Im Bett mit den Rockgöttern

Ich habe gestern ein Buch abgebrochen, auf das ich mich lange total gefreut hatte und das mich leider ziemlich enttäuscht hat: Pamela des Barres – Im Bett mit den Rockgöttern: Die intimsten Bekenntnisse der Supergroupies

Ich finde es zwar nicht total schlecht in der Gesamtwertung würde ich noch 3 Sterne vergeben. Die Grundidee ist wirklich toll, die Schreibe mag ich auch sehr. Aber nach 5 Kapiteln kennt man alles, und spätestens am dem 8. langweilt es nur noch. Ich habe mich bis zum 10. durchgegähnt (von 24!!) und das Buch dann beiseite gelegt.
Es wäre deutlich spannender gewesen, wenn Frau des Barres sich auf 5-7 der „interessantesten“ Groupies beschränkt hätte und diese Stories etwas ausführlicher geschildert hätte. So aber verläuft jedes der 24 Kapitel (zumindest der 10, die ich gelesen habe) gleich: Gutbürgerliches kleines Mädchen liebt die Rockmusik und besucht Konzerte. Irgendwie lernen sie dann die Band kennen und aus der keuschen Jungfrau wird ein Luder, das reihenweise Rocker abschleppt. Im Grunde ändern sich in jedem Kapitel nur immer die Namen, aber das Schema ist bis auf minimale Abwandlungen stets das gleiche und langweilt daher schnell.
Ich schätze, mit diesem Buch ist es ein wenig so wie mit fremden Fotoalben: Für die, die dabeigewesen sind und die Personen kennen, ist es toll, in die Vergangenheit abzutauchen und „Hachja, GENAU SO wars!“ zu seufzen. Für die, die ansonsten keinerlei Bezug zur Materie haben, ist maximal ein freundliches Interesse drin.

Ein bisschen nervig fand ich auch, dass Frau des Barres so abgehoben ist und gerne in allem „Kunst“ sieht. Ob das Penisabdrücke aus Gips sind oder das Schreiben einer Autobiographie, das Sichdurchschlagen ohne je was Gescheites gelernt oder gemacht zu haben oder ganz vor allem natürlich das Groupiesein als solches – alles wahnsinnig phantasievoll und kreativ, alles Kunst.
Und Groupies unter sich sind alle befreundet und haben sich ganz doll lieb, die Rocker werden schwesterlich untereinander aufgeteilt. Das war mir alles ein bisschen zu oberflächlich und zu eiteitei. Gefühle der Groupies zu den Rockstars haben entweder nicht existiert oder wurden einfach nicht zur Sprache gebracht, weil 372 Seiten für 24 Kapitel plus Vorgeplänkel halt doch recht knapp sind: „Es ging uns immer nur um die Musik“, so der Tenor – was ich nicht glaube, aber ist nur meine persönliche Meinung.

Nach den 10 Kapiteln habe ich nur noch einige Kapitel über mir bekannte Namen wie zB Bebe Buell (Mutter von Liv Tyler) überflogen, habe aber nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Das einzig RICHTIG gute (und viel zu kurze) Kapitel war eigentlich eh das erste, das über Elvis.
Schade, ich hatte mir deutlich mehr davon versprochen!

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