Ruf! Mich! An! Oder wie man es sich mit Bestsellerautoren verscherzt

Den nachfolgenen Beitrag habe ich vor ewiglanger Zeit schon mal auf der Verbraucherplattform Dooyoo.de eingestellt. Überraschenderweise bekam ich kurz darauf von Else Buschheuer höchstselbst ein paar nette Zeilen per eMail: „Danke für Ihren Verriss. Immer fein üben, dann klappts auch mit dem Schreiben. ;-)“ Wörtlich!!
Ich fand das irgendwie genial, dass Frau Buschheuer so offensichtlich angepisst war von einer schlechten Rezension, die irgendein unbedeutendes Lieschen Müller im Internet veröffentlich hat, dass ich die Rezension aufgehoben habe.

Auf „vielfachen Wunsch“ (hehe) hier also nochmals meine vor circa sieben Jahren verfasste Rezension über Else Buschheuer Erstlingsroman Ruf! Mich! An!
Ich muss dazu noch sagen, dass ich das Buch seither nie mehr gelesen habe und meine Erinnerungen daran heute auch nur noch sehr schwach sind. Der Text gibt also meine Eindrücke von damals wieder:

„Das Buch schrie mich förmlich an aus dem Regal. Gott sei Dank nur in der Bibliothek, sonst wäre ich dafür auch noch um 36,- [DM!!] ärmer geworden. „Ruf! Mich! An!“ ist der erste und leider auch nicht der letzte Roman der (ehemaligen ?) Pro-Sieben-Wetterfee Else Buschheuer.
Lustig sollte er sein, wie man verschiedenen Kritiken entnehmen konnte (wobei ich mich frage, wo da die Kritik blieb…). Es hätte mir allerdings zu denken geben sollen, dass die Autorin bei der Vorstellung dieses äh… Werkes auf der Frankfurter Buchmesse ihre Lesung öfters unterbrechen musste, weil sie vor Lachen nicht mehr weiterkam. Zeugt ja nicht gerade von Professionalität, aber darüber hätte man ja noch hinwegsehen können, wenn das Buch wenigstens komisch wäre.

Ist es aber nicht. Nicht im geringsten. Es ist sowas von unkomisch, das ich mich gelangweilt durch die knapp 200 Seiten blätterte und darauf wartete, dass endlich der Witz käme. Die Protagonistin des Buches heißt Paprika, was ja immerhin schon recht originell ist. Paprika ist Inhaberin einer erfolgreichen Werbeagentur und beansprucht sämtliche gutgehenden Kampagnen dieses Landes für sich. Sei es Audi oder die FAZ. Paprika ist also die Chefin dieses Ladens und hat ab und zu gute Ideen (die besten natürlich), lässt aber ansonsten bevorzugt andere für sich arbeiten. Ihre reichlich bemessene Freizeit verbringt sie gern mit ihrem Vibrator (leuchtet im Dunkeln, aber wollen wir das eigentlich wissen ?!) und damit, ihren ausgeprägten Hang zur Misanthropie unter Beweis zu stellen. „Alle doof außer ich“, so könnte man das schlichte aber konsequente Motto dieser sehr undamenhaften Lady beschreiben. Alle stinken, alle sind verblödet, und Broiler sowieso und überhaupt.

Broiler also, ganz wichtig! Broiler gehören aus der Welt geschafft und wir wollen die Mauer wieder haben. Dass Broiler für „Ossi“ steht, habe ich erst nach ein paar Seiten begriffen, mir war dieser Ausdruck bislang unbekannt. Soll wohl komisch sein, denn es wird keine Gelegenheit ausgelassen, in ausgesprochen bissigem Tonfall darüber herzuziehen, was den gemeinen Broiler zu einem Menschen zweiter, ach was – vierter Klasse macht: Broiler stinken, Broiler sind spießig, Broiler sind pervers und Broiler sind dumm. Und überhaupt.
Ihre Nachbarn Maik unn Mändy sind zu allem Übel die Prototypen des gemeinen Broilers, was Paprika über alle Maßen aufregt. Komisch, dachte ich mir so, was soll daran so schlimm sein, wenn man kurz vorher in epischer Länge und Breite erklärt bekommt, wie wenig Kontakt man in diesem Hause zu seinen Nachbarn pflegt? Maik un Mändy betreiben einen „gutsortierten Bärschnglubb“, was Paprika etepetete beklagt. Den armen Leuten werden fiese DDR-Witzchen erzählt, um sie so eventuell aus dem Haus zu ekeln, usw. Nicht wirklich komisch, nur gehässig.

