benutzt ganz andere Stilmittel, schreibt viel plastischer und umschreibt das Grauen sehr genau, während bei Harvey alles sehr fein und subtil abläuft.
Insgesamt hätten 150 Seiten weniger dem Buch ganz gut getan, da war vieles einfach zu breit getreten.

Steffi von Wolff – Rostfrei

Schräg – schräger – Steffi von Wolff!

Ich liebe ihre Bücher, verstehe aber auch, wenn man es nicht tut. Man muss wirklich bereit sein, sich auf aberwitzige und nicht immer sehr realistische und teils völlig überzeichnete Charaktere einzulassen. Die Story ist auch hier schräg und nicht immer besonders wirklichkeitsnah, dabei aber so warmherzig und schön erzählt, dass (mir) das beim Lesen egal ist. Oftmals knapp davor, ins Alberne abzudriften wird die Story getragen und „gerettet“ von zwar nicht minder schrägen Charakteren, die aber alle so liebevoll und mit viel Liebe fürs Detail gezeichnet und ausgeschmückt sind, dass es mir Spaß gemacht hat, sie zu begleiten.

Jón Hallur Stefánsson – Eiskalte Stille

Überraschungserfolg des Monats! Ein Krimi, in dem wirklich ewig nichts passiert und der trotzdem nicht eine Minute langweilig war. Ungefähr 100 Seiten lang dauerte es, bis überhaupt erstmal die ersten Zusammenhänge klar wurden. Anfangs wurden ständig kapitelweise neue Personen vorgestellt, teils aus verschiedenen Erzählperspektiven.
Das Buch lebt von den wirklich gut und abwechslungsreich gezeichneten Charakteren. Darin und in der schnodderigen Erzählweise Stefánssons sehe ich sein großes Talent. Er lullt damit den Leser so ein, dass der irgendwann so gefangen ist in der Geschichte und sich im geiste schon bequem die Lösung des Falles zurecht gelegt hat. Und dann schlägt der Autor nochmal zu und gibt dem ganzen eine vollkommen überraschende Wendung, auf die vorher nie jemand gekommen wäre und die regelrecht einrbicht in die ansonsten sachte dahinplätschernde Geschichte! Wirklich sensationell! Ich liebe (Kriminal-)Geschichten, die plötzlich „kippen“ und sich um 180 Grad wenden, nachdem man sich vorher in Sicherheit wiegte und alles glasklar vor Augen hatte.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und habe das demnächst erscheinende 2. Buch des Autors schon auf meinen Merkzettel gesetzt.

Anne Holt – In kalter Absicht

Hat mich jetzt nicht so aus den Puschen gehauen. Die Story ist ganz nett, kommt aber daurch recht schwer in die Gänge, dass es eigentlich zwei Stories sind. Was das soll, hat sich mir ehrlich gesagt nicht ganz erschlossen: Ein Kriminalfall, der über 40 Jahre in der Vergangenheit liegt, ein aktueller. Beides Kindesentführungen und -tötungen, einmal vermutlich auch Kindesmissbrauch. Rein zufällig befasst sich die Juristin-Psychologin (nix Genaues weiß man nicht…), die in dem Aktuellen als Beraterin der Polizei fungiert, rein privat auch mit dem Vergangenen. Ich hatte es irgendwann aufgegeben, auf einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen zu hoffen, da wurde er schließlich doch noch präsentiert. Ich fand diesen „Zusammenhang“ sehr an den Haaren herbeigezogen, und ich hab da auch keinen Sinn drin gesehen, diese beiden Fälle quasi parallel zu präsentieren. Die Handlung ist teils zügig und spannend, teils aber auch unerträglich breitgewalzt. Insgesamt finde ich den ganzen Aufbau recht lieblos.

Noch dazu mochte ich diese Psychologin nicht, die war mir zu fad, zu blass und zu „hach ich weiß ja auch nicht“-mäßig eingestellt. Fraglich, ob ich nochmal was von Anne Holt lesen werde, aber zumindest nicht ganz unwahrscheinlich, da die wohl auch andere Ermittler ins Leben gerufen hat.

Über den Seelenbrecher mag ich jetzt nix mehr schreiben, den hab ich in diversen Foren schon dermaßen durchgehechelt, dass mir dazu nix mehr einfällt, außer dass ich ihn grandios fand ;)

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6 Kommentare zu “Sammeleintrag

  1. Ja, mir ging es mit Anne Holt ähnlich, ich habe das Buch so ungefähr vor einem Jahr gelesen, da hatte ich noch keinen Blog, sonst wäre der Daumen sehr schnell runtergegangen. Ich halte von ihr nicht so sehr viel, aber ab und zu werde ich der Information halber ein neues Buch in die Hand nehmen.

