Poppy Shakespeare

Ich kann ja an keiner Buchhandlung vorbeigehen und an dem Tisch mit den TB-Neuerscheinungen schon gar nicht. Manches wird von dort spontan gekauft, manches aber auch erstmal notiert und dann im Netz ausführlich „recherchiert“, bevor ich eine Kaufentscheidung treffe.

Bei Poppy Shakespeare fiel es mir leicht, spontan zuzuschlagen: Das Cover, der Titel und der Klappentext, sowie die ersten flüchtig überflogenen Zeilen sprangen mich förmlich an. Außerdem sei dieses Buch ein „grandioser Roman mit Kult-Potential“. Das behauptet jedenfalls das Deutschlandradio, und genau so stehts auch vorne auf dem Cover. Ich hatte mir ja schon mehrmals vorgenommen, davon Abstand zu nehmen, mich von solchen zitirten Reklameaussprüchen auf Buchcovern beeinflussen zu lassen, aber leider falle ich echt immer wieder drauf rein.

Eins vorweg: Der Klappentext ist absolut irreführend:

„Poppy Shakespeare ist ganz normal. Zumindest war sie das bis zu jenem Tag, als sie sich auf eine neue Stelle beworben hat. Beim Vorstellungsgespräch eröffnet man ihr, dass sie an einer schweren Persönlichkeitsstörung leide; das hätte der Eignungstest ergeben. Und schon fährt der Krankenwagen vor, der Poppy in die Psychiatrie bringt.“

Das klingt doch angenehm witzig-oberflächlich, und wenn ich ehrlich sein soll, ich hatte mir so eine Art Becky Bloomword vorgestellt (aka „Die Schnäppchenjägerin“).
Aber weit gefehlt…
Zum einen kommt die Titelfigur Poppy selbst kaum zu Wort. Der Umstand, der zu ihrer Einweisung in die Klappsmühle geführt hat, wird erst sehr weit hinten im Buch kurz umrissen. An sich OK, aber dann darf man im Klappentext nicht so tun, als wären eben diese Umstände die eigentliche Handlung des Buches!

Kurz zusammengefasst geht es in diesem Roman darum, wie jemand systematisch und unerbittlich in den Wahnsinn getrieben wird. Die Story hat etwas Kafkaeskes: Poppy wird aus heiterem Himmel in die Psychiatrie eingewiesen, ein Entkommen gibt es nicht. Denn sollte sie sich weigern, als Tagespatientin 4 Wochen lang in diese Klinik zu gehen, wird man sie stationär einweisen, und das will sie erst recht nicht. Sie versucht natürlich, Ärzten, Pflegern und Mitpatienten klarzumachen, dass sie nicht verrückt, sondern vollkommen normal ist. Man hört ihr entweder nicht zu oder glaubt ihr nicht. Einen Anwalt kann sie nicht nehmen, da „normale“ Awnälte sofort auflegen, wenn sie am Telefon sagt, dass sie Insassin der Dorothy Fish Klinik ist. Und um einen auf Psychiatriefälle spezialisierten Anwalt zu bekommen, muss sie sich offiziell für „bekloppt“ (O-Ton!) erklären lassen…

Auf diese wahnwitzige Art und Weise ziehen sich die Kreise immer enger um die arme Poppy, die verzweifelt versucht, ihr Leben wiederzubekommen.
An sich also trotz des Missverständnisses mit dem Klappentext es eine interessante Geschichte. Ich mochte das Buch trotzdem nicht, und das liegt vor allem an der Art und Weise, wie es geschrieben ist. Aus Sicht von Poppys Mitinsassin N. Kein Name, einfach nur N. N wurde mit Poppys „Betreuung“ beauftragt, ist also ihre direkte Ansprechpartnerin und soll ihr die Eingewöhnung ein bisschen erleichtern. Von ihr erfährt man also einigs über das Leben der „Bekloppten“ in dieser Anstalt, die es dort eigentlich ganz schön finden. Wie „bekloppt“ N. ist, weiß man nicht so genau. Mir kam sie immer recht „normal“ vor, geistig vielleicht ein bisschen arg schlicht gestrickt, aber sonst nicht weiter auffällig. N redet ohne Punkt und Komma, ihre Sprache ist derb bis vulgär. Ich mochte sie überhaupt nicht und fand sie einfach nur unglaublich nervig und – entschuldigung – dumm. Sie bemüht sich zwar um Poppy und diese freundet sich schließlich auch mit ihr an, aber ihr leiernder Tonfall, in dem das ganze Buch geschrieben ist, und dieses naive und resignierte Dahergeplapper hat ihr bei mir keine Sympathiepunkte eingebracht.