Wenn es schon nicht witzig ist, habe ich mir gedacht, soll es vielleicht ironisch sein. Aber so sehr ich auch suchte, ich konnte keinen Hinweis darauf finden, dass Frau Buschheuer ihre Hasstiraden als Ironie gedacht hatte und ihre Paprika als Farce darstellen wollte. Kurz und gut, es fehlt diesem Buch an Witz (obwohl ein gewisser Wortwitz an einigen Stellen durchaus aufblitzt, wie fairerweise gesagt werden muss) und etwas anderes hat es auch nicht zu bieten. Frau Buschheuer wusste offenbar nicht einmal, ob sie nun einen Roman schreiben wollte oder ein paar Kurzgeschichten. Das ganze Buch (es wird als Roman verkauft) ist eine einzige lahme Aneinanderreihung von ausgelutschten Trabbiwitzen, über die heute nun wirklich keiner mehr lacht und uninteressanter Freizeitbeschäftigungen der „Heldin“ (und wie gesagt – Freizeit hat sie reichlich).

Man hätte eventuell mal eine Art Spannungsbogen einbauen können, um dem Ganzen einen Sinn zu geben, aber auf den Gedanken kam die Frau Buschheur überhaupt nicht. Da gibt es zwar die Sache mit diesem mysteriösen Valmont, aber die wird dann von einer Seite auf die andere fallen gelassen. Da hatte Else offenbar keine Lust mehr, oder was auch immer. Valmont nennt sich ein Mitarbeiter der Telefonauskunft, der Paprika neben der von ihr verlangten auch noch seine eigene Nummer mitteilt, und so ergibt sich etwas, das wohl eine „gefährliche Liebschaft“ sein soll.
Valmont ist nämlich eine Figur aus ebendiesem Film, die nur eins im Sinn hat, oder sagen wir – zwei Dinge: Sex und Macht. Da wird unsere toughe Paprika dann auf einmal schwach, und sie lässt sich dazu überreden, in ihrem, Bett nackt und mit verbundenen Augen auf einen Mann zu warten, von dem sie nur die Stimme und die Telefonnummer kennt. Da sind dann sogar für ein paar Stunden die lästigen Broiler von nebenan vergessen.Die Liebschaft ist so gefährlich aber nicht. Als Leser möchte man nur gerne mal wissen, wer dieser Valmont nun eigentlich ist, aber wie bereits gesagt: Der gerät irgendwann erstaunlich fix in Vergessenheit und ward nicht wieder gesehen.

Die Sprache dieses zweifelhaften Romans würde ich nicht mit humorvoll bezeichnen, sondern eher mit vulgär und provokativ. Ich meine, schön, wir sind ja alle aufgeklärt und gewiss nicht zimperlich, aber auf knapp 200 Seiten ungefähr 128 mal „F.i.cken“ und „M.ö.se“ war selbst mir zu viel.
Eindeutig auf Provokation angelegt. Schaut her, wie offen und freizügig ich doch bin!
Nö, das muss nicht sein, finde ich.

Mein Rat: Lest! Es! Nicht!

PS: Ich habe nie wieder ein Buch von Else gelesen.

9 thoughts on “Ruf! Mich! An! Oder wie man es sich mit Bestsellerautoren verscherzt

  1. Das klingt ja wirklich nicht nach einer literarischen Glanzleistung.

    Aber ihre Reaktion ist der Brüller. Klar tut einem Autor sowas vielleicht erstmal weh. Aber da muss man doch drüberstehen. Es muss einem doch bewusst sein, dass man, wenn man etwas veröffentlich, was auch immer das sei, es Leute geben wird, die anderer Meinung sind, die es nicht mögen. Das ist normal und das ist der Lauf der Welt. Wenn man das nicht akzeptieren kann, darf man kein Buch veröffentlichen. So einfach ist das. Die Frau ist offensichtlich nicht zu einem Funken Selbstkritik fähig. Arm, sowas.