    Liebe Grüße

    Henny

  2. Sie wird ja von einigen sehr gelobt bzw bekommt insgesamt recht gute Kritiken. Das Buch war mal eine Remittende und hörte sich auch gut an. Aber das Ganze war so lieblos geschrieben und schien mir so ohne jedes Konzept.

    Wenn ich nochmal was von Holt versuche, dann definitiv ein Buch aus einer anderen „Serie“. Dieses Ermittlerteam war mir einfach zu saftlos und zu klischeehaft.

  3. ich liebe ja krimis, die nicht so vorhersehbar sind. denn obwohl ich sehr gerne mitrate, wer der mörder wohl ist und vor allem aus welchen beweggründen, finde ich es im nachhinein dann etwas schwach, wenn sogar ICH auf die lösung komme. ;)
    bei simon beckett war es im ersten band so, dass ich recht früh zu wissen glaubte wer der täter ist, und sich das auch bestätigt hat. aber der weg dahin war für mich sehr interessant. und im zweiten band hatte ich bis zur auflösung wirklich NULL ahnung.

  4. Caro, auf welchen beziehst du dich dabei jetzt? Vorhersehbar waren die beide nicht („In kalter Absicht“ zumindest eine ganze Weile nicht).

    Bei „Eiskalte Stille“ hatte ich GAR KEINE Ahnung, wer der Mörder sein könnte, nur mit dem, der es dann letztlich war, hätte man wirklich NIEMALS gerechnet. Zumal diese Täterauflösung der ganzen Geschichte im RÜCKBLICK nochmal eine ganz andere Wendung gegeben bzw sie in ganz anderem Licht hat dastehen lassen. Das war für mich das eigentlich Geniale an diesem Buch, nicht, dass es so unvorhersehbar war.

    Bei „In kalter Absicht“ stand der Täter dann doch schon im letzten Drittel fest, glaube ich. Mich hat das eigentlich weder überrascht noch nicht überrascht. Ich fand das Buch bis dahin schon so langweilig und konstruiert, dass ich nur beiläufig dachte „ach der…“ Die Begründung bzw die Motivation für seine Taten war sooo dermaßen an den Haaren herbeigezogen, das hat mich nur genervt. Eigentlich überlege ich gerade, noch einen Stern abzuziehen ;D

  5. das war nur allgemein gesprochen. wenn ich einen krimi lese, möchte ich am ende auch einen unerwarteten kniff haben, mit dem ich im leben nicht gerechnet habe. – wobei es auch ein bißchen drauf ankommt. es muss ja nicht immer ein total neu herbeigezaubertes motiv sein. aber eben auch nicht eine lösung, auf die man schon recht früh tippt. (meine schwester ist ja ein sehr aufmerksamer leser, der entgeht kein kleinstes detail. mich mit der auflösung zu überraschen ist da schon etwas leichter.)
    und bei simon beckett war das für mich teilweise so. im ersten buch wusste ich schon recht früh wer der täter war … aber über das motiv wusste ich nichts. insofern war es also spannend zu lesen. in „kalte asche“ war die auflösung wirklich etwas, mit dem ich so nie gerechnet hatte.
    „eiskalte stille“ werd ich mir auf jeden fall mal merken, für die zukunft.

  6. Seh ich genauso, ich werde bei Krimis auch gern überrascht, aber komischerweise kann ich grad gar nicht sagen, wie das in der Regel so ist bei mir ;) Ich vergesse den Inhalt eines Buches sehr schnell und bin eventuell auch nicht ganz so aufmerksam beim Lesen. Ich kann mir ja auch Tatortkrimis 3x ansehen und weiß beim 3. Mai dann schon wieder nicht mehr, wer der Mörder ist. Das ist ganz praktisch eigentlich.

    Simon Beckett ist leider nichts für mich, dieses Leichenfledderer- und Verwesungsmaden-Subgenre spricht mich so gar nicht an.

    Eiskalte Stille kann ich wirklich empfehlen, wenn man halt keinen reißerischen Krimi erwartet. Das Buch lebt wirklich hauptsächlich von den Charakteren und, ich kanns irgendwie nicht beschreiben, einer ganz eigenen Erzählweise.

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