Restlicht

Da dieses Buch gerade erst neu erschienen ist, wollte ich dazu auch mal was sagen. Kurz: Ich mochte es nicht. Ich habe es als Rezensionsexemplar bekommen, und die Geschichte hörte sich für mich auf Anhieb sehr gut an: Verschwundene Personen, Eintauchen in die Vergangenheit. Und so habe ich es recht bald nach dem Erhalt auch gelesen.

Ich war dann sehr bald ziemlich enttäuscht, was vor allem daran gelegen hat, dass ich mit den Personen überhaupt nicht warm geworden bin. Der Protagonist Peter war mir sogar regelrecht unsympathisch, was mir das Lesen des Teils der Geschichte, die aus seiner Sicht geschrieben waren, nicht eben erleichtert hat. Die Story an sich hat mich auch nicht so recht in den Bann gezogen. Anfangs wird zwar gleich ein Spannungsbogen aufgebaut, der zumindest bei mir aber sehr rasch wieder abflachte, da es mir einfach zu konstruiert und zu schlecht erzählt war.

Zum Plot selber: Alter Mann liegt im Sterben, was als Vorwand dafür herhalten muss, damit sein einst nach Amerika ausgewanderter tougher Sohn Peter nach 30 Jahren wieder nch Hause kommt. Über das Leben des Sohnes erfahren wir als Leser nur sehr wenig. Fotograf ist er, eine Frau hat er und offenbar auch einen Sohn. Emotionale Bindung zu diesen Personen: Offenbar gleich null. Warum erwähnt man sie also überhaupt (wenn auch nur am Rande in 2-3 Halbsätzen) ? Die Tatsache, dass Peter auf unbestimmte Zeit seine Familie verlässt, so wie er damals seine Herkunftsfamilie verlassen hat ohne Nachricht, soll ihn wohl so ein bisschen als „Lonesome Wolf“ darstellen, hat ihn für mich aber nur eigenbrödlerisch und unsympathisch wirken lassen.

So, wieder in der alten Heimat angekommen, findet die Polizei dort zufälligerweise genau zu diesem Zeitpunkt ein weibliches Skelett, das schon ungefähr 30 Jahre tot ist. Vor 30 Jahren verschwand Peters damalige Freundin Astrid, und vor 30 Jahren verschwand Peter dann – aus Kummer… – nach Amerika. Nachtigall, ick hör dir trapsen…
Das Ganze ist so erbärmlich konstruiert, dass selbst die recht überraschende Wendung in der Frage, ob das Skelett nun Astrid ist oder nicht, für mich nichts mehr rausreißen konnte. Denn was danach folgt, ist die Aneinanderreihung von (für mich) langweiligen und belanglosen Erlebnissen von Teenagern in den 70ern.

Sicher, da ist ein Mord passiert, da waren ganz böse Buben am Werke… ich fand die Geschichte dennoch unsagbar fad und schwammig. Der SPIEGEL sprach in einer Rezension von einem „einem Plot, deren Schilderung unter die Haut geht“. Vielleicht fehlt mir einfach eine gewisse Vorstellungskraft, aber ich kann das nicht nachvollziehen, was aber weniger an dem Plot selbst lag, sondern zum einen an den sehr flach charakterisierten Pesonen und zum anderen an der Erzählweise des Autor: Verhuscht, schwammig, hölzern und erstaunlich wenig geradlinig für ein so kurzes Buch. Erzählt wird aus zwei verschiedenen Sichtweisen. Einmal Peter und einmal ein „neutraler Erzähler“. Das finde ich etwas unglücklich gewählt, den ein weiterer nicht-neutraler Erzähler hätte dem Ganzen eventuell ein wenig Schwung und Spannung geben können. Die Grundstimmung war für mich während des gesamten Romans düster und schwammig. Und zwar im negativen Sinn, die Geschihte konnte mich nicht packen, ich bin einfach nicht „rein“ gekommen.

Und obwohl der Schluss überraschend war, wertet das für mich den Roman nicht mehr auf. Wo ich mich durch so viel konstruierte und schlecht geschilderte „Handlung“ quälen muss, bin ich auch nach nur 280 Seiten nur froh, dass es vorbei ist ;)

Wer dennoch Lust auf mehr Infos und eine Leseprobe hat: Auf der Website des Autoren unter www.jochenrausch.com. Dort findet sich auch ein Youtube Video („Trailer“) zum Roman.. Ich finde, es gibt das Buch sehr gut wieder, denn es ist genauso unscharf, verwackelt und verschwommen wie das Buch selbst.