Ohne eine Spur

Hat mich leider echt nicht vom Hocker gerissen, obwohl ich doch das Thema „Vermisste Leute“ so schön spannend finde. Stanley war offenbar bemüht, die Story so langweilig und so bieder wie möglich zu gestalten: 18jährige katholische Klosterschülerin verschwindet plötzlich und tauch nie wieder auf. Die Polizei findet weder das Mädchen, noch weiterführende Hinweise, Bella Dunville bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Was dagegen zutage kommt, sind einige Details aus dem eher unklösterlichen Privatleben Bellas und ihrer Familie. Man erfährt, dass das Kind Hanf angebaut und offenbar auch den ein oder anderen Flirt gehabt hat – nein, wie rebellisch jetzt!!

Bella ist weg, und während sie gesucht wird, wird der Leser mit Infos über das Familienleben der Dunvilles in der Vergangenheit und in der Gegenwart bei der Stange gehalten, sowie mit eher unspannenden Details über die beiden jüngeren Töchter Becky und Brona. Das extrem detailliert geschilderte und bis zum Gehtnichtmehr breit getretene sexuelle Erwachen der mittleren Tochter Becky, sowie die imer wieder angedeuteten und schließlich explizit erläuterten Hintergründe Beckys wahrer Herkunft (Stichwort „Erbsünde“) fand ich persönlich unfassbar langweilig und nicht eben förderlich für den Fortgang der eigentlichen Geschichte.

Stanley wollte anscheinend mehrere Themenkreise in ihrem Roman unterbringen – was in meinen Augen total daneben gegangen ist. Sprachlich ist das Ganze ausgesprochen unspektakulär und schlicht, Spannungsbögen werden so gut wie gar keine aufgebaut. Von wegen „feinste Psychospannung“…
Die Story entwickelt auf den letzten 40-50 Seiten schlagartig noch sowas wie Spannung. Da war es für mich dann aber zu spät, um mich nochmal für das Buch zu erwärmen. Mir kam es so vor, als hätte die Autorin das Buch dann doch langsam mal beenden wollen und zu diesem Zweck nochmal einen kleinen Showdwon hingelegt. Achja, und eine Auflösung muss es ja auch geben, und so erfährt man auf den allerletzten Seiten im Schnelldurchlauf und ausgesprochen lieblos, was Bella Dunville vor 30 Jahren widerfahren ist.

Unspannend, öde, lieblos – kein empfehlenswertes Buch.

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2 Kommentare zu “Ohne eine Spur

  1. Das für mich bisher mit Abstand spannendste Buch aus der Reihe „Missing people“ war Val McDermids „Ein Ort für die Ewigkeit. Falls Du es noch nicht kennst und sich dereinst eine unerwartete Lücke in Deinen Bücherstapel auftun sollte, ein Page-Turner im beste Wortsinne..

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