  2. Ich finde die Reaktion von Else Buschheuer äusserst witzig und selbstironisch. Ich denke, das war auch so gemeint. Wenn sie wirklich „angepisst“ gewesen wäre, hätte sie deutlichere Worte benutzt oder sich gar nicht erst gemeldet. Und die Frau ist schon ZIEMLICH ironisch! Und Deine Rezension ist ja auch nicht allzu dolle. Recht polemisch, das Ganze.

    Übrigens fand ich Ruf! Mich! An! damals recht gut, vor allem saukomisch.

  3. Naja Björn, ich hab das anders gesehen und sehe es immernoch anders. Ein Autor, der sich die „Mühe“ macht, auf eine Rezension von Otto Normalverbraucher derart schnippisch zu reagieren… also besonders souverän oder selbstironisch wirkt das irgendwie nicht :) Ich sehe das nach wie vor so, dass sie gekränkt war darüber, dass jemand ihr tolles Buch nicht verstanden hat und darüber auch noch im Internet geschrieben hat. Wenn sie wirklich darüber gestanden hätte, DANN hätte sie gar nicht erst reagiert.

    Und ich finde auch heute mit etwas Abstand meine Rezension nicht polemisch. Ich mochte das Buch eben einfach nicht und habe versucht, das darzulegen. Meine Meinung ist einfach sehr schlecht ausgefallen, mich hat das Buch nicht überzeugt – das hat mich Polemik nicht szu tun

  4. Ich finde es ja mal sehr genial, dass eine Autorin auf so eine (übrigens sehr gut geschriebene!) Rezension reagiert…

  5. die rezension ist einfach göttlich, und legt eben deine persönliche meinung sehr lebhaft dar. das die else sich da so angegriffen fühlt find ich schon witzig. mit negativer kritik muss man als autor ja nun wirklich rechnen, und sollte damit leben können.

    mir hat mal steffi von wolf einen kommentar ins LJ geschrieben. wobei ich heute noch zweifle, ob das echt die autorin war, oder nur jemand der mich veräppeln wollte. aber immerhin hatte ich das buch gelobt. ;)

  6. Carolin: Ich hatte den Eindruck, da eine wunden Punkt getroffen zu haben, keine Ahnung. Dieses „Immer fein üben“ hat schon sowas Beleidigtes a la „du kannst es ja selbst nicht besser!“
    Vermuuuutlich hab ich das Buch sowieso einfach nicht verstanden (so ist das ja immer, wenn man ein beliebtes Buch doof findet)… Ich erinnere mich noch daran, und das hab ich ja so auch geschrieben, dass ich natürlich an Ironie gedacht habe,immerhin ist Else selbst ein Ossi / Broiler. Aber das Ganze war so derart tumb geschrieben, dass ich den Eindruck hatte, die denkt wirklich so. Ich verstehe, dass man als Autor oder generell Künstler geknickt ist, wenn sein Werk zerrissen wird, aber damit sollte man wirklich umgehen können, da es sich nunmal nicht vermeiden lässt.

    Und jetzt gehe ich mal den komentar von der Steffi suchen, die magich nämlich ganz gerne ;)

  7. Ui, zu einem Buch von Steffi von Wolff habe ich mal ziemlich deutliche Worte gefunden. Das war sooooo übel. Muss die Rezi die Tage mal raussuchen.

    Zur Reaktion von Else Buschheuer hatte ich an anderer Stelle ja schon was geschrieben. Und so schlimm ist die Rezi nun wirklich nicht. Gibt halt deine Meinung wieder. Schon deutlich, aber das wird ja wohl erlaubt sein.
    Hm, vielleicht werde ich mir ‚Masserberg‘ (liegt auf meinen SuB) doch eher früher als später zu Gemüte führen…

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