Leider bin ich auch mit Poppy selber nicht richtig warm geworden. Einerseits weil sie ja immer nur aus Ns Perspektive beschreiben wurde und sie mir deshalb weitgehend fremd blieb, andererseits weil äh… weiß ich auch grad nicht genau. ;)

Insgesamt war das Buch für mich ein kompletter Reinfall. Zum einen weil ich mir wirklich was anderes vorgestellt hatte, zum anderen sind die Erzählweise und die doch recht derbe Sprache anstrenged zu lesen. Ich konnte mich mit keiner der Figuren identifizieren, und von dem angeblichen „Kultcharakter“ und dem Witz, den einige Kritiker diesem Buch zugeschrieben haben, war bei mir nicht viel zu spüren.

7 thoughts on “Poppy Shakespeare

  1. ganz so als flop wie du, hab ich das buch nicht empfunden. mir hat es eigentlich ganz gut gefallen.
    aber die diskrepanz zwischen klappentext und handlung ist schon eine unsitte, die immer mehr um sich greift, und einfach zu „falschen“ erwartungen an ein buch führt. :(

  2. Ich habe mich in den letzten Monateh so oft über Bücher geärgert, die ich wg des Klappentextes gekauft habe und die mich letztlich total enttäuscht haben. Ich seh ja ien, dass Verlage auch Marketing betreiben müssen, aber deswegen kann man sich doch trotzdem beim Klappentext an den Inhalt des Buches halten und nicht si viel Irreführendes schreiben.

    Eine weitere Unsitte ist das Aufdrucken von knackigen und prägnanten Journalistenmeinungen direkt aufs Cover Ich bin echt anfällig für sowas, graaah! Und grad diese Bücher sind dann für mich immer die totalen Flops.

  3. apropos falsche erwartungen aufgrund des klappentextes & weil ich es gerade auf deiner wunschliste gesehen habe: t. hat gerade „bockmist“ gelesen und auch etwas vollkommen anderes erwartet.

  4. Von dem Buch erwarte ich zum Glück eigentlich eher gar nix bzw kann mir nicht so recht vorstellen, um was es geht. Mag daran liegen, dass sich dieses Dr House nie anschaue im Fernseh ;)
    Bin mir auch noch nicht sicher, ob ich das Buch lesen will/werde, das steht da mhe rso zum Festhalten auf der Liste

  5. „Bockmist“ hat aber doch gar nichts mit Dr. House zu tun (mal abgesehen davon, dass der Hauptdarsteller auch Autor des Buches ist)?

  6. Ich habe heute mit dem Buch angefangen und bin jetzt schon einigermaßen genervt vom Erzählstil der N. Ich befürchte, das wird anstrengend, auch wenn die Story an sich wirklich interessiert klingt.

  7. Das Problem ist: Die Story vom Klappentext hat nichts mit der eigentlichen Story zu tun. Die EIGENTLCHE Story, dieses „Kafkaeske“ ist schon interessant, geht aber total unter in diesem schrillen Geblubber von N.

    War wirklich eins der miesesten und enttäuschendsten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, was größtenteils am nervigen Schreibstil liegt.

    Bin gespannt auf deine Endmeinung :)